MGM-Übernahme

21. September 2010 13:03; Akt: 21.09.2010 13:27 Print

James Bond im Visier von Bollywood

von Peter Blunschi - Dem legendären Hollywood-Studio MGM droht der Konkurs. Ein indischer Milliardär will angeblich als Retter eingreifen, zusammen mit den James-Bond-Produzenten.

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Daniel Craig in geheimer Mission - bald unter indischer Führung? (Bild: Keystone/Susie Allnutt)

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Im April sorgte eine Meldung für Schlagzeilen und Bestürzung. Die britische Eon Productions, die alle 22 bisherigen James-Bond-Filme produziert hatte, teilte mit, dass die Arbeiten am neuen 007-Spektakel für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt werden. Begründet wurde der Produktionsstopp mit den massiven Finanzproblemen des Hollywood-Konzerns Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), dem 50 Prozent der Bond-Rechte gehören.

Seit der Übernahme im Jahr 2005 durch ein Konsortium aus Finanzinvestoren, zu dem auch der Elektronikkonzern Sony gehörte, lastet ein Schuldenberg von 3,7 Milliarden Dollar auf dem legendären Studio mit dem Löwen im Wappen. Flops an der Kinokasse, sinkende DVD-Verkäufe und die Finanzkrise haben die Misere noch verschlimmert. Mehrfach wurde über einen Verkauf von MGM spekuliert. Nun ist ein neuer Interessent aufgetaucht.

Einstieg für zwei Milliarden

Der indische Mischkonzern Sahara India Pariwar verhandelt laut Medienberichten über einen Einstieg bei MGM. Das Unternehmen ist demnach bereit, bis zu zwei Milliarden Dollar zu bezahlen und im Gegenzug eine substanzielle Aktienbeteiligung zu übernehmen. Sahara wird vom Milliardär Subrata Roy kontrolliert, der beste Beziehungen zur indischen Filmmetropole Mumbai unterhält und etwa 30 Filme produziert hat.

Die mögliche Übernahme von Hollywood durch Bollywood erregt die Gemüter und unterstreicht «die wachsende finanzielle Stärke und das Selbstbewusstsein der indischen Filmindustrie», so die «Financial Times». Ein Sprecher von Sahara bestätigte, dass Gespräche stattfinden, diese befänden sich jedoch noch in einem sehr frühen Stadium.

Broccoli-Clan involviert?

Laut der Agentur Bloomberg sollen auch die Eigentümer von Eon Productions – Barbara Broccoli, die Tochter des legendären Bond-Produzenten Albert «Cubby» Broccoli, und ihr Stiefbruder Michael Wilson – in den Deal involviert sein. Eine Sprecherin von Eon dementierte: Es habe «nie einen Kontakt» mit Sahara India Pariwar gegeben. Allerdings passen die Gerüchte zur Meldung vor einigen Tagen, wonach der neue Bond mit Daniel Craig nun doch gedreht werden soll, und zwar im nächsten Sommer.

Ob der Bollywood-Deal zustande kommt, bleibt offen. Ein alternativer Plan sieht vor, MGM unter Konkursverwaltung zu stellen und zu restrukturieren. Die Führung des Studios soll durch die Produktionsfirma Spyglass Entertainment übernommen werden. Ein Übernahmeangebot des Konkurrenten Time Warner über 1,5 Milliarden Dollar war im Mai als zu gering abgelehnt worden.