30 Minuten vor Pleite-News

21. Mai 2019 21:41; Akt: 22.05.2019 16:21 Print

Jamie Oliver kündigt Angestellten per Mail

Viele von Jamie Olivers Mitarbeitern standen am Dienstagmorgen vor geschlossenen Türen – der Starkoch hatte ihnen erst kurz zuvor mitgeteilt, dass sie nun arbeitslos sind.

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Die Restaurantgruppe des britischen Starkochs Jamie Oliver ist pleite – und seine rund 1300 Angestellten stinksauer: Denn sie wussten nichts von den finanziellen Schwierigkeiten des Unternehmers. Viele der Mitarbeiter erschienen am Dienstagmorgen zur Arbeit, um erst dann zu erfahren, dass die 22 Restaurants der Kette Jamie's Italian ab sofort geschlossen bleiben. Einige umarmten sich und weinten vor den geschlossenen Türen der Lokale.

Die Mitarbeiter eines Restaurants in Birmingham erzählten der Zeitung «Daily Mail», dass sie erst 30 Minuten vor Bekanntwerden der Nachricht die Kündigung per Mail erhalten hätten. «Das macht mich wirklich wütend, weil Jamie nicht derjenige sein wird, der nun einen Job suchen muss und Mühe haben wird, seine Rechnungen zu bezahlen», meinte ein Angestellter.

Ein Schwager kommt zu Hilfe

Die wirtschaftlichen Probleme beim Fernsehkoch sollen bereits Anfang 2017 begonnen haben, als Oliver die ersten sechs Restaurants der Kette schliessen musste. Damals machte er den Brexit dafür verantwortlich: Die Zutaten für italienische Gerichte seien zu teuer geworden. Ausserdem hätten teurere Mietpreise und die Erhöhung des Mindestlohns dazu beigetragen, dass «wir einfach kein Geld mehr hatten», sagte er der «Financial Times» im vergangenen Sommer.

Ehemalige Angestellte und Freunde des Kochs machen allerdings die Misswirtschaft von Jamie Olivers Schwager Paul Hunt verantwortlich für die Krise. Oliver hatte im Jahr 2014 den Ehemann seiner Schwester Anna-Marie zum CEO von Jamie Oliver Ltd ernannt.

Stur und ständig «in den Ferien»

Hunt hatte unter anderem den Auftrag bekommen, die Firma zu sanieren und rentabler zu machen. Doch wie viele Angestellte im Mai letzten Jahres der britischen Zeitung «The Times» erzählten, sei es schwierig gewesen, mit dem Mann zu arbeiten. «Er ist sehr stur und in den meisten Fällen liegt er falsch», sagte ein Mitarbeiter. Hunt wurde als «inkompetenter Bully», beschrieben, der «ein Problem mit Frauen hat».

Andere beklagten, dass Hunt «trotz zahlreicher Versagen» Gehaltserhöhungen erhalten habe. Zudem sei er «oft abwesend oder in den Ferien» gewesen. Oliver habe davon gewusst, aber nie etwas unternommen, weil er sich «vor Konfrontation innerhalb seiner Familie» gefürchtet habe, vermuteten die früheren Mitarbeiter.

Oliver unterstützte seinen Schwager

Der Starkoch stellte sich nach Veröffentlichung des «Times»-Artikels hinter seinem Schwager. «Wir haben die Vorwürfe untersucht und kein falsches Handeln bei Paul Hunt festgestellt», sagte Oliver. «Er hat unser Geschäft radikal verändert. Es ist jetzt erfolgreicher, lebendiger und kreativer als je zuvor», meinte der Starkoch überzeugt.

Ein Jahr nach diesen Aussagen sitzt das Unternehmen auf ein Schuldenberg von 71,5 Millionen Pfund (umgerechnet rund 92 Millionen Franken). Inzwischen wurde die Unternehmensberatung KPMG als Insolvenzverwalter bestellt. Sie sucht derzeit nach einem Käufer oder mehreren Käufern für alle oder einen Teil von Jamie Olivers Restaurants.

(kle)

sentifi.com

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