Glücksforschung

25. Dezember 2014 15:09; Akt: 25.12.2014 15:09 Print

Je mehr Geschenke, desto weniger Besinnlichkeit

von Isabel Strassheim - Geschenke und Konsum machen uns nicht glücklich. Das meint einer, der es wissen muss: Ökonom und Glücksforscher Bruno S. Frey. Und was verschenkt er an Weihnachten?

storybild

Forscht nach dem Glück: Bruno S. Frey (Bild: zvg)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Unsere Glückssuche hat sich verschoben. In einer Überflussgesellschaft funktioniert sie anders als in einer von Armut geprägten. Wer zum Beispiel keine Angst mehr haben muss davor, dass die Waschmaschine kaputtgeht oder die Arztrechnung nicht bezahlt werden kann, der lebt anders. «Mit wachsendem Einkommen verändern sich die Bedürfnisse. Das Materielle steht nicht mehr im Vordergrund, sondern soziale Beziehungen werden wichtiger», sagt Bruno S. Frey, einer der Begründer der ökonomischen Glücksforschung, zu 20 Minuten.

Umfrage
Gehören Geschenke zum Weihnachtsfest dazu?
38 %
45 %
17 %
Insgesamt 1589 Teilnehmer

Wenn alle wesentlichen Bedürfnisse befriedigt sind, dann ändert sich die Lebensausrichtung. Oder anders gesagt: Wer alles hat, ist meist noch immer nicht glücklich – und sucht weiter. Einige beginnen dann zu meditieren und versuchen, dass Materielle hinter sich zu lassen.

Weihnachtsgeschenke als Indikator für Gottlosigkeit?

An Weihnachten gilt das jedoch gerade nicht: Denn dieses Fest begehen die meisten mit einer Extra-Portion Konsum. «Je unchristlicher unsere Gesellschaft wird, desto mehr Geschenke werden gemacht», sagt Frey. Könnten also die Pakete unterm Weihnachtsbaum ein Zeichen für die Gottlosigkeit sein? «Weihnachtsgeschenke lenken jedenfalls vom christlichen Weihnachtsfest ab», sagt Frey, der zurzeit an der Zeppelin-Universität im deutschen Friedrichshafen lehrt.

Ohne Präsente geht es aber auch bei Frey nicht. Allerdings schenkt der 64-Jährige anders. Weil in der Schweiz fast jeder schon alles habe und man kaum mehr etwas Vernünftiges schenken könne, ist er auf eine andere Idee gekommen. Eine, mit der auch Hilfswerke werben: Statt Geld für ein wahrscheinlich überflüssiges Geschenk auszugeben, lieber für eine gute Sache zu spenden und dies die anderen wissen zu lassen. «Ich spende dieses Jahr für Syrien und schenke das meinen Freunden.» Er habe das an Weihnachten schon einmal gemacht und das sei sehr gut angekommen, weil das jeder sinnvoll finde.

Spenden bringt Glücksgefühl

Aber auch für viele, die herkömmliche Geschenke für ihre Familie und Freunde machen, gehört zu Weihnachten das Spenden für karitative Zwecke. Es lässt sich fragen, ob wir uns so ein gutes Gefühl und Gewissen erkaufen wollen. Aber auch wenn das nicht im Vordergrund stehen mag, «Spenden und Freiwilligenarbeit machen glücklich, dass haben Studien erwiesen», erklärt Frey.

Der Trend scheint hin zu einer neuen Form des Selbstverständnisses zu gehen. Die Popularität von Büchern wie «Befreiung vom Überfluss» von Niko Paech oder Theorien über eine Postwachstums-Ökonomie deuten das an. Sind wir dabei auf Glückssuche jenseits des Konsums? Macht ein freiwillig auf das Wesentliche reduziertes Leben glücklicher? «Ja», antwortet Frey. Allerdings kommt sogleich ein Aber: «Das Problem ist nur: Was ist das Wesentliche? Vielleicht fahren Sie keinen Ferrari, aber legen Wert auf schöne Schuhe oder aufs Bergsteigen, was auch sehr teuer sein kann.» Was bleibt, ist die Frage nach dem Wesen des Wesentlichen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fränzi Bachmann am 25.12.2014 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist leider die Wahrheit

    Ist leider die Wahrheit. Diese Geldmacherei machen wir schon lange nicht mehr mit. Wir beschenken uns das ganze Jahr mit Liebe Geborgenheit, Sinnlichkeit.... Beschenken uns spontan mal was, das uns grosse Freude macht, haben unseren Weihnachtsbaum draussen und feiern bei Feuer, Glühwein, Champagner und Essen. Dafür gehen wir am 29. für vier Tage nach Saas Grund Skifahren. Wünsche allen eine schöne Weihnachten.

    einklappen einklappen
  • Paul am 25.12.2014 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    weniger ist definitiv mehr!

    Deshalb machen wir es seit Jahren so, dass jeder jeweils einer Person nach Zufallsprinzip genau ein Geschenk für einen bestimmten Wert schenkt (wichteln). So bekommen alle ein Geschenk und alle schenken etwas. Dann bleibt genug Zeit für das gemütliche Beisammensein und die Besinnlichkeit, was ja eigentlich Weihnachten ausmachen sollte. Wer mehr schenken will, kann das ja am Geburtstag der jeweiligen Person machen.

    einklappen einklappen
  • Annegret am 25.12.2014 15:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glück ...?

    Ich wollte noch weiterschreiten ;(, :)... Was bleibt dann noch? Kinder erhalten eine ganze Palette an Geschenken, weil es ja sonst nichts gibt... Wir haben es verlernt, füreinander dazusein. Bestenfalls wandeln wir im guten Sinn nebeneinander durch die Zeit. Haben wir schnell etwas geklärt, geht es sogleich zum nächsten Punkt über. Jeder muss sich selbst präsentieren. Das wird honoriert... Wir sind geprägt vom Jetzt und von uns. Viel zu viel, deshalb macht päcklifreies Schenken wieder froh . Es ist so: ist der Heilige Abend mit allem, was an Pompösen nicht zu überbieten ist, gelaufen:Leere

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Step am 26.12.2014 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau.

    Ich hab' in der Adventszeit oft das Lied von Greg Lake genossen,in dem er singt ( auf Englisch ) er wünsche eine hoffnungsvolle und friedvolle Weihnacht... Mir kommt's auch eher auf das Wesentliche an-als auf viele,teure Geschenke ! :-)

  • Chris V am 26.12.2014 09:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weihnachten

    Weihnachten hat schon lange nichts mehr zu tun mit Weihnachten, hier gehts nur noch um Geschenke, eben, Geschäfte und die bezahlten freien Tage und Scheinheiligkeit. Besser ist das ganze Jahr durch in Frieden zusammen leben, statt nur an Weihnachten und Ostern.Ich mache das Jahr durch freiwillig Geschenke nicht unter dem Weihnachtszwang.Klar, den Kindern kann man die heile Welt noch vorspielen, diese wissen nicht was zur Zeit überall auf der Welt teilweise für Elend herrscht. Also liebe Erwachsene, seid besser das ganze Jahr nett zueinander,kleine Geschenke erhalten das Jahr durch die Liebe

    • Alleinerziehende 5 Kinder am 26.12.2014 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chris

      Am liebsten würde ich Sie zu uns einladen, um mit uns zu feiern... Es tut mir leid, dass Sie keine Familie haben, mit welcher Sie das Fest der Liebe so richtig erleben können! Ja, es liegt wohl daran, dass viele Familien kaputt sind. Und mit kaputt meine ich nicht unbedingt durch Scheidungen...

    • Chris V am 26.12.2014 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Falsch verstanden

      @5 kinder, Sie haben mich falsch verstanden. Ich habe auch Kinder, sind halt schon erwachsen. Es ging hier um die Geschenke. Wir treffen uns auch manchmal und habens schön zusammen. Gerne würde ich Sie mit Kindern auch mal einladen, zum Essen, Zoo oder Zirkus.

    • Alleinerziehende am 26.12.2014 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Sorry

      Dann hab ich Sie wirklich falsch verstanden. Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten! Sicher gibt's auch in Ihrer Umgebung Familien, die am Existenzminimum leben...

    einklappen einklappen
  • ThomT am 26.12.2014 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freude durch 6

    1x Freude geteilt durch 1 Geschenk = Freude 1x Freude geteilt durch 6 Geschenke = Freude durch 6 Viele Geschenke machen also nicht glücklicher, fast eher unzufrieden und überfordernd.

    • Mamsell am 26.12.2014 11:27 Report Diesen Beitrag melden

      stimmt

      Dein Beitrag überfordert mich auch. ;-)

    • Marie Stark am 26.12.2014 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ThomT

      Also bei 6 Geschenken wäre die Freude dann bei 6 mal 1 Sechstel, nicht? Ausser sie schenken zuerst 6 und nehmen dem beschenkten fünf davon wieder weg...

    einklappen einklappen
  • vreni am 25.12.2014 23:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geschenk

    Also ich bekomme von Leuten manchmal einen selbergemachten Adventskalender. Habe auch schon einige gemacht. Dafür gibts dann auch kein Weihnachtsgeschenk. Ich freu mich immer auf Weihnachten. Mache einen Baum für mich alleine und das ist für mich mehr als ein Geschenk

  • Lea am 25.12.2014 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geschenk

    Ich mache auch während den jahr abundzu einfach so ein geschenk. Das macht fast mehr freude. Als nur zu weinnachten etwas zu schenken.