Neue Studie

02. Juni 2019 09:18; Akt: 02.06.2019 09:40 Print

Jede siebte Mutterschaft führt zur Kündigung

Obwohl eine Schwangerschaft laut Gesetz für keine Nachteile am Arbeitsplatz führen darf, sieht es in der Praxis oft anders aus. Dies zeigt eine neue Studie.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

16 Wochen dauert die Sperrfrist für eine Kündigung nach der Geburt eines Kindes. Weil jedoch viele Krippen keine Babys unter sechs Monaten akzeptieren, kehren laut einer neuen Studie 71 Prozent der Frauen im Schnitt 22 Wochen nach der Geburt wieder zu ihrem Job zurück.

Ein Knackpunkt wie eine Untersuchung, die das Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (Bass) im Auftrag des Bundes durchgeführt hat, zeigt. Wie die «NZZ am Sonntag» schreibt, führt eine Geburt bei 15 Prozent der Frauen zu einer unfreiwilligen Erwerbslosigkeit.

Grosse Dunkelziffer

In den meisten Fällen ist der Grund eine Kündigung oder die fehlende Möglichkeit eines tieferen Pensums. Die weiteren vier Prozent müssen den Job wegen eines Mangels an Betreuungsplätzen vorübergehend aufgeben.

Vor 24 Jahren wurde das Gleichstellungsgesetz eingeführt. Trotzdem führt die Mutterschaft verbreitet zu Diskriminierungen. Pierre Derivaz, Rechtsanwalt beim Verband Angestellte Schweiz sagt: «Diese Fälle bleiben aber meist im Dunkeln, weil sich nur die wenigsten Betroffenen rechtlich dagegen wehren.»

«Lange Zeit war es ein Tabu, nach Kinderwunsch zu fragen»

2017 kamen lediglich ein Dutzend Fälle vor die Schlichtungsbehörden. Das Problem: Selbst bei einem Erfolg winkt nur eine Entschädigung von maximal sechs Monatslöhnen. Ausserdem fürchten die Frauen, dass sie bei einer Klage ein schlechtes Arbeitszeugnis erhalten.

Doch nicht nur die Schwangerschaft sorgt für eine Diskriminierung. Immer mehr Betriebe fragen bei einem Bewerbungsgespräch nach dem Kinderwunsch. Claudia Kaufmann, Ombudsfrau der Stadt Zürich, sagt: «Lange Zeit war es ein Tabu, nach dem Kinderwunsch zu fragen. Das hat sich jedoch geändert.» Auch hier lohnt sich eine Klage allerdings fast nie. Den Nachweis zu erbringen, dass die Mutterschaft zur Nichtanstellung führte, ist sehr schwierig.

Haben Sie nach der Geburt Ihres Kindes die Kündigung erhalten? Schreiben Sie uns.

(fss)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nicole am 02.06.2019 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Ist Gleichberechtigung überall nötig? Will man als Paar eine Familie gründen soll man die Kinder doch auch geniessen. Wozu zeugt man sonst welche? Und so kann das bedeuten dass man vielleicht mal en bisschen pausiert beim Arbeiten. Was soll daran schlimm sein. Es eignen sich ja auch nicht alle Jobs um Teilzeit zu arbeiten. Das ist das Leben.

    einklappen einklappen
  • Petra am 02.06.2019 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinder

    Ich habe keine Lust, fremde Kinder zu finanzieren, wer sich für eine Familie entscheidet, sollte auch soweit organisiert sein, dass halt eben ein Elternteil zuhause bleibt, egal, ob Mutter oder Vater, man muss eben auch verzichten können, wenn das Geld nicht für 2 Autos, 3 mal Flugreisen, Leasing und und und reicht.Bin Alleinerziehende, habe meine beiden Kinder mit nur einem Gehalt gross gezogen, Vater keine Alimenten bezahlt, heute stehen beide voll im Leben, verzichten auf unnötigen Luxus und ihre Autos sind bar bezahlt.

    einklappen einklappen
  • Papamol am 02.06.2019 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Familie ist eigene Entscheidung

    Naja, war bei uns auch so. Kind bekommen, Pensumreduktion nicht möglich, Kündigung. Aber: Wir haben ein Kind gezeugt, jetzt dürfen wir nicht jammern! S Fünferli und s Weggli gibt es nie. Jetzt leben wir ärmer aber happier.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pius am 10.06.2019 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Mutterschaft

    Das Problem sind ja nicht nur die 16 Wochen Urlaub nach der Geburt, sondern die "Krankgeschrieben" Tage während der Schwangerschaft. Meistens nochmals ca.3 Monate

  • Wer kann sich das leisten? am 08.06.2019 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht

    Genau durchlesen?? Es geht hier um den Kündigungsschutz einer werdenden Mutter. Das hat nichts zu tun das irgendjemand von Euch bezahlen muss. Eigendlich sollte ein Mutterschutzgesetzt vorhanden sein. Was den AG verpflichtet die werdende Mutter weiter zu beschäftigen. Versetzt Euch mal in die Lage? Was Ihr da von Euch gibt ist assosial. Deshalb denke ich das hier alles Jünglinge Quatsch schreoben. Viele sind hier wieder gegen die werdenden Eltern. Einfach unsozial. Und dann aufregen wenn so viele Auländer benötigt werden. Ja dann bekommt die Muter Sozialhilfe. Was ist besser?

  • Moderne am 06.06.2019 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Nachdenken...

    Das das Kind ein zukünftiger Steuerzahler ist und ihre Rente mitfinanziert haben sie nicht überlegt, oder?

  • Mike am 06.06.2019 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichstellung?

    Was das ganze mit Gleichstellung zu tun hat frage ich mich. Der Gesetzgeber schützt die werden de Mutter vor und bis 16 Wochen nach der Geburt vor einer Kündigung. Für Männer gibt es keinen vergleichbaren Schutz z.B. vor oder nach der RS/WK. Das viele Krippen Babys erst ab 6 Monaten aufnehmen liegt evtl. am Versicherungsschutz oder den gesetzlichen Auflagen.

  • sisi am 04.06.2019 23:23 Report Diesen Beitrag melden

    naja

    mal schauen, wer wohl ihre ahv zahlt wenn sie akt sind.. vieleicht gibts dann auch nur geld wenn sie kinder haben, die für sie einzahlen

    • Phew am 06.06.2019 07:14 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Ahnung

      Du bist wohl schon lange nicht mehr in der Arbeitswelt, was? Denn wir Erwerbstätigen zahlen alle fleissig UNSERE Beiträge in die AHV ein, die WIR im Alter wieder beziehen können sollten. Da dieses Konstrukt aber sowieso in den nächsten 10, 20 Jahren zusammenbricht, sorgen viele von uns selbst noch vor, mit der Säule 3a.

    einklappen einklappen