Food-Waste

12. Februar 2020 04:55; Akt: 12.02.2020 07:03 Print

Fleisch landet wegen XXL-Packungen im Müll

von Dominic Benz - Jeder Fünfte wirft laut einer Umfrage öfter Fleisch weg. Experten kritisieren daher den Verkauf von grossen Packungen zu Aktionspreisen.

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Schweizer werfen jährlich viel Fleisch weg. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Marketagent.com. Mehr als jeder Fünfte der Befragten stimmte der Aussage zu, dass er öfter Fleisch- und Wurstwaren wegwirft, weil der Inhalt schlecht wird, bevor er ihn aufgebracht hat. Offenbar kaufen viele unnötig viel Fleisch: Zwei Fünftel greifen bei Grosspackungen zu, wenn diese günstiger oder Aktion sind. Dies, obwohl man gar nicht so viel Fleisch bräuchte. Die Detailhändler übertrumpfen sich regelmässig mit Aktionen. Für Karin Spori ist klar: «Gosspackungen sowie tiefe Preise und eine falsche Essensplanung können zu mehr Lebensmittelabfällen führen», sagt die Geschäftsführerin des Vereins Foodwaste.ch zu 20 Minuten (siehe Interview). Die Organisation Proviande empfiehlt, nur so viel Fleisch zu kaufen wie nötig. Helfen können dabei ein Einkaufszettel und etwas Planung im Voraus. Pro Person rechnet Proviande etwa mit 150 Gramm rohem Fleisch. Die hiesigen Detailhändler wollen aber auf Grosspackungen und Aktion nicht verzichten. Sie betonen aber, dass man viel gegen Food-Waste unternehme. Auch die Migros betont, dass man nicht nur Aktionen auf Grosspackungen setzt, sondern wöchentlich auch auch «attraktive Angebote» in kleineren Verpackungsgrössen im Sortiment habe. «Wenn wir gänzlich auf Grosspackungen verzichten würden, würden wir Kundengruppen wie Familien ausschliessen», so ein Sprecher. Sara Stalder kritisiert die günstigen Grosspackungen. «Als Einzelperson ist es oft schwierig, bei einem Aktionspreis die richtige Menge einzukaufen», sagt die Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Mittlerweile würden über 60 Prozent der Schweizer in einem 1- oder 2-Personen-Haushalt leben.

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Für viele Schweizer gehört Fleisch zum Menüplan dazu. Entsprechend hoch ist der Konsum. Allerdings wird längst nicht alles gegessen, was gekauft wird. So werfen viele Schweizer regelmässig Fleisch in den Abfall, wie eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Marketagent.com zeigt.

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Mehr als jeder Fünfte der Befragten stimmte der Aussage zu, dass er öfter Fleisch- und Wurstwaren wegwirft, weil der Inhalt schlecht wird, bevor er ihn aufgebraucht hat. Offenbar kaufen viele unnötig viel Fleisch: Zwei Fünftel greifen bei Grosspackungen zu, wenn diese günstiger oder Aktion sind. Dies, obwohl man gar nicht so viel Fleisch bräuchte.

Detailhändler verteidigen sich

Für Karin Spori ist klar: «Grosspackungen sowie tiefe Preise und eine falsche Essensplanung können zu mehr Lebensmittelabfällen führen», sagt die Geschäftsführerin des Vereins Foodwaste.ch zu 20 Minuten (siehe Interview).

Die hiesigen Detailhändler wollen auf Grosspackungen und Aktionen nicht verzichten. Sie betonen aber, dass man viel gegen Food-Waste unternehme. So möchte Coop im Laden eine grosse Vielfalt an Produkten bieten. «Uns ist es wichtig, dass unsere Kundinnen und Kunden frei entscheiden können, welche Produkte am besten ihren Bedürfnissen entsprechen», so eine Sprecherin.

Auch die Migros betont, dass man nicht nur Aktionen auf Grosspackungen setzt, sondern wöchentlich auch «attraktive Angebote» in kleineren Verpackungsgrössen im Sortiment habe. «Wenn wir gänzlich auf Grosspackungen verzichten würden, würden wir Kundengruppen wie Familien ausschliessen», so ein Sprecher.

«Das lockt Schnäppchenjäger an»

Laut Discounter Lidl werden bei den sogenannten XXL-Aktionen diverse Artikel angeboten, bei denen zwei normale Verpackungen durch eine Banderole verbunden werden und als eine Verkaufseinheit dienen. «Dies reduziert Food-Waste, da der Kunde je nach Bedarf die jeweilige Verpackungen öffnen kann und somit kein grosses Gebinde auf einmal geöffnet werden muss», sagt eine Lidl-Sprecherin. Aldi Suisse hat hingegen keine XXL-Linie beim Fleisch.

Klare Worte findet hingegen Proviande: «Fleischpackungen zu Aktionspreisen locken Schnäppchenjäger an, die möglichst viel und günstig an möglichst viel Fleisch kommen wollen. Das kann nicht das Ziel sein», sagt Regula Kennel von der Organisation der Fleischwirtschaft. Grundsätzlich fehle es heute an der Wertschätzung von Schweizer Fleisch und dessen Qualität.

Kritik von Konsumentenschützerin

Auch Sara Stalder kritisiert die günstigen Grosspackungen. «Als Einzelperson ist es oft schwierig, bei einem Aktionspreis die richtige Menge einzukaufen», sagt die Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Mittlerweile würden über 60 Prozent der Schweizer in einem 1- oder 2-Personen-Haushalt leben.

Stalder nimmt daher die Unternehmen in die Pflicht. «Wir appellieren an den Detailhandel, dass er sich dieser Entwicklung anpasst und mehr Packungen und Aktionen für Einzelpersonen anbietet.» Ziel der Detailhändler sei es leider, möglichst schnell und viel abzusetzen. Zudem sollen die Anbieter auf den Verpackungen angeben, ob das Fleisch gefrierbar sei oder nicht, «Damit können Grosspackungen in angepassten Portionen zu Hause haltbar gemacht werden», so Stalder.

Hohe Umweltbelastung

Laut dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) landen entlang der gesamten Schweizer Wertschöpfungskette rund 140'000 Tonnen Fleisch pro Jahr im Abfall. Das entspricht zwar lediglich knapp 5 Prozent des gesamten Food-Waste von 2,8 Millionen Tonnen. Die grössten Sünder sind dabei die Haushalte und die Gastronomie: Sie verursachen 35 Prozent der gesamten Lebensmittelabfälle.

Jedoch belasten Fleischabfälle die Umwelt besonders stark, da für die Produktion viele Ressourcen wie Wasser und Boden benötigt werden. Auch die Verpackung und der Transport belasten. Laut Bafu entfallen 28 Prozent der gesamten Umweltbelastung durch Food-Waste auf die Fleischverluste.


So vermeidest du Foodwaste beim Fleisch
Die Organisation Proviande empfiehlt, nur so viel Fleisch zu kaufen wie nötig. Helfen können dabei ein Einkaufszettel und etwas Planung im Voraus. Pro Person rechnet Proviande etwa mit 150 Gramm rohem Fleisch. Laut Foodwaste.ch sollten Lebensmittel nur dann sicher weggeworfen werden, wenn das Datum bei der Angabe «zu verbrauchen bis» überschritten wurde. Ansonsten soll man sich auf seine Sinne verlassen, um herauszufinden, ob die Lebensmittel noch geniessbar sind. Ebenso soll man beim Kochen schon richtig portionieren, damit nicht kleinere Mengen immer wieder im Müll landen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • T. Golser am 12.02.2020 05:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfrieren

    Aus den Grosspackungen Kleinere machen und ab in den TK

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  • Frosty am 12.02.2020 05:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    TK

    Aktionen passend portionieren und in den Tiefkühler.

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  • triple X-large am 12.02.2020 05:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wieviele 1-Personen-Haushalte

    gibt es in der Schweiz? Inwiefern finden sich im Detailhandel bedarfsgerechte Portionen für eben diese?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • leser2o2o am 13.02.2020 05:36 Report Diesen Beitrag melden

    gute Schuldzuweisung

    was für eine Erkenntniss und reisserische überschrift. die Verschwendung liegt an der Packungsgrösse. die Verpacker sind Schuld, ist doch klar, nichht der dumme Konsument. Kommt jetzt die Forderung an die Politik, nach einem Ampelsystem: Packung nur für 5-köpfige Familie?

  • Jonni Murxirer am 12.02.2020 23:37 Report Diesen Beitrag melden

    stimmt so nicht!

    Den meisten food waste wirt durch Richtlinien und vorgaben von der EU verursacht. BsP: Apfel zu gross oder zu klein -> ab in die tonne. Gurke zu wenig lang oder zu krumm -> ab in die Tonne. Und so geht es bei allen Nahrungsmitteln, unabhängig ob Obst, Fleisch oder Gemüse... wo weiter. Auch ist ein Ablaufdatum nicht bei allen Lebensmitteln, wie zB: Salz, Zuker gar nicht notwendig, aber man will eins und deshalb wirt Salz und Zucker grundlos in die Müll geworfen.

  • Küchenmamsell am 12.02.2020 23:31 Report Diesen Beitrag melden

    Leute,denkt kreativ+selbstverantwirtlich

    Es gibt Fleisch welches durch aufwärmen nochmal besser wird, da lohnt sich eine grössere Portion. Ich denke wir sind so klug und können das selbst einschätzen. Zur Wegwerfmentalität gehöre ich nicht weil ich von Kind an lernte, dass Lebensmittel wegwerfen Sünde ist.

    • h.b. am 23.02.2020 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Küchenmamsell

      Ja es sind nicht alle so gescheit,es gibt viel zu viel dumme Leute,und de Kindern wird das auch nicht immer beigebracht durch die vielen Scheidungen,weil die dummen Menschen glauben es geht nicht anderst.

    • Sheep am 24.02.2020 10:15 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt effektiv

      Da kann ich Dir nur beipflichten.. Allein Chili con carne oder Fleischsuppe oder natürlich allgemein alle Schmor-Gerichte sind beim Aufwärmen oft nochmals besser :) Und hat man die Fleischsuppebereits das zweite Mal aufgewärmt und will nicht nochmals Suppe essen - macht man einfach Siedfleischsalat draus :) Nur was ich effektiv nicht mag, Fleisch einfrieren...bin ich kein Fan von

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  • Coni am 12.02.2020 21:14 Report Diesen Beitrag melden

    Detailhändler...

    ...Wieviel Fleisch wird in den Läden weggeworfen? Ich denke mal dass die Detailhändler mehr Fleisch in denn Müll werfen... Das ist auch eine Schande.

  • Reto am 12.02.2020 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder ein Experte ?

    Experten Experten Experten. Ich kanns nicht mehr hören. Haben die Fleischologie studiert ? Oder Verpackungs Psychologie ? Für jede noch so simple Angelegenheiten gibt es Experten.

    • Nameless am 12.02.2020 22:13 Report Diesen Beitrag melden

      lang lebe die Demokratie!

      Wir leben in einer Demokratie. Da hört man dich eben nicht wenn du nicht ein Experte bist, so ist das halt. Vernunft und Verstand wurden durch die Rechtstaatlichkeit für den Bürger weitgehend auf eine Meinung reduziert.

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