Zu wenig Lohn

27. Januar 2020 12:24; Akt: 27.01.2020 12:27 Print

Jeder Dritte bewirbt sich auf eine neue Stelle

Ein Drittel der Schweizer hat sich auf einen neuen Job beworben. Besonders im Handel gibt es viele Jobwechsel. Das passiert laut Experte, weil die Löhne hierzulande nicht genug transparent sind.

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Eigentlich sind die meisten Schweizer zufrieden mit ihrem Job. Trotzdem hat sich jeder Dritte im letzten Jahr auf eine neue Stelle beworben. Das zeigt eine neue Studie des Online-Netzwerks Xing. Dieser Trend hält auch im neuen Jahr an: Über die Hälfte der Deutschschweizer gibt an, offen für einen neuen Job zu sein.

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Besonders hoch ist die Bereitschaft für einen Stellenwechsel im Handel: Mehr als zweidrittel der Beschäftigten können sich vorstellen, in diesem Jahr ihren Arbeitgeber zu wechseln. Ähnlich sieht es in der Industrie aus. Im Dienstleistungssektor können sich etwas mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer einen Jobwechsel vorstellen.

Viele hoffen eine neue Stelle bringt mehr Lohn

In der Industrie herrsche Fachkräftemangel, das führe zu mehr Wechsel, erklärt Personalexperte Matthias Mölleney von der Hochschule für Wirtschaft Zürich. «Denn aufgrund des Mangels können viele Arbeitnehmer in dieser Branche freier als früher wählen, für wen und zu welchen Bedingungen sie arbeiten möchten.» Im Handel seien Jobwechsel immer schon hoch gewesen. Grund dafür sei meist der Lohn, so Mölleney.

Allgemein ist die Hoffnung auf einen höheren Lohn die grösste Motivation den Job zu wechseln, wie die Studie aufzeigt. Das sieht auch Mölleney so: «Viele glauben, dass sie bei einem anderen Arbeitgeber besser verdienen können.» Diese Hoffnung auf mehr Geld, sei in der Schweiz besonders stark. Denn hierzulande seien die Löhne nicht transparent.

Während in Österreich und England der Lohn sogar in der Stellenanzeige festgehalten wird, wissen Schweizer oft nicht wie viel Geld sie verlangen können. Oftmals müsse sogar um den Lohn verhandelt werden. «Deshalb entsteht bei vielen Arbeitnehmern das Gefühl, dass sie schlecht verhandelt haben und deshalb finanziell benachteiligt werden», so der Personalexperte. Dann beginnt bei vielen die Suche nach einer neuen Stelle.

Ein schlechter Chef vergrault Mitarbeiter

Aber nicht nur die Hoffnung auf mehr Lohn lässt die Schweizer nach neuen Jobs Ausschau halten: Ein weiterer wichtiger Grund ist laut der Studie ein schlechtes Verhältnis mit dem Chef oder den Kollegen. Auch der Wunsch nach neuen Herausforderungen oder zu wenig Anerkennung bewegen die hiesigen Arbeitnehmer zum Stellenwechsel.

Doch: Stimmt das Verhältnis mit den Kollegen und den Vorgesetzten, ist das einer der Hauptgründe für viele ihren Job zu behalten. Auch ein sicherer Arbeitsplatz bewegt Schweizer dazu, ihrem Arbeitgeber treu zu bleiben.

«Damit Mitarbeiter einem Unternehmen gegenüber loyal bleiben, müssen sich die Arbeitgeber auch gegenüber den Arbeitnehmern loyal zeigen», sagt Matthias Mölleney. So sollten Firmen nicht als allererste Massnahme das Personal abbauen. «Aber das ist je nach Wirtschaftslage natürlich schwierig.»


Wie du beim Jobwechsel vorgehen solltest
Wer sich nach einer neuen Stelle umschaut, sollte dies nicht an die grosse Glocke hängen, so Personalexperte Matthias Mölleney. «Schliesslich ist nicht klar, wie der Chef reagieren könnte.» Der Arbeitnehmer könnte seine Anstellung gefährden.

Erst wenn der Vertrag bereit ist, sollte der Jobwechsel angesprochen werden. Denn nicht immer reagiere ein Vorgesetzter negativ. «Es könnte auch passieren, dass man dadurch ein besseres Angebot vom aktuellen Arbeitgeber erhält, damit man bleibt», so Mölleney.

Trotzdem sollte nie mit einem Stellenwechsel gedroht werden. Das erzeuge nur Druck und könne dazu führen, dass ein Arbeitnehmer irgendwann wirklich eine neue Stelle suchen muss.

(bsc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • C. Norem am 27.01.2020 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Loyalität

    Gegenseitige Loyalität ist wichtig. Das haben noch nicht alle Chefs verstanden.

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  • S. Dünner am 27.01.2020 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Lohn selten der Grund

    Einen besseren Lohn erhofft sich bei einem Jobwechsel kaum einer. Kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen. Denn wenn man tolle Arbeitskollegen hat und einen tollen Chef, dann wechselt keiner freiwillig, selbst wenn an anderen Orten besser bezahlt wird. Nicht, dass dies gar keiner wegen des Geldes tut aber die Mehrheit kann ich mir da nicht vorstellen. Wenn ich sehe wie viele von grossen Unternehmen in kleinere wechseln wo sie schlechter verdienen aber weniger Stress und Druck haben, sind für mich die Gründe ganz woanders.

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  • no name am 27.01.2020 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Lohn

    Ist ein wichtiger Bestandteil. Man muss aber auch Spass am Job haben, sonst bringts nichts! Ich war bis vor wenigen Monaten in einem Namhaften ICT Unternehmen tätig. Job sosolala, Lohn sosolala. Trotz überragender Leistung habe ich den von mir geforderten Betrag nicht erhalten. Und dieser war überhaupt nicht jenseits von der Realität. Habe mich umgesehen, jetzt neuer Job der Spass macht und der Lohn stimmt auch. Jeder ist für sein Einkommen selbst verantwortlich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heinz Maier am 28.01.2020 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    relativieren

    etwas differenzierter betrachten bitte. in österreich werden genau die mindestlöhne gem. geltender tarifverträge ausgegeben und mit einer möglichkeit nach überbezahlung je nach qualifikation beworben. mit dieser information kann man eigentlich so gut wie nichts anfangen. bestes beispiel für sinnlose staatliche eingriffe

  • Philip am 28.01.2020 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine anung

    Ihr alle die Arbeit habt, habt doch keine anung. Bin seit 2 Jahren Temporär unterwegs. Heute bei einem Gespräch sagte man mir es fahle auf das meine 4 Stellen wechsel nach 5-6 Monaten waren aber das es Temprär Einsätze waren liess die Person kalt.

  • Achmed Lachned am 28.01.2020 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wöchentlich Bewerben

    Eigentlich sollte man sich genau so Verhalten. Die Firmen stellen nur noch die Billigsten ein. Und wir als Arbeitnehmer suchen uns den Meisstbietenden. Ganz einfach.

  • Werner Keller am 28.01.2020 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ab 45 ist der Zug abgefahren

    Aber bis 67 Arbeiten und neu 67 Std. Woche Arbeitszeit das Ü50 Problem wird bewusst Ignoriert !

  • Jogi am 28.01.2020 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stelleninserat

    Ich würde es begrüssen wenn auch bei uns der Lohn im Stelleninserat ersichtlich wäre.