Mindestens 16 Minuten

19. September 2018 13:54; Akt: 19.09.2018 16:34 Print

Jeder vierte Swiss-Flug startet mit Verspätung

von Dominic Benz - Im Sommer überrannten Passagiere den Flughafen Zürich. Viele Flüge hatten daher Verspätungen. Die Swiss gibt der Politik die Schuld.

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Der riesige Ferienrummel am Flughafen Zürich bringt die Airlines ans Limit. So auch die Swiss. In diesem Sommer ist jedes vierte Flugzeug der Lufthansa-Tochter mit einer Verspätung von mindestens 16 Minuten gestartet. Das schreibt die «Aargauer Zeitung» mit Bezug auf die jüngste Ausgabe des Lobbying-Magazins «Aeropolitics» der Swiss.

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Schuld an den Verspätungen ist laut der Airline vor allem die Politik. «Der Sommer 2018 macht die Verfehlungen der Infrastrukturpolitik deutlich», schreibt die Swiss. So sei der Betrieb in Zürich stark «politischen Kräften ausgesetzt». Mehr Kapazitäten und flexiblere Betriebszeiten würden vehement bekämpft. Neue Reglemente seien durch die Politik blockiert.

Fertig mit «Pflästerlipolitik»

Die Swiss sieht daher schwarz: Mit der steigenden Nachfrage nach Flügen sei das heutige System kaum mehr in der Lage, einen zuverlässigen Betrieb zu gewährleisten. Laut Prognosen soll die Nachfrage nach Flügen jährlich bis zu 3 Prozent steigen. Die Swiss fordert daher von der Politik mutige Entscheide: «Die Zeit der Pflästerlipolitik ist vorbei.»

Um ihrem Schrei nach mehr Kapazität Gehör zu verschaffen, geht die Swiss lobbyieren. Das viermal im Jahr erscheinende Swiss Journal erhalten jeweils rund 2000 ausgewählte Exponenten aus Politik und Wirtschaft. Auch die Fluglärmgegnerin und SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf hatte das Blatt in der Post. «Ich lese die Infos der Swiss jeweils mit Interesse. Dass sich Politiker davon beeinflussen lassen, glaube ich aber weniger», sagt sie zu 20 Minuten.

«Boarding dauert oft zu lange»

Auch sie habe keine Freude an Verspätungen, da dies auch die Nachtruhe störe. Doch die Swiss müsse sich auch an der eigenen Nase nehmen. «Das Boarding dauert oft zu lange, auch wegen Handgepäckregeln.» Auch für Verspätungen wegen Streiks von Lotsen im Ausland könne die Politik nichts. «In Deutschland müsste halt der Swiss-Mutterkonzern Lufthansa Druck machen, dass die Lotsen keinen Grund mehr zum Streiken haben.»

Für die Swiss ist aber klar: Grund für die Verspätungen waren die vielen Streiks, mangelndes Personal bei den europäischen Flugsicherungen, das hohe Flugaufkommen in Europa sowie Gewitter und Bisenlage. Das alles habe die Kapazitäten im Flugbetrieb am Flughafen Zürich stark reduziert.

«Voller geht fast nicht mehr»

Die Leidtragenden waren die Passagiere. Gemäss Swiss hat es eine hohe Zahl von gestrandeten Fluggästen gegeben, «die bestenfalls umgebucht oder gar in einem Hotel untergebracht werden mussten, weil sie den Anschlussflug nicht mehr erreichten». Das belastet die Finanzen. Die Kosten für die Betreuung der Passagiere haben sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Wie hoch der Betrag ist, sagt die Airline nicht. Der Konzern muss aber dafür selber aufkommen. Hinzu kommen allfällige Entschädigungsforderungen der Passagiere (siehe Box).

Ein Problem für die Airlines war der Rekordsommer. Im Juli starteten mehr als drei Millionen Passagiere ab dem Flughafen Zürich – mehr als jemals zuvor. Auch die Anzahl Tage, an denen mehr als 100'000 Passagiere abgefertigt wurden, hat sich verdoppelt. Das brachte auch der Swiss Rekorde. Weil die Zahl der Passagiere kontinuierlich steigt, hatten die Flugzeuge im Juli eine Auslastung von 89,5 Prozent. «Voller geht fast nicht mehr», so die Swiss.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 19.09.2018 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lieber als abstürzen

    Lieber mit Verspätung abfliegen, als gar nicht ankommen.

  • Y. Landolt am 19.09.2018 14:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flugverspätung

    Also noch eines 16Min bis 30 Min sind keine Verspätung Auch eine Std noch nicht. Auf der Autobahn steht man Länger und der Gotthard erst Da bekommt man auch nichts zurück Bezahlt oder????

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  • Kummdopf am 19.09.2018 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Fliegen

    Fliegen ist schön.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alfmann am 20.09.2018 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Swiss

    oder er kehrt wieder um... Selber Schuld wer Swiss fliegt, ist ja sowieso eine Lufthansa-Tochter.

    • Florian W. am 20.09.2018 21:59 Report Diesen Beitrag melden

      @Alfmann

      SWISS ist eine schweizerische Aktiengesellschaft mit Sitz in Basel, also eine Schweizer Firma. Wieso haben alle ein Problem damit, dass SWISS eine Tochtergesellschaft der Lufthansa ist? Valserwasser ist eine Tochterfirma von Coca-Cola. Toblerone ist eine Tochterfirma von Mondelez. Und niemand hat ein Problem damit. Aber bei SWISS geht der Puls auf 180.

    • Studi am 20.09.2018 23:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Florian W.

      Ein Image hat man oder eben nicht. So einfach ist das. Und einer der Gründe dürfte auch Neid und Unverständnis sein. Die Zeche des Swissairgrounding haben wir Schweizer bezahlt und viele haben wohl das Gefühl, dass die Deutschen jetzt den Gewinn absahnen und nicht mehr die Schweizer profitieren. Geld, Geld, Geld und das liebe Geld zählt und die Schmach, dass es die damalige CH-Führung (FDP lässt grüssen) verbockt hat und die Deutschen es nun richtig tun, denn die sind für die Gesamtstrategie verantwortlich, Swiss-Hauptsitz in CH oder nicht, spielt keine Rolle.

    • Ralf am 21.09.2018 00:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Florian W.

      Mach dir nix vor. Kann mich mit dieser Geiz ist Geil Mentalität nicht anfreunden. Sie wollen nie was zahldn aber alles haben.

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  • von der Reisende am 20.09.2018 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dr.

    Fliege fast nur mit Swiss (Montreal, New York, Miami, Hamburg und so weiter). Nie Probleme gehabt. Immer pünktlich in der Luft. Super Service und bei Mails (3x allgemeine Frage) kam ne automatische Antwort, dass es etwas dauern könnte und nach maximal einer Woche war die Antwort da. Ich kann das nicht nachvollziehen. Der Flughafen Zürich ist auch super. :) Bin rundum zufrieden.

  • evMike am 20.09.2018 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Ankunft ist relevant...

    interessant, daas die verspätung oft beim ablug zur sprache kommt. wichtig ist doch die ankunftsverspätung.

  • Martial2 am 20.09.2018 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tendenz steigend...

    Mit dieser grossen Flugbewegung, siehts praktisch an allen Flughäfen ähnlich aus. Hier kann keine Airline was dafür. Es gibt Staus bei Abflüge teilweise mit ca. 20 Maschinen startbereit, es gibt Wartezeit am Himmel weil Landen momentan nicht möglich... Geduld ist angesagt!!

  • Roger am 20.09.2018 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Swissflüge

    Und wenn die Swiss keine Verspätung hat müssen Sie notlanden oder umdrehen.

    • Martial2 am 20.09.2018 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roger

      Immer noch lieber Notlanden als ein Crash mit 195 Passagiere an Bord riskieren...!

    • Florian W. am 20.09.2018 22:00 Report Diesen Beitrag melden

      @Roger

      Wie mit notlanden oder umdrehen? Haben Sie Beispiele?

    • MeinSenf am 20.09.2018 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roger

      und Kommentatoren dann ihre weitestgehend sinnfreien Einschätzungen darüber abgeben. Denn in der Beurteilung zählen ja nicht die 75% die rechtzeitig abfliegen oder die 99.95% der Flüge, die keine Zwischenfälle erleiden.

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