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30. April 2019 04:45; Akt: 30.04.2019 10:04 Print

Zalando-Wahn – 10 Mio. Päckli gehen zurück

von Raphael Knecht - Die Hälfte aller Zalando-Bestellungen wird zurückgeschickt. In der Schweiz dürften es jährlich rund 10 Millionen Retouren sein.

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Rund die Hälfte der Zalando-Pakete wird zurückgeschickt. Das dürften in der Schweiz geschätzt 10 Millionen Bestellungen sein. Am meisten werde Damenoberbekleidung zurückgeschickt, sagt Ralf Wölfle, Experte für E-Commerce an der Fachhochschule Nordwestschweiz: «Da können ohne weiteres zwei Drittel der Produkte zurückgehen.» Der Kleiderhandel macht den Grossteil der Retouren im Schweizer Versandhandel aus. Eine Massnahme gegen den hohen CO2-Ausstoss durch den Versand von Zalando-Päckli: Einige Kunden sehen bei der Bestellung auf Zalando neu eine Option, mit der sie den CO2-Ausstoss der Lieferung kompensieren können. «Wir prüfen derzeit die Möglichkeit, im Checkout-Prozess klimaneutrale Lieferungen anzubieten», bestätigt Zalando-Sprecherin Sandra Burghardt. Die Option wird bereits bei einigen Bestellungen angezeigt. Im Test lautet der Kompensationsbetrag 10 Rappen. Bei einem durchschnittlichen Ausstoss von 500 Gramm CO2 pro Päckli entspricht das 200 Franken pro Tonne CO2. Aber selbst wenn man die Option beim Kauf auswählt, wird der Kompensationsbetrag doch nicht abgerechnet. Die Zalando-Sprecherin erklärt, es handle sich nur um einen Test. Ziel des Tests ist laut Zalando, herauszufinden, ob der Ansatz bei den Kunden ankommt. Ob die klimaneutrale Lieferung dann definitiv komme, sei abhängig davon, wie die Kunden auf den Test reagieren. Wohin genau die Einnahmen aus der Klimagebühr fliessen werden, beantwortete Zalando auf Anfrage von 20 Minuten vorerst nicht. (Im Bild: Co-CEO Rubin Ritter) Das Geschäft bei Zalando läuft sehr gut. Das Unternehmen konnte den Jahresumsatz 2018 deutlich steigern. Dies geht aus einer Detailhandelsstudie der Credit Suisse hervor. Gemäss dem Retail Outlook 2019 setzte der Onlinehändler in der Schweiz knapp 800 Millionen Franken um. Zalando gibt es in der Schweiz erst seit 2012. Der Anstieg in nur sieben Jahren ist enorm. Die Steigerung der Zalando-Umsätze dürfte zwar etwas geringer ausfallen als 2017, aber immer noch gut 28 Prozent betragen. Der Gesamtmarkt für Bekleidungs- und Schuhdetailhandel beträgt in der Schweiz rund 8,8 Milliarden Franken. Will heissen: Fast jeder zehnte Franken, den Schweizer für Mode ausgeben, landet bei Zalando. Die Steigerung der Zalando-Umsätze dürfte damit etwas geringer ausfallen als 2017, aber immer noch gut 28 Prozent betragen. Der Gesamtmarkt für Bekleidungs- und Schuhdetailhandel beträgt in der Schweiz rund 8,8 Milliarden Franken. Weniger erfreulich ist für Zalando allerdings das veränderte Kaufverhalten der Kunden: Pro einzelne Bestellung geben sie weniger aus. Der durchschnittliche Warenkorb ist im dritten Quartal 2018 im Vergleich zur Vorjahresperiode um über 7 Prozent zurückgegangen. Auch die Auswirkungen des untypisch heissen Herbstes 2018 zeigen sich in den offiziellen Zahlen von Zalando: Die Verkäufe in der Region Deutschland, Österreich und Schweiz konnten im dritten Quartal «nur» um 8,8 Prozent gesteigert werden. Im Vorjahr waren es noch über 13 Prozent gewesen. Der stationäre Handel spielt für Zalando auch eine Rolle: Ab 2020 wird Zalando in der deutschen Stadt Konstanz eine Outlet-Filiale eröffnen.

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Schweizer Onlineshopper schicken im Jahr rund 10 Millionen Päckli an Zalando zurück. Die Hälfte der Bestellungen werde retourniert, sagt eine Sprecherin des Kleiderhändlers zu 20 Minuten. Laut dem Retail Outlook 2019 der Credit Suisse hat Zalando 2018 in der Schweiz einen Umsatz von 800 Millionen Franken erzielt. Bei einem durchschnittlichen Warenkorb im Wert von geschätzt 77 Franken ergibt sich, dass im vergangenen Jahr rund 10 Millionen Zalando-Päckli in die Schweiz geliefert und gleich zurückgeschickt wurden. Zalando wollte die Hochrechnung nicht bestätigen.

Kleider machen den Grossteil der Retouren im Versandhandel aus. Am meisten wird Damenoberbekleidung zurückgeschickt, sagt Ralf Wölfle, Experte für E-Commerce an der Fachhochschule Nordwestschweiz: «Da können ohne weiteres zwei Drittel der Produkte zurückgehen.» Dafür würden schwarze Herrensocken äusserst selten retourniert.

9000 Tonnen CO2 pro Jahr

Zalandos Ziel sei es, dass Kunden dank Retouren die Umkleidekabine zu sich nach Hause holen können, heisst es beim deutschen Händler. Die Firma versuche aber, mit besserer Produktbeschreibung und -darstellung Retouren zu reduzieren.

Denn Rücksendungen belasten die Umwelt: Die Universität Bamberg geht von einer CO2-Belastung von rund 850 Gramm pro Retoure aus. Für 10 Millionen Schweizer Zalando-Päckli wären das fast 9000 Tonnen CO2 im Jahr.

Kunden erwarten Gratis-Retouren

Seit Zalando in der Schweiz aktiv ist, erwarten viele Schweizer Konsumenten regelrecht, dass sie Produkte kostenlos retournieren können, sagt Malte Polzin, Dozent für E-Commerce an der Hochschule Luzern (HSLU). Bei grossen Schweizer Onlinehändlern liegt die Retourenquote wesentlich tiefer als bei Zalando – wohl deshalb, weil die Anbieter nicht in erster Linie Kleider verkaufen: Bei Digitec Galaxus wurden in den vergangenen zwölf Monaten 2,4 Prozent der gekauften Artikel retourniert. Die Quote dürfte bald steigen, weil der Anbieter das Fashion-Sortiment ausbaut, sagt ein Sprecher.

Bei den Handelsfirmen der Competec-Gruppe, zu der etwa Brack.ch gehört, beträgt die Rückgabequote weniger als zwei Prozent. Der Elektronikhändler Microspot gibt eine Quote von unter 1,5 Prozent an.

5,46 Milliarden Euro Zusatzkosten

Retouren sind für Onlinehändler ein grosser Kostenpunkt: So fallen etwa Versand, Wertverlust und Sichtung der zurückgeschickten Artikel besonders ins Gewicht. Diese Kosten tragen laut einer Studie der Universität Bamberg die Kunden – in Form von höheren Preisen. Schweizer Onlinehändler wälzen die Kosten teils noch direkter auf Kunden ab, da Retouren oft kostenpflichtig sind.

Wie hoch die Kosten bei Rücksendungen sind, verraten die Händler nicht. Microspot-Sprecherin Alexandra Friedli sagt lediglich: «Der personelle Aufwand und die damit verbundenen Kosten sind nicht zu unterschätzen.» Ein Sprecher von Digitec Galaxus erklärt, die Retourenverarbeitung bei der Migros-Tochter koste relativ wenig, weil die Prozesse im eigenen Lager besonders schlank seien. Ebenfalls gut für die Bilanz des Händlers dürfte sein, dass der Kunde für die Versandkosten in vielen Fällen selbst aufkommen muss.

Ziel der Händler ist es, die zurückgeschickten Waren wieder zu verkaufen. «Wenn Ware nicht mehr verkaufsfähig ist, muss sie entsorgt werden», sagt Polzin von der HSLU. Das würden Händler aber versuchen, zu vermeiden – es sei denn, es handle sich um eine Luxusmarke, die ihre Produkte lieber vernichten würde, als sie mit Rabatt anzubieten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mb am 30.04.2019 05:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klima

    .....und dann gehen sie am Freitag für das Klima demonstrieren......

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  • Ürsu am 30.04.2019 05:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So viel...

    ...zum Thema Umweltschutz. Alle Onlinelieferdienste sollten per Gesetz dazu gezwungen werden, mindestens das Porto für den Rückversand zu verlangen.

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  • St .Gallen am 30.04.2019 06:06 Report Diesen Beitrag melden

    Was für eine Gesellschaft

    Wir mussten schon früher das Porto bezahlen, wen wir was retour gesandt haben. So haben wir uns zumindest übelegt ob wir dies bestellen. Heute bestellt man einfach , ob es einem gefällt oder nicht, Da das retournieren ja kostenlos, ist es doch kein Problem. Wen es was kosten würde , wie früher , hätten wir nicht mehr soviele Zalando Pakete überall. Der Abfallberg an Kleider wäre auch kleiner, Klimaschutz wäre auch besser und und und und und und .............

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Denker am 30.04.2019 22:31 Report Diesen Beitrag melden

    Gutscheine befeuern Paketexplosion

    Da Zalando nicht in der Lage ist einen Gutschein oder ein Guthaben von einer Bestellung auf die andere umzubuchen muss ich jeweils alle Pakete zurück senden und nach der Gutschrift erneut bestellen...

  • Urs am 30.04.2019 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nur noch online

    Ich, 61, kaufe Kleider nur noch online. Keine mühsame Anfahrt, mit dürftiger Auswahl und fehlenden Grössen, kein Dichtestress, etc. Und sogar noch umweltfreundlicher, wenn man nicht gerade in der Stadt wohnt. Poststelle im Dorf.

    • Leser am 30.04.2019 19:08 Report Diesen Beitrag melden

      Hübsche Übergrössen und Poststellen sind wenige

      Poststelle im Dorf? Im Volg? Und etwas mehr spazieren, und die Auswahl steigt, da man keine Übergrösse mehr braucht.

    • Genervter Leser am 30.04.2019 20:41 Report Diesen Beitrag melden

      Schlechter Leser

      Hat hier jeman etwas von Übergrösse erwähnt? Nein, nur "fehlende Grössen", was bei gängigen Grössen sehr normal ist, da ausverkauft...

    • Genervter Leser am 30.04.2019 20:41 Report Diesen Beitrag melden

      Schlechter Leser

      Hat hier jemand etwas von Übergrösse erwähnt? Nein, nur "fehlende Grössen", was bei gängigen Grössen sehr normal ist, da ausverkauft...

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  • Lary Nowit am 30.04.2019 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr Teuer

    Wer dort einkauft zahlt wohl gerne mehr. Was die Leute alles machen nur um auch dabei zu sein, ist eigentlich Traurig.

  • Soleil am 30.04.2019 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Gut ist es bei anderen Shops nicht kostenfrei

    Wenn bei anderen Onlineshops das Porto für die Retourgabe auch kostenfrei wären, gäbe es zu 100% noch mehr Pakete die zurück gesandt werden. Es gibt viele die die Waren kaufen anstatt wegen einem einzigen Kleidungsstück es zurücksenden zu lassen.

  • Ruedi am 30.04.2019 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Riesen-Auswahl!

    Ich bestelle meine Schuhe nur noch online! Gott-sei-Dank sind die Rücksendungen gratis! Es passt nämlich nur 1 paar auf 100 und leider gefallen mir diese dann nicht... Aber ich mache Fotos von den tollen Schuhen die ich nur wenige Sekunden trage und stelle diese dann ins Netz (Facebook, Instagram, usw.

    • Rüdiger am 30.04.2019 14:39 Report Diesen Beitrag melden

      ach Ruedi

      du kleiner Schelm, ich hoffe es sind keine Damenschuhe oder doch? tztz ... Naja, ich mach es mit meinen Kleidern ja auch so, so hübsche Fummel, dann bin ich wenigstens einmal die Königin

    • 807687 am 30.04.2019 18:03 Report Diesen Beitrag melden

      genau wegen solchen wie Euch,

      Ruedi und Rüdiger, sollten Rücksendungen kostenpflichtig sein! Das ist doch pervers! Euren Namen nach seid ihr wenigstens nicht mehr in dem Alter für die FFF. So kann man euch wenigstens keine Schizophrenie vorwerfen.

    • Putzsportkungfu am 30.04.2019 23:49 Report Diesen Beitrag melden

      60

      Ich denke die 2 sind um die 60

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