Preiskrieg

28. Februar 2019 08:34; Akt: 28.02.2019 08:34 Print

Boykottiert die Migros bald auch noch Coca-Cola?

von Isabel Strassheim - Die Migros boykottiert Mars wegen Preiserhöhungen. Auch andere Markenlieferanten will sie zu tieferen Preisen zwingen.

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Migros hat schon das Schild vorbereitet, das in den leeren Regalfächern stehen soll. Darin werden Kunden ausführlich informiert. So sahen die Regalschilder während des Mars-Boykotts bei Coop aus. Noch sind die Regale voll: Ab Mittwoch will aber nun auch die Migros Produkte des US-Konzerns Mars aus den Regalen nehmen. Vorerst sollen zehn Produkte betroffen sein. Mars habe aus nicht nachvollziehbaren Gründen «aggressiv und nicht verhandelbar die Preise erhöht», heisst es bei der Migros. Schon Coop stritt mit dem Mars-Konzern um Einkaufspreise. Das Resultat: Zahlreiche Artikel wurden aus dem Regal verbannt. Coop und Mars hatten eine Einigung gefunden. Das hatten die Leser zum Coop-Boykott gesagt ... Für Agecore, dessen gesamter Umsatz jährlich rund 140 Milliarden Franken beträgt, dürfte ein knappes Prozent von Bedeutung sein. «Detailhändler müssen aufgrund der sehr tiefen Margen extrem auf die Kosten achten», sagt Michael Stadler, Strategie-Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zu 20 Minuten. Auf die Frage von 20 Minuten, ob Coop marginale Preissenkungen bei Handelspartnern an die Konsumenten weitergebe, wollte das Unternehmen nicht antworten. Laut Stadler von der ZHAW handelt es sich bei den Streitigkeiten in erster Linie um einen Machtkampf zwischen Herstellern und Detailhändlern: «Kunden und Rohstoffproduzenten profitieren davon praktisch nicht.» Der Verdacht liegt laut Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), nahe, dass es für Coop eine gut orchestrierte PR-Aktion war, die Produkte demonstrativ aus den Regalen zu nehmen: «Ein weiteres Mal macht Coop etwas Lärm und will sich als Kämpfer für tiefere Preise darstellen.» Tatsächlich gehört Coop laut einem Vergleich des «K-Tipp» zu den teuersten Detaillisten. Wer unbedingt die Mars-Marken will, konnte zu einem anderen Händler gehen. Das dürften Konsumenten, die sehr ritualisiert einkaufen, auch getan haben, sagt Stadler von der ZHAW: «Wer seit Jahren das gleiche Whiskas-Futter kauft, kauft es sich während dieser Zeit halt woanders.» Die meisten Konsumenten dürften aber wegen des Bestellstopps kaum zu anderen Händlern gegangen sein, sind sich Experten einig. Tatsächlich sind die Bruttomargen der Schweizer Detailhändler im Europavergleich sehr hoch. «Aber es ist nicht so, dass sich Coop mit den Schweizer Margen ein goldenes Näschen verdient», sagt Stadler. Schliesslich seien etwa die Löhne hierzulande ebenfalls höher. Würde Coop Preisvorteile weitergeben, würde woanders Geld fehlen. Erst als Sugus während Verhandlungen mit Mars aus dem Regal verschwand, wurde manchen Konsumenten bewusst, dass die Schweizer Traditionsmarke dem US-Grosskonzern gehört. Bereits seit 1990 gehört das Schweizer Unternehmen Suchard, das Sugus einführte, amerikanischen Firmen. Im Jahr 2008 kaufte Mars für rund 23 Milliarden Dollar den Kaugummihersteller Wm. Wrigley Jr., der zuvor die Marke Sugus von Kraft Foods erworben hatte. Ironisch: Im Weltraum gibt es M&M's – im Coop waren sie vergriffen. Tatsächlich sind die Süssigkeiten Teil des Menüs auf der International Space Station und waren seit 1981 an Bord jedes Spaceshuttles. Betroffen waren Frühstücksflocken von Kellogg's, ... ... M&M's, ... ... Katzenfutter von Whiskas, ... Gemäss der deutschen «Lebensmittel Zeitung» waren 56 Mars-Artikel betroffen. Coop-Sprecher Meier wollte dazu nichts sagen. Auch bei Sugus hatte bei Coop eine Lücke geklafft. Die Marke gehört ebenso zu Mars Schweiz. Bei internationalen Anbietern verhandelt Coop die Einkaufskonditionen im Rahmen einer Kooperation mit anderen Detailhändlern.

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Sind Boykotte auch gegen andere Marken als Mars zu erwarten?
Das ist nicht auszuschliessen. Die Migros befindet sich im Moment in Preisverhandlungen mit all ihren wichtigen Lieferanten: «Wir haben die grössten Lieferanten Ende Januar zur Information mit uns eingeladen», sagt Sprecherin Cristina Maurer-Frank zu 20 Minuten. «Unser Ziel ist es, weiterhin das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten.» Das heisst: Es geht um möglichst tiefe Preise.

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Die Migros selbst nennt keine Namen. Es liegt jedoch auf der Hand, dass es auch um Coca-Cola geht. Der Konzern will nämlich die Flasche von 500 auf 450 Milliliter reduzieren, den Preis aber gleich belassen, wie im Januar bekannt wurde. Zu allfälligen Verhandlungen mit Kunden will Coca-Cola HBC Schweiz keine Stellung nehmen.

Auch der Preis von Heinz Ketchup dürfte für die Migros zur Debatte stehen. In Deutschland droht die Supermarkt-Kette Edeka, das Produkt aus ihrem Sortiment zu streichen, weil Kraft Heinz eine Preiserhöhung fordert. Aber auch die Preise von Marken wie Toblerone und Nivea stehen unter Druck. Denn die Migros verhandelt mit allen grossen Lieferanten. Die «Handelszeitung» berichtet , die Detailhändlerin fordere dabei Preisreduktionen von 5 bis 10 Prozent.

Warum ist ein derartiger Preiskrieg ausgebrochen?
Die Kunden achten stärker auf den Preis: «Die Preissensitivität der Konsumenten ist grösser geworden», sagt Detailhandels-Experte Sascha Jucker von der Credit Suisse zu 20 Minuten. Migros und Coop spürten die Expansion der Discounter Lidl und Aldi, die mittlerweile auch die Stadtzentren erreicht habe. «Auch der Einkaufstourismus hat sich eingebürgert, weil Lebensmittel hierzulande immer noch rund 50 Prozent teurer sind als zum Beispiel in Deutschland», sagt Jucker.

Haben Kunden überhaupt etwas vom Streit zwischen Lieferanten und Detailhändlern?
Niedrigere Preise müssen nicht automatisch an die Kunden weitergegeben werden. «Ich bin überzeugt, die Konsumenten werden nichts davon haben», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung Konsumentenschutz. Bei der Migros heisst es, bessere Einkaufskonditionen würden «wenn immer möglich über tiefere Preise im Gesamtwarenkorb an die Kunden weitergegeben» werden. Stalder kritisiert, dass es keine Transparenz darüber gebe, wie viel Gewinn bei Verarbeitung und Handel hängen bleibe.

Wie äussert sich der aktuelle Mars-Boykott konkret im Migros-Regal?
Für die Lücken im Regal hat Migros schon Schilder vorbereitet: «Der Lieferant dieses Artikels will die Preise erhöhen, wir kämpfen für Sie dagegen», heisst es. Daher sei der Artikel leider nicht lieferbar. Und weiter: «Wir entschuldigen uns für diese Unannehmlichkeit und arbeiten intensiv an einer Lösung.» Die Migros prüft jedoch derzeit Alternativen, damit die Kunden möglichst wenig vom Bestellstopp spüren. Es könnten also auch Ersatzprodukte in die Regale Einzug halten.

Hat der Preiskrieg bei der Migros auch mit dem neuen Chef zu tun?
Fabrice Zumbrunnen leitet die Migros seit einem Jahr und hat eine Reihe von Effizienzprogrammen eingleitet. Intern soll gespart werden – und nun auch bei den Lieferanten. Die Migros hatte 2017 trotz Umsatzsteigerung einen Gewinneinbruch von fast einem Viertel auf 503 Millionen Franken verbucht. «Das Ergebnis ist unter Druck. Damit können wir uns nicht zufriedengeben», hatte Zumbrunnen letzten März dazu gesagt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • k.b. am 28.02.2019 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Coca Cola

    Flasche verkleinern und Preis gleich behalten ist für mich Abzocke.

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  • Candy1980 am 28.02.2019 08:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenmarken wieder stärken!

    Ihr hättet einfach auch bei euren Eigenmarken bleiben können, so wie das Dutti gewollt hat!!!

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  • Anonym am 28.02.2019 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht essentiell

    Man kann auch sehr gut ohne diese Produkte leben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Regenwald, Natur am 01.03.2019 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Palmöl, Klima, Gier, Rohstoffe

    Gut das diese verschwinden. Wer braucht denn schon Produkte mit Palmöl, zu viel Zucker und Zusatzstoffen? Der Regenwald leidet und dadurch wird die Klimaerwärmung gefördert. Wenn der Mensch mal Verzichten könnte statt sich ewig Sattzuessen. Die Ressourcen sind endlich.

    • Marco am 01.03.2019 20:10 Report Diesen Beitrag melden

      Schuld sind immer die anderen

      es ist nur menschlich bei anderen die Schuld zu suchen, nur wer Kauft und konsomiert die wahren, mir als Kunden die leute kauf und kaufen aber bitte aber billig, und alle 6 Moante ein neues Handy

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  • Anony Mouse am 01.03.2019 01:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Frechheit

    Da wird der Kunde als Geisel genommen, trägt alle Nachteile und kriegt nichts davon ab.

  • Alexander Uster am 28.02.2019 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genossenschaft!!!

    Liebe Migros ihr müsst nicht intern sparen. Preiskampf mit Markenproduzenten braucht es auch nicht. Wie wurde die Migros gross? Was war der Geist von Duttweiler? Besinnt euch... ihr seit nicht mehr ihr!

  • Tom Reist am 28.02.2019 22:09 Report Diesen Beitrag melden

    Und die Mitarbeiter?

    Leider bekommen die Mitarbeiter nichts dafür azsser noch mehr spardruck!

  • Tina am 28.02.2019 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Vermisse gar nichts im gegenteil finde ich super und auch gut fürs klima.