E-Auto

04. Juni 2019 14:36; Akt: 04.06.2019 14:36 Print

Jetzt kommt der Anti-Tesla für die Stadt

von Dominic Benz - Das Start-up e.Go macht bei seinem elektronischen Flitzer alles anders als in der Branche üblich. Ein Experte zweifelt am Konzept.

Das Start-up e.Go will mit seinem Elektro-Flitzer die Städte erobern (Video: 20 Minuten).
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Die meisten Leute denken bei einem Elektroauto an einen Tesla. Die teuren Karossen des US-Herstellers sind gross, mit etlichen Gadgets ausgerüstet und kommen mit einer Batterieladung mehrere hundert Kilometer weit. Doch jetzt kommt mit dem e.Go ein E-Auto aus Deutschland, das sozusagen der Anti-Tesla ist: klein, günstig, spartanisch ausgestattet und mit wenig Reichweite. «Es ist ein Auto für die Stadt», sagt Christian Steinborn, verantwortlich für strategische Kooperationen bei e.Go, auf Anfrage.

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Anfang Mai hat das vor vier Jahren gegründete Start-up in Aachen mit der Auslieferung der ersten Flitzer begonnen. 3300 sind vorbestellt. Eingebaut ist eine relativ kleine Batterie, deren Reichweite bis zu 145 Kilometer beträgt. «Wir setzen konsequent auf Kurzstrecken», sagt Steinborn. Später sollen zwei kleinere und günstigere Automodelle folgen, die bis zu 100 und 113 Kilometer weit kommen.

Kleine Batterie

Der Basispreis für das jetzt ausgelieferte Modell liegt bei rund 22'300 Franken. Zum Vergleich: Einen Tesla gibt es ab rund 60'000 Franken. «Wir wollen den Kunden einen attraktiven Preis bieten, um sich für die Elektro-Mobilität zu entscheiden», sagt Steinborn. Die Batterie ist denn auch aus Kostengründen klein. Allerdings ist die leere Batterie erst nach rund sechs Stunden vollständig aufgeladen. Dafür steckt man diese an eine normale Steckdose an.

Das Start-up produziert nicht auf industriellem Niveau: Die 450 Mitarbeiter in den Werken arbeiten von Hand. Auf moderne Roboter und Maschinen verzichtet die Firma. Hergestellt werden Kleinserien. Das alles soll die Kosten tief halten.

Aussenhaut aus Kunststoff

Anders ist auch die Konstruktion des e.Go. Das Auto besteht aus einem Rahmen aus Aluminium. Zudem ist die Aussenhaut aus einem speziellen Kunststoff gefertigt, der extrem kratzfest sein soll. Lackiert wird das Auto nicht. Die Farbe wird direkt mit dem Kunststoff verschmolzen, was ebenfalls die Kosten deutlich senkt.

Die Produktion plant die Firma schrittweise hochzufahren. Dann sollen bis zu 30'000 Autos im Jahr gebaut werden. Dass der e.Go Absatz findet, davon ist Steinborn überzeugt. «Die Nachfrage nach individueller Mobilität auch in Städten wird gross bleiben.»

Beliefern möchte e.Go erst den deutschen Markt. Danach ist auch die Schweiz ein mögliches Ziel. «Die Kaufkraft in der Schweiz ist hoch, weshalb sich viele einen e.Go als Zweitwagen kaufen könnten», sagt Steinborn. Frühstens ab nächstem Jahr will man einen Schweizer Vertriebspartner haben.

«Für dieses Auto sehe ich wenig Zukunft»

Skeptisch gegenüber dem E-Fahrzeug ist Ferdinand Dudenhöffer: «Das Auto geht am Markt vorbei.» Der Auto-Professor kritisiert vor allem die langsame Ladefähigkeit und die kleine Reichweite. «Wenn ich nur bis zum Metzger oder zum Friseur fahren kann, bringt das nicht viel.» Bei tiefen Temperaturen verkleinere sich die Reichweite zusätzlich, so Dudenhöffer.

Auch würden in der Stadt viele kein eigenes Auto besitzen wollen und lieber auf Car-Sharing oder öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen. Deshalb glaubt Dudenhöffer nicht, dass viele Schweizer sich ein e.Go kaufen würden. «Wenn die Schweizer ein E-Auto mit Stadtqualität wollen, dann nehmen sie ein anderes Modell wie etwa den Renault Zoe.» Dieser sei etwa gleich teuer, hätte aber eine grössere Reichweite. Für den Auto-Experten ist daher klar: «Für dieses Auto sehe ich wenig Zukunft.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patricia am 04.06.2019 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    ein Schuss ins Dunkel

    Gestern habe ich auf ARD die Sendung "Kann das Elektroauto die Umwelt retten?" gesehen. Dort wird erklärt was für massiv negative Auswirkungen die Herstellung von Lithium für Fauna und Flora und die Einheimischen bedeutet. In ein paar Jahren werden dann die Grünen und Linken wieder jammern dass wir die Südamerikaner ausgebeutet haben. Was die Entsorgung dieser Batterien betrifft hat ja auch noch keiner eine sinnvolle Lösung parat oder schiffen wir die dann nach Russland oder Indien?

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  • Firefighter118 am 04.06.2019 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preis / Leistung stimmt nicht

    Auch sogennante Experten können sich täuschen. Ich würde mir ein solches Auto kaufen um zur Arbeit zu fahren (3.5km). Was mich aber stört ist der Preis. Für 20'000 CHF bekommt man ein kleiner Benziner wie Toyota Yaris oder so. Also mit dem Preis muss noch was passieren, sonst ist der Verkauf nicht gewährleistet

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  • Hubi am 04.06.2019 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Konkurrenz ist stark

    Da der neue Opel Corsa-e unter 30'000.- angekündigt wurde, wird er es schwer haben. zumal der Corsa dann mit 300 km Reichweite aufwartet und 30 min Ladezeit (Leer bis 80 %) bei 100 KW Ladung. Auch der e-Urban von Honda wird unter 30'000.- kosten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alfred A. am 20.06.2019 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Akkukapazität & Lade-Infrastruktur

    Geringe Akkukapazität kann sich nur durchsetzen wenn eine überall vorhandene, dem Bedarf angepasste Lade-Infrastruktur installiert ist. Kleine Pendler- und Kurzstrecken-Autos werden es schwer haben sich erfolgreich durchzusetzen solange die Lade-Infrastruktur nicht engmaschig genug ist.

  • E-Guru am 06.06.2019 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ab nach Bern / 22.Juni

    Packende Rad-an-Rad-Duelle, spektakuläre Überholmanöver auf engstem Raum, Haarnadel-Kurven, in die sich das Feld einfädelt, Top-Speed auf den Geraden, charismatische Fahrer-Typen, die FIA Formel E Meisterschaft bietet alles, was den Motorsport ausmacht. Gefahren wird dort, wo die Elektromobilität zunehmend zu Hause ist: mitten im urbanen Raum.

  • Peter II am 06.06.2019 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Aus dem Auge aus dem Sinn

    Nehmt doch endlich diese Möchtegernexperten aus dem Programm. die sind für niemand eine Bereicherung noch ein Hindernis

  • Rotfuchs am 06.06.2019 00:17 Report Diesen Beitrag melden

    Oh je...

    Lustig wie hier wieder mal gegen E-Autos gewettert wird, während nun sogar die SBB den E-Scooter Trend nutzen will.

  • Jonny sh am 05.06.2019 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tesla kostet unter 50'000.00

    Einen Tesla gibts für weniger als 49'000.00 Franken. In der Schweiz. Schade wird jeweils nicht korrekt recherchiert vor schreiben.

    • Illumination am 05.06.2019 21:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Jonny sh

      Spielt das eine Rolle? Der Vergleich e.Go mit einem Tesla ist an sich schon dümmlich..

    • Jonny sh am 05.06.2019 22:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Illumination

      Es geht darum mit Fakten zu argumentieren. Wenn geschrieben steht 60k statt 49k ist es Falsch, Tendenziös und Rufschädigend. Daher spielt es durchaus eine Rolle.

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