Rabattschlacht

25. Juni 2019 13:24; Akt: 25.06.2019 13:26 Print

Nun gibts die Black-Friday-Kopie für den Sommer

von Raphael Knecht - Der Rekord-Shoppingtag Black Friday ist eigentlich erst im November. Media-Markt lanciert jetzt mitten im Sommer einen Red Friday.

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Black Friday, aber im Juni statt November? Media-Markt lanciert dieses Wochenende den «Red Friday». Der Elektronikhändler nennt es den Black Friday des Sommers. Ähnlich wie am Super-Shopping-Tag im November verspricht Media-Markt hohe Rabatte und ein limitiertes Angebot. Jede Gelegenheit, eine Aktion zu lancieren, ist den Elektronikhändlern willkommen, sagt Handelsexperte Luca Giuriato von GfK Schweiz zu 20 Minuten: Seit Jahren tobe die Rabattschlacht in der Branche. Für die Händler dürfte es bei solchen Aktionen laut Julian Zrotz von Blackfridaydeals.ch darum gehen, auch in den umsatzschwächeren Sommermonaten Umsatz und Aufmerksamkeit zu generieren. In den USA werde das schon seit vielen Jahren gemacht, etwa bei Target und Best Buy. Media-Markt schreibt auf seiner Website, man wolle den Kunden mit der Aktion die Wartezeit zum Black Friday im November verkürzen. Unklar ist, ob andere Händler nachziehen werden. Laut Zrotz fehlt die Koordination, weil es für den Sommer-Black-Friday kein festes Datum gibt. Ob Konsumenten wegen Rabatten mehr Geld ausgeben, ist zudem fraglich. Normalerweise würden sich Kunden an Shoppingtagen wie Black Friday Dinge kaufen, die sie sowieso anschaffen wollten, sagt Giuriato. Das sind Tipps für Schnäppchenjäger: Wer zu spontanen Käufen neigt, muss wissen, wie viel Geld er überhaupt ausgeben kann. Darum sollte man sich ganz konkret ausrechnen, wie viel Geld man wofür ausgeben kann und wo die Grenze ist. Sind die Deals wirklich Schnäppchen? Machen Sie den Preisvergleich schon, bevor Sie den Laden betreten! Wer nur kauft, was er eh braucht, lässt sich weniger von Rabatten blenden. Darum raten Preispsychologen, vor der Shoppingtour bereits genau aufzulisten, was man alles kaufen will. Ganz peinlich ist es, wenn man am Black Friday an der Kasse steht und merkt, dass man den Gutschein daheim vergessen hat. Darum ist es sinnvoll, vorher noch einmal zu prüfen, ob man alle nötigen Dokumente, Codes und Kundenkarten dabeihat. Wann starten die Deals und was kann ich auch online erledigen? Wer sich einen Schlachtplan erstellt, kommt am schnellsten und erfolgreichsten durch den Rabattdschungel. Wer das nötige Geld und keine Zeit für den Preisvergleich hat, kann Artikel kaufen und sie später retournieren. Dazu müssen Shopper aber im Vorfeld wissen, welche Rückgabekonditionen bei den jeweiligen Geschäften und Online-Shops gelten. Kunden können sich im Onlineshop vorbereiten, indem sie Produkte in den Warenkorb legen und dann warten, bis am Freitag die Rabatte aufgeschaltet werden. Auch in den Geschäften kann man sich Artikel reservieren. Unsere Leser sind auch schon in die Rabattfalle getappt. Lesen Sie hier einige ihrer Geschichten.

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Black Friday ist der grösste Shoppingtag der Schweiz: Jedes Jahr erzielen die Schweizer Händler Rekordumsätze. Eigentlich ist es erst am 29. November so weit – Media-Markt Schweiz lanciert aber schon diese Woche einen «Red Friday», also fünf Monate vor dem eigentlichen Datum.

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Bis zu 50 Prozent Rabatt auf rund 50 Produkte verspricht der Elektronikhändler für diesen Freitag. Genau wie am Black Friday werden die Angebote limitiert sein. Um welche Artikel es sich handelt, ist noch unklar. Es werden Produkte aus allen Sparten im Angebot sein, heisst es bei Media-Markt Schweiz auf Anfrage.

Preise wie am Black Friday 2018

Die Anlehnung an Black Friday lässt Kunden auf gute Deals hoffen: «Media-Markt besetzt seit einigen Jahren den Black Friday als Thema sehr stark – wohl auch, um sein Image als sehr günstiger Händler zu pflegen», sagt Julian Zrotz, der die Schnäppchenplattform Blackfridaydeals.ch betreibt.

Wird das bei den Konsumenten ankommen? «Der Black Friday im Sommer steht und fällt mit sehr guten Angeboten», so Zrotz. Er habe bereits Einblick erhalten und ist der Meinung, dass die Aktionspreise auf dem Niveau vom Black Friday 2018 seien.

US-Händler als Vorbild

Für die Händler dürfte es bei solchen Aktionen laut Zrotz darum gehen, auch in den umsatzschwächeren Sommermonaten Umsatz und Aufmerksamkeit zu generieren. In den USA werde das schon seit vielen Jahren gemacht, etwa bei Target und Best Buy.

Jede Gelegenheit, eine Aktion zu lancieren, ist den Elektronikhändlern willkommen, sagt Handelsexperte Luca Giuriato von GfK Schweiz zu 20 Minuten: «Gerade in der Elektronikbranche tobt schon seit Jahren die Rabattschlacht.»

Media-Markt ist nicht der einzige Händler

Mit solchen Aktionstagen versuchen die Händler, ihren Konkurrenten Kunden wegzuschnappen. Der Unterschied zu Black Friday ist laut Giuriato, dass sich der Shoppingtag im November so etabliert habe, dass Händler es sich kaum mehr leisten könnten, nicht mitzumachen. Wenn ein Anbieter eine Einzelaktion lanciert, ist es umgekehrt: Er möchte als Einziger mit dem Angebot hervorstechen.

Ganz allein ist Media-Markt aber nicht mit seiner Sommeraktion: Auch der Telecom-Anbieter Yallo hat diese Woche ein Sonderangebot mit praktisch identischen Preisen zum Black Friday 2018 lanciert, so Zrotz. Yallo lehnt sich dabei jedoch nicht explizit an den Black Friday an.

Warum ausgerechnet jetzt?

Media-Markt schreibt auf seiner Website, man wolle den Kunden mit der Aktion die Wartezeit zum Black Friday im November verkürzen. Ein konkreterer Grund dafür, warum der Shoppingtag in den Sommer vorverlegt wurde, fehlt.


So siehts am Black Friday im Media-Markt aus. (Video: RKN)

Im Gegensatz dazu ist das Timing des Black Friday im November begründet: Einerseits geht es darum, das Weihnachtsgeschäft zu eröffnen. Andererseits findet der Tag dann statt, wenn die meisten Konsumenten ihren 13. Monatslohn ausbezahlt bekommen.

Rabattitis drückt auf Margen

Für die Margen der Händler dürfte die Einführung von noch mehr Rabatttagen Nachteile bringen: Zwar kann der Händler seinen Mitbewerbern Kunden streitig machen. «Global betrachtet, geht das aber auf Kosten der Margen», so Giuriato.

Ob Konsumenten wegen Rabatten mehr Geld ausgeben, ist zudem fraglich. Normalerweise würden Kunden an Shoppingtagen wie Black Friday Dinge kaufen, die sie sowieso anschaffen wollten, sagt Giuriato: «Der Konsument ist dazu erzogen worden, auf die Aktion zu warten.» Der Hype um Rabatte und das Gefühl, unbedingt zugreifen zu müssen, würden immer abgestumpfter.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • abcd am 25.06.2019 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cool

    wenn etwas von 1000 auf 400 runtergesetzt wird habt ihr nicht 600gespart sondern 400ausgegeben.. denkt mal bisschen nach!

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  • Simi am 25.06.2019 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Exzellent

    Toll. Gratis Werbung in der grössten Schweizer Tageszeitung. Alles scheint nach Plan zu laufen.

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  • Peter Meier am 25.06.2019 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schnäppchenjagd

    Genau - begrabt doch den halblebendigen Detailhandel noch. Billig eingekaufter Ramsch, erst teuer angepriesen um dann sensationell günstig verkauft zu werden. Befriedigung der Schnäppchenjäger Die denken viel Geld gespart zu haben. Das funktioniert bei den Amos wunderbar und soll nun hier auch stattfinden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Red Black am 05.07.2019 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    geplanter Verlust?

    Media Markt scheint den Black Friday nicht zu verstehen. Der heisst Black Friday weil die Händler mit diesem Anlass wieder ins Black ( Gewinnzone) kommen wollen. Ob das klappt sei dahin gestellt. Aber was will Media Markt mit dem Red Friday......

  • Jenna am 01.07.2019 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Konsumtrottel kaufen jeden Mist

    Konsumrausch und der extra bestellte Mist aus Fernost wird auch noch gekauft. Anschreiben kann man jeden Preis aber Rabatt und Sale und schon kommst das geiz ist geil Gefühl auf.

  • Ein Leser am 29.06.2019 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Geld

    Sorry ich habe aber kein Geld. Also kann ich auch nichts kaufen.

  • Deka am 28.06.2019 17:13 Report Diesen Beitrag melden

    MM am Boden angelangt

    Klar, u.a. wird das böse Onlinegeschäft als Grund genommen aber sie machen auch alles um sich selber weiter kaputt zu machen. Tendenziell überteuert weil man immer noch glaubt in der Schweiz mit der dummen Kaufkraft zu punkten. Dann ist der Abbau der Ladenflächen und Auswahl auffallend und ein komisches Kassensystem in einigen Läden dass nur Sinn macht wenn nix läuft ;).

  • Stef am 27.06.2019 00:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Media Markt Ramsch

    Durch den Verkauf von Occasionsgeräten zum Neupreis, war MM für mich gestorben.