Neues Label

13. August 2019 20:57; Akt: 13.08.2019 20:57 Print

Jetzt wird Schweizer Milch grün – und teurer

von Raphael Knecht, Bern - Ein neues Label kommt im September in die Schweizer Läden. Swissmilk Green soll das Tierwohl und die Nachhaltigkeit von Milchprodukten fördern.

Bundespräsident Ueli Maurer findet 3 Rappen Aufpreis mehr als gerechtfertigt. (Video: RKN)
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Bald prangt ein neues Logo auf Schweizer Milchprodukten: Swissmilk Green. Die Schweizer Milchbranche hat den Branchenstandard am Dienstag vorgestellt. Eingeladen war auch Bundespräsident Ueli Maurer (siehe Video oben).

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Um das ab September lancierte Label nutzen zu dürfen, müssen insgesamt zehn Anforderungen aus den Bereichen Tierwohl, Fütterung und Nachhaltigkeit erfüllt sein. Dazu gehören:

Haltung: Kühe müssen an einem der beiden Tierwohlprogramme des Bundes teilnehmen. Dabei handelt es sich um BTS für besonders tierfreundliche Stallhaltung oder RAUS für regelmässigen Auslauf.
Melken: Kühe müssen mindestens zweimal täglich gemolken werden und die maximale Zwischenmelkzeit beträgt 14 Stunden.
Futter: Wird Sojaschrot verfüttert, muss es aus nachweislich nachhaltigem Anbau stammen. Futter darf zudem kein Palmfett oder -öl enthalten.
Antibiotika: Ohne ärztliche Anordnung dürfen keine kritischen Antibiotika verwendet werden.
Biodiversität: Mindestens sieben Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche müssen im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Leistungsnachweis besondere Leistungen zur Biodiversität erfüllen.
Name: Jede Kuh hat einen Namen, der in der Tierverkehrsdatenbank eingetragen ist.

Zu den zehn verpflichtenden Kriterien kommen acht zusätzliche, von denen aber lediglich zwei nach Wahl erfüllt werden müssen. Darunter sind etwa der Verzicht auf vorbeugende Antibiotika oder die Ausbildung von Lernenden im Betrieb. Laut der Branchenorganisation Milch soll sämtliche in der Schweiz produzierte Milch den Standard Swissmilk Green spätestens in vier Jahren erfüllen.

Milch wird teurer

Für die Produzenten gibts auch einen Anreiz, die Anforderungen zu erfüllen: Sie erhalten 3 Rappen mehr pro Liter Molkereimilch des A-Segments. Das betrifft die meisten in der Schweiz abgesetzten Milchprodukte ausser Käse.

Das dürfte bedeuten, dass Schweizer Milchprodukte teurer werden. Bundespräsident Ueli Maurer sagt dazu: «Bauern bekommen ja nicht einfach nur mehr Geld, sondern müssen viele Leistungen für die Umwelt und das Tierwohl erbringen. Ein Aufpreis von drei Rappen ist da mehr als gerechtfertigt.» Ob die Milchprodukte effektiv um diesen Betrag teurer werden, ist noch unklar.

«Überflüssiges» Label

Kritik kommt von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS): Sie bezeichnet das neue Label als «überflüssig». Es verspreche den Konsumenten einen Mehrwert, den es gar nicht gebe, schreibt die SKS in einer Mitteilung. Grund dafür sei, dass die Anforderungen kaum über die gesetzlichen Standards hinausgingen.

Dass sich die Branche darüber einigen müsse, wie man die Milchproduktion nachhaltiger gestalten wolle, sei klar, sagt SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder: «Dieses nachhaltige Ziel müsste nun aber mit mutigen Verbesserungen angepeilt werden.»

Strengere Kriterien gefordert

Stalder geht davon aus, dass es noch Jahre dauern dürfte, bis Vorgaben wie der Verzicht auf Kraftfutter oder vorbeugenden Antibiotika-Einsatz ebenfalls eingehalten werden müssen. Laut Stalder ist die Einführung solcher Regeln aber bereits jetzt überfällig.

Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch, räumt ein, dass es zwar Produkte gebe, die den Standards bereits jetzt genügten. Mit dem Label habe der Konsument nun aber eine Garantie dafür. Und: Der Branchenstandard hebe Schweizer Produkte im internationalen Vergleich besonders hervor.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Milchtrinker am 13.08.2019 21:17 Report Diesen Beitrag melden

    Cola ist teuer nicht Milch

    Schweizer Milch kann nicht teuer werden. Sie kann nur weniger billig sein. Solange der Liter chemische Cola mehr kostet als das Naturprodukt Milch, solange kann man nicht von teurer Milch sprechen

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  • Andu am 13.08.2019 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig

    Ändern tut sich nichts, nur teurer wirds. Standart in der Schweiz...

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  • Die Landwirtin am 13.08.2019 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht reich aber dank den Kühen glücklich

    Wir bekommen aktuell 51.- Rp / l. Davon muss das Futter, die Arbeit, evtl. der Tierarzt, die Einrichtungen und Verbrauchsmaterial bezahlt werden. Ich will nicht jammern und ich bin glücklick (weil ich die Tiere noch habe) aber mann braucht kein grosser Rechner zu sein um zu sehen dass da was nicht aufgeht. Ich würde gerne meine Milch direkt verkaufen aber das ist fast unmöglich. Ich sehe meine Kühe als Arbeitskolleginnen und gebe jeden Tag das Beste für sie. Leider verdienen aber die grossen Zwischenhändler an meiner Kuhmilch u dabei können Sie erst noch länger schlafen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Christiane Bolliger am 28.08.2019 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Milch

    Tierwohl! Die grössten Tierquäler sind die Bauern, ich finde es Hundsgemein, was manche mit ihren Kühen und Rinder anstellen.

  • Marika Nevery am 18.08.2019 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Artgerecht

    Solange die Kälber nach der Geburt ihren Müttern weggenommen werden, eingesperrt in ihre kleinen Käfige und Ihnen nach der Biestmilch billiger Milchersatz mit Zusätzen (Nahrungsergänzungsmittel) gegeben wird, anstelle sie bei der Mutter zu lassen, kann man NIE von TIERFREUNDLICH reden. Die Milch darf mehr als 3Rp. teurer sein damit es möglich ist wirklich artgerecht Milch zu produzieren!

  • Jangdebang am 17.08.2019 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es wurde auch höchste Zeit, dass...

    diesen subventionierten Güllenlümmelnund Direktzahlungs-Empängern einmal aufgezeigt wird, wer die wahren Klimakiller sind. Mit diesen Geschenken und der Grosszügigkeit zu Gunsten der Bauern (exkl. Bergbauern) ist per sofort ein Ende zu setzen ansonsten der übrigen Bevölkerung ein Ende gesetzt wird.

  • Sarkasmus am 17.08.2019 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Weisse Milch ist mir lieber

    Das die Milch teurer wird kei Problem, wisso Einfärben?

  • Guellenrohr am 15.08.2019 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hans

    Wenn die bauern nicht so arrogant, ueberheblich, selbstgefaellig und sueffisant waeren, wuerde wohl kaum jemand etwas wegen die 3 rappen sagen. Allen voran ihr ungehobelter fuehrer.

    • Remo Bauer am 15.08.2019 19:53 Report Diesen Beitrag melden

      die Milch machts

      Genau, wenn der Bauer hart arbeitet hätte es ja verdient. Wie teuer wird die Milch nun? 3 Rappen ist ungerade in unserem Preissegment, also wird der Liter im Minimum um Plus 5 Rappen im Verkaufsregal stehen. So verdient die Industrie auch schön mit, dass man die überschüssige Milch wegschüttet oder entsorgt. Irgendwann wird die Milch aus Deutschland importiert.

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