Verunsicherte Märkte

29. Mai 2018 11:11; Akt: 29.05.2018 11:41 Print

Was das Chaos in Italien für den Franken bedeutet

von D. Benz - Ist die Euro-Marke von 1.20 Franken jetzt unerreichbar? Und was heisst das für die Konsumenten? Die wichtigsten Antworten.

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Noch Ende April schien der Frankenschock überwunden: Erstmals seit der Aufhebung des Mindestkurses knackte der Euro die Marke von 1.20 Franken. Doch seither schwächelt die Gemeinschaftswährung wieder. In den letzten zwei Wochen verlor der Euro erneut drastisch an Wert. Am Dienstag kostete ein Euro nicht einmal 1.15 Franken. Schuld an der Talfahrt sind die politischen Turbulenzen in Italien. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

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Was ist in Italien passiert?
Auch drei Monate nach den Wahlen hat Italien noch immer keine neue Regierung. Am Sonntag sind die europakritische Fünf-Sterne-Bewegung und die rechtspopulistische Lega mit ihrer Regierungsbildung gescheitert. Der designierte Ministerpräsident Giuseppe Conte hat seinen Auftrag, eine euroskeptische Regierung zu bilden, zurückgegeben. Neuwahlen in den nächsten Monaten scheinen unausweichlich. Bis dahin wird Italien von einer Übergangsregierung geführt: Der Wirtschaftsexperte Carlo Cottarelli soll nun Italien aus der Krise führen.

Warum sind die Märkte in Alarmbereitschaft?
Die Anti-Euro-Rhetorik und die geplanten Mehrausgaben der beiden Parteien schreckten die Finanzmärkte auf. Die Allianz plante unter anderem höhere Sozialausgaben und Steuersenkungen. Zudem wollte sie den Deutschland- und Euro-Gegner Paolo Savona zum Wirtschafts- und Finanzminister machen. Er nennt die Gemeinschaftswährung einen «deutschen Käfig» und formulierte Pläne für einen Austritt Italiens aus dem Euro. Wegen Savona ist die Regierungsbildung auch gescheitert. Staatschef Sergio Mattarella akzeptierte ihn als Finanzminister nicht.

Wie reagieren die Märkte auf die Situation?
Italienische Staatsanleihen gerierten am Dienstag stark unter Druck. Der Euro schwächelte weiter. Und die europäischen Aktienmärkte gaben nach (Stand Dienstag mittag). Bis zu den Neuwahlen werde es nicht zu politischen Katastrophen kommen, hiess es zwar. Aber das Problem ist: Der Aufschub der Regierungsbildung verunsichert die Anleger. Und solche politischen Unsicherheiten sind Gift für die Märkte.

Warum ist Italien so wichtig?
Die Situation in Italien erinnert an die Staatsschuldenkrise in Griechenland. Doch Italien hat viel mehr Gewicht. Das Land ist die drittgrösste Volkswirtschaft in der Eurozone. Zudem sitzt der Staat auf einem riesigen Schuldenberg: Die Verschuldung liegt bei rund 130 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das ist nach Griechenland der zweithöchste Wert in Europa. Erlaubt sind 60 Prozent. Die Ausgaben- und Steuerkürzungspläne der gescheiterten Parteien hätten die Finanzlage Italiens dramatisch verschlechtert. Ratingagenturen warnten bereits vor einer Herabstufung der Bonität. Eine schlechtere Note würde die Kreditkosten Italiens verteuern. Im schlimmsten Fall hätte das einen Kollaps der Wirtschaft zur Folge – wie damals in Griechenland.

Profitiert der Konsument vom schwächeren Euro?
Mit der Euroschwäche erstarkt der Franken wieder. Das heisst: Das Einkaufen in Euro-Ländern ist wieder leicht günstiger. Der starke Franken hatte bereits in den letzten Jahren dem Einkaufstourismus im grenznahen Ausland einen Boom beschert. Auch Ferien werden günstiger: Wer zum Baden nach Italien reist, zahlt für die Pizza, das Hotel oder den Strandhut jetzt weniger. Weniger Freude am schwachen Euro haben allerdings die exportorientierten Schweizer Firmen. Ihre Produkte verteuern sich wieder für Abnehmer in der Eurozone. Das drückt auf die Wettbewerbsfähigkeit.

Wie geht es mit dem Franken weiter?
Das Chaos in Italien dürfte auch die kommenden Monate den Euro belasten. «Bei politischen Risiken in Europa wirkt der Franken als sicherer Hafen», sagt Devisenexperte Elias Hafner von der Zürcher Kantonalbank. Er sieht den Eurokurs aber mittelfristig bei 1.17 Franken. Das sei eine faire Bewertung. Setzen sich bei den Neuwahlen erneut euroskeptische Kräfte durch, könnte laut Hafner der Franken weiter erstarken.

Wird die SNB intervenieren?
Beim jetzigen Kurs dürfte die Schweizerische Nationalbank (SNB) noch keinen Grund sehen, um an den Devisenmärkten den Franken zu stützen. «Wenn der Euro aber Richtung 1.10 Franken geht, ist eine Intervention durch die SNB möglich», sagt Hafner. Andere Beobachter sehen die Grenze allerdings bereits bei 1.15 Franken.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • C.A.Pitalan-Léger am 29.05.2018 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niemals

    Italien wird die Schulden von 2'300 !!Milliarden Euros bis hinunter auf max. 60% nie tilgen können. Herr Draghi zögert mit seinen Käufen von Staatsanleihen den Kollaps nur hinaus. Das Erwachen wird schrecklich sein.

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  • Mani Motz am 29.05.2018 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum intervenieren

    Ein starker Franken hilft den allermeisten mehr und die Wirtschaft kam auch mit einem tiefen Euro ganz gut aus. Schliesslich wurden Gewinne in Vergangenheit kaum oder nur unter Druck weitergegeben.

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  • Franz am 29.05.2018 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit Euro

    sehr gut Italien! Raus aus dieser Falle!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Esjk am 30.05.2018 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Euro

    Der Schweizer hat in Sachen Euro einfach gar nichts zu sagen. Der Schweizer ist ausserhalb der Eu und sollte schweigen. Aber immer diese Besserwisser, die langweilen.

  • Marion am 30.05.2018 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlkonstruktion (T)EURO

    Meine Vermutung: Der (T)Euro wird den Kurs von 0,0 Fr. bald erreichen.

    • hotzenblitz am 30.05.2018 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marion

      lustig wie grad Schweizer den Euro als Teuro bezeichnen. Was kann man für einen Euro kaufen und was für einen Franken? Wie wird immer über die Hochpreisinsel Schweiz gewettert? Und ob der Euro bleibt bestimmt nicht der Schweizer.

    • Marion am 30.05.2018 13:13 Report Diesen Beitrag melden

      @hotzenblitz

      Für 2 DM gab es 1 Euro, wie sehen die Preise in Deutschland heute aus? Angeglichen? Bald jeder Mittelklassewagen z.B. kostet heute also um die 100'000.- (D-Mark natürlich). Richtig teuer wird es aber dann, wenn die Chose auseinanderbricht.

    • Ueli am 30.05.2018 13:42 Report Diesen Beitrag melden

      @Marion

      aus lauter Freude dass der Euro zusammenfällt werden hier dann viele Leute in der Exportindustrie gerne 60-70h/Woche arbeiten gehen

    • Mario am 30.05.2018 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marion

      vermutungen stützen sich auf unsicheren ebenen , wissen beruhigt und schmunzelt unverlegen zurück.

    • Swiss am 30.05.2018 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ueli

      ein Zusammenbruch ist nicht zu erwarten , weder im Westen noch im Osten. Allerdings bleibts wie gehabt : Stabilität im Western bleibt .

    • LeSär am 30.05.2018 17:24 Report Diesen Beitrag melden

      Fehlkommentare

      Wenn mir jeder nur einen Franken zahlen würde, der hier den Untergang von EU und Euro angekündigt hat, bräuchte ich nie wieder zu arbeiten.

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  • Ober Motzer am 30.05.2018 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldkurs

    Warum wird nur immer der Devisenkurs angegeben und nicht der Geldkurs ? Nur wenn Du eine Banküberweisung machst, stimmt der angegebene Kurs. Aber man kann halt dann reisserischer darüber schreiben und wieder einmal die Realität verzerren.

    • Samuel am 30.05.2018 10:03 Report Diesen Beitrag melden

      Kursvorteil nutzen

      Eröffne bei deiner Bank ein EUR-Konto, transferiere darauf Geld aus deinem CHF-Konto zum Devisenkurs(kostenlos), beantrage eine EUR-Bankomatkarte und beziehe mit dieser EUR-Bargeld oder bezahle damit im Ausland. Dann hast du den vollen Kursvorteil.

    • Rappen Spalter am 30.05.2018 12:06 Report Diesen Beitrag melden

      Guter Rat ist teuer!

      Die Banken fressen den Kursvorteil mit Spesen auf. Viel gescheiter ist es. Euro kaufen. Zu Hause lagern. Wenn man welche braucht, aus dem Sparstrumpf nehmen und ausgeben.

    • Nun am 30.05.2018 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rappen Spalter

      Dann lieber ein Konto in einem EU Land, meins in D zum Beispiel. Da liegt genug um die nächsten 5-6 Jahre einzukaufen. Karte geht in ganz Europa gebührenfrei.

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  • Domenico am 30.05.2018 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    2'300 Milliarden

    2'300 Milliarden Schulden? an wem?

    • Klug S. C. Heisser am 30.05.2018 08:13 Report Diesen Beitrag melden

      Man gewöhnt sich an allem

      Vor allem am Dativ.

    • Krümelmonster am 30.05.2018 14:11 Report Diesen Beitrag melden

      Wer, wie was? Wieso, weshalb, warum?

      Am Denjenigen wo von dem Italienischen Staatsbank Staatsanleihen gekauft hat.

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  • Ein Weiser Knabe am 30.05.2018 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Sorgen habt ihr!

    Der Euro Kurs war vor einigen Jahren bei 1.06 Franken - heute ist er immer noch über 1.10! Die Italiener essen die Suppe auch nicht so heiss, wie sie gekocht wird. Und im Gegensatz zum Rest Europas mit CH inkludiert - finden die immer den Rank. Also kauft fröhlich Euro und wer in die Türkei in Urlaub fährt sollte die dann in Türkische Lira umwechseln. So rettet ihr auch noch den Türken Präsident - sorry hab seinen Namen vergessen!

    • Gubser am 30.05.2018 13:35 Report Diesen Beitrag melden

      @Ein weiser Knabe

      viele wünschen sich die Lira zurück. Der Kurs war mal ca. 7.- Fr/1000 Lira. Nur ein paar Jahre spaeter 1.0 Fr/1000 Lira

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