Trendwende

19. April 2016 17:29; Akt: 19.04.2016 18:50 Print

Jetzt sinken in der Schweiz endlich die Mieten

Jahrelang sind die Mieten in der Schweiz gestiegen. Der Anstieg ist nun vorbei. Erstmals stagnieren die Mieten – oder sinken sogar leicht.

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Gute Nachricht für die Mieternation Schweiz: Die Mieten haben ihren Plafond erreicht. So ergab sich für das vierte Quartal 2015 im Vergleich zum Vorjahresquartal erstmals seit langem eine Stagnation. Im Zeitraum von 2005 bis 2015 waren die Mieten um insgesamt 29 Prozent gestiegen. Pro Jahr betrug der Anstieg im Schnitt 2,6 Prozent, wie aus dem neusten Immo-Monitoring von Wüest & Partner hervorgeht.

Zur Trendwende hätten vor allem Mietpreisrückgänge im hohen Preissegment in den Mieterhochburgen Kanton Zürich und Genfersee-Region beigetragen. Auch in den kommenden Quartalen werde nur noch in wenigen Regionen mit einem Preisanstieg gerechnet, heisst es in dem Bericht weiter. Hauptgrund für den Rückgang sei die rege Bautätigkeit bei den Mietwohnungen. «Damit konnte einerseits ein Nachfrageüberhang aus der Vergangenheit abgebaut werden, andererseits kann die durch das Bevölkerungswachstum ausgelöste Zusatznachfrage nun ebenfalls besser befriedigt werden», schreiben die Experten von Wüest & Partner.

Agglo besser als Stadt

Schaut man die Analyse im Detail an, so zeigt sich: Besonders entspannen dürfte sich die Lage in Gemeinden ausserhalb der Zentren und Agglomerationen, also auf dem Land. Weniger gut sieht es hingegen in den Städten aus, allen voran Zürich. In der grössten Schweizer Stadt stiegen die Mieten auch im letzten Quartal 2015 im Vergleich zum Vorjahr noch um 1,2 Prozent.

Experte Dominic Hidas, Geschäftsführer der Immobilienfirma Hidas Estates, hat hierfür eine Erklärung: «In der Stadt steigen die Preise weiterhin, da hier immer noch ein Mangel herrscht.» Das Gesamtbild sei somit durch die Verbesserung in den Agglomerationen verfälscht worden. Dort werde sich die Entspannung aber fortsetzen. Im Stadtgebiet hingegen sei von Entspannung keine Rede, kleinere Wohneinheiten oder Familienwohnungen zum bezahlbaren Preis seien weiterhin eine Seltenheit.

Prognosen für 2017

Im kommenden Jahr werde sich das Angebot an Mietwohnungen über die gesamte Schweiz hinweg betrachtet weiter erhöhen, was sich preisdämpfend auswirke, schreiben die Experten von Wüest & Partner. Hinzu kommt, dass der hypothekarische Referenzzinssatz* laut ihrer Analyse gleich bleiben sollte, nämlich bei einem Wert von 1,75 Prozent.

Personen auf der Suche nach günstigen Wohnungen hilft das allerdings nur begrenzt, denn die Nachfrage nach preisgünstigen Wohnungen wird wohl anhalten. So würden derzeit in den Suchabos der Immobilienwebsites zu 38 Prozent Kleinwohnungen gesucht. Im Angebot seien diese hingegen nur zu 25 Prozent enthalten

Auch zum Einfluss der Politik äussern sich die Studienautoren. Die Volksinitiative «Mehr bezahlbare Wohnungen», für die derzeit noch gesammelt wird, könnte bei Zustandekommen zu einer weiteren Abschwächung der Preise führen. Die Initianten fordern eine Erhöhung des preisgünstigen Wohnungsbaus und eine Einführung von Bauland-Vorkaufsrechten für Gemeinden.

*Die Berechnung des durchschnittlichen Hypothekarzinssatzes basiert auf einer von der Nationalbank im Auftrag des Bundes durchgeführten quartalsweisen Erhebung. Diese erfolgt bei Banken, deren inländische Hypothekarforderungen den auf Franken lautenden Gesamtbetrag von 300 Millionen Franken übersteigen.

(kwo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dr. AA.Quotient 99,3 % am 19.04.2016 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Statt 1990.- 1988.- !

    Das ist der Schweizer Rabatt. Reicht nicht mal für ein Kaffee.

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  • Geissenpeter am 19.04.2016 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf Pump gebaut jetzt wertlos

    die Investoren und Bauherren dachten sie könnten mit der Masseneinwanderung ein gutes Geschäft machen und haben in meinem Dorf fast alle Grünflächen zubetoniert. Jetzt steht seit mehr als 1 Jahr auf jedem Mehrfamilienhaus zu vermieten. Die Grenzgänger wohnen ohnehin günstiger im Ausland und die Schweizer fliehen vor zu hohen Mieten. Folge, Wohnungen bleiben leer. 1 Jahr altes Haus mit Holzfensterläden fängt bereits an zu faulen. Swiss Pump Buy Quality. Wir haben uns endlich dem Amerikanischen Lebensstil angepasst. Juhuuuu.

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  • LarsIller am 19.04.2016 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gespannt

    Wie lange es wohl dauern wird, bis wir davon etwas in der Kasse zurück bleibt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • René am 20.04.2016 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo denn weniger ?

    kann ich nicht nachvollziehen... Bei uns in Aarau stehen ca; 200 Mietwohnung leer die erst in den letzten 2-5Jahren neu gebaut worden sind. Seid Jahren sind sie leer aber der Mietpreis geht nicht runter. Wieso eigentlich? Bitte mal erklären?

  • arwed am 20.04.2016 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu viel abgezockt

    Nehme mal an, das betrifft nur die obersten wohnungen, welche so schamlos hohe mieten haben, dass nicht mal die manager expats fachkräfte sie mieten wollen..

  • Gerda Frisch am 20.04.2016 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Für den Normalo wird es schwieriger

    Jaa, die Mieten sinken. Hurra! Auf dem Land 5.- pro Monat. In der Stadt sind die Mieten am steigen. Ich sehe nur eines, das Kapital bündelt sich weiter in eine Richtung. Mehr gibt es nicht zu schreiben.

  • sinnvoller am 20.04.2016 07:32 Report Diesen Beitrag melden

    eine segmentbreinigte Statistik wäre

    Woher die wohl die Zahlen haben? Klammern wir einmal das Luxussegment aus, stelle ich fest, dass für eine familientaugliche 4.5 bis 5.5 (kaum findbar) Zimmer Wohnung heute mehr hingeblättert werden muss, als vor 2 Jahren. Auch die Kaufpreise für Eigenheim sind gestiegen. Der Einbruch der Preise findet statt, allerdings im oberen Luxussegment. Dort bis zu 25%. Da diese Wohnungen in der Statistik eingerechnet sind, erklärt sich diese. Im normalen Bereich, steigen die Mieten weiterhin leicht an.

  • Herr Meier am 20.04.2016 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Missverstanden?

    Tut mir leide Leute, aber eure Mieten werden icht sinken. Nur dei Anfangsmieten für neue Objekte gehen im Vergleich zu früher etwas runter. Das ist so wie beim BIP: es mag zwar steigen, aber Euch bleibt Ende des Monats auch nicht mehr übrig.