Keine Lust auf Auswanderung

03. Juni 2011 15:53; Akt: 04.06.2011 18:05 Print

Jobbewerbung im Grossformat

400 000 Arbeitslose zählt Irland, doch einer hatte eine zündende Idee: Seine letzten Ersparnisse investierte er in ein originelles Bewerbungsplakat. Das Echo ist überwältigend.

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Féilim Mac An Iomaire am Mittwoch an der Merrion Road in Dublin vor seinem Bewerbungsplakat. (Bild: Keystone/AP/Peter Morrison)

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Die Not hat Féilim Mac An Iomaire sprichwörtlich erfinderisch gemacht. Der 26-jährige Ire war bis vor kurzem wie so viele seiner Landsleute verzweifelt auf der Suche nach einem Job. Nach neun Monaten fruchtlosem Bewerbungsstress und die Auswanderung vor Augen, entschied er sich zu einem mutigen Schritt: Mit seinen letzten Ersparnissen von einem Arbeitsaufenthalt in Australien liess er ein Plakat produzieren und in der vielbefahrenen Merrion Road im Süden Dublins aufhängen.

«Save me from emigration», «Rettet mich vor der Auswanderung», heisst es darauf. Féilim steht an der irischen Küste, in der einen Hand einen Koffer, in der anderen einen gälischen Hurling-Schläger. Am Horizont die Wahrzeichen Torontos, Londons, Sydneys und New Yorks - alles mögliche Auswanderungsziele. Unten steht gross seine E-Mail-Adresse joblesspaddy@gmail.com. «Paddy» (vom in Irland verbreiteten Namen Patrick) ist eine umgangsprachliche Bezeichnung für «Ire».

Die ganze Aktion kostete Féilim umgerechnet knapp 2500 Franken. Das Bildmaterial hat er selbst eingekauft, beim Design standen ihm günstige freischaffende Grafiker zur Seite, und für die Werbefläche handelte er mit einer Agentur einen Schnäppchenpreis aus.

Auftritte in Fernsehen und Radio

Das Echo übertraf seine wildesten Erwartungen. Der erfinderische Ire durfte im Fernsehen und am Radio auftreten. Seine Facebook-Seite zählt über 6000 Anhänger. Laut Angaben der Nachrichtenagentur AP haben über hundert irische Unternehmen seine Unterlagen angefordert.

Féilim hoff nun auf eine baldige Anstellung. Auf seiner Facebook-Seite schreibt er, der Aufenthalt in Australien habe ihm klar gemacht, wie viel ihm Irland bedeute. Und dass er nicht mit jenen einverstanden sei, die sagen, alle jungen Menschen müssten Irland verlassen, wenn sie einen Job wollen. Wenn er letztlich doch auswandern müsste oder ein unwiderstehliches Angebot aus dem Ausland bekäme, würde er gehen. Aber nur «schweren Herzens».

(kri)