Zu teuer, zu uncool

22. September 2014 06:03; Akt: 22.09.2014 06:03 Print

Jugendliche wenden sich vom iPhone ab

von Kaspar Wolfensberger - Zu teuer und zu uncool: Laut einer neuen Studie steigen Junge von iPhones auf Android-Smartphones um. Ist die Schweiz kein Apple-Land mehr? Wir fragen bei Experten nach.

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Die Schweiz ist kein Apple-Land mehr. Zu diesem Schluss kommt die Y&R Group Switzerland im Rahmen ihres diesjährigen Media Use Indexes. Nachdem Android im letzten Jahr in der Schweiz mit iOS von Apple noch gleich auflag, zieht das Google-Betriebssystem in diesem Jahr vorbei: 49 Prozent der Befragten zwischen 14 und 55 Jahren vertrauen auf Android, 42 Prozent auf iOS von Apple. Der Rest vertraut auf Windows, eine Minderheit auf Blackberry. Ins Auge sticht vor allem die Gruppe der 14- bis 29-Jährigen: 53 Prozent von ihnen nutzen Android. Nur 37 Prozent haben ein iPhone mit iOS.

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Urs Krucker, Head of Strategy bei der Y&R Group, erklärt: «Android wird weltweit immer stärker, daran wird voraussichtlich auch die Lancierung neuer Apple-Geräte nichts ändern.» Ein Grund sei der Preis: Android-Handys sind meist günstiger als iPhones. Gerade Junge könnten sich die teuren Apple-Geräte oft nicht leisten, so Krucker.

Android bietet ein breites Angebot

Auch für Ralf Beyeler, Mobilfunk-Experte beim Vergleichsdienst Comparis, ist vor allem der Preis eine grosse Eintrittsbarriere beim iPhone-Kauf: «Wer eine Lehre oder ein Studium absolviert, überlegt es sich zweimal, ob er ein Handy für 800 Franken kaufen soll.» Android biete aber noch weitere Vorteile, vor allem aufgrund der sehr grossen Anzahl von Geräten unterschiedlichster Anbieter, so Beyeler. «Nutzern fällt es daher leichter, in diesem breiten Angebot ein ihren Bedürfnissen entsprechendes Gerät zu finden.»

Vermag das iPhone 6 diesen Trend zu Apples Gunsten umzulenken? «Nein, der Abstand ist zu gross, aber es wird wieder enger», meint der Schweizer Handy- und PC-Experte Robert Weiss. «Bei den Jungen ist zurzeit ausserdem eine Art Anti-Apple-Reflex zu beobachten», so Weiss. Allerdings sei eine Trendwende trotzdem möglich: «Viele Junge könnten dank der Apple Watch wieder in die Apple-Welt mit iOS zurückkehren.» Der Konzern aus Cupertino sei in Sachen Apple Watch konkurrenzlos, sämtliche bisherigen Smartwatches seien gefloppt.

Immer wichtig bei Jungen ist auch der Coolness-Faktor, ergänzt Y&R-Experte Krucker Weiss' Ausführungen. Zuerst hätten alle Jugendlichen ein iPhone gehabt. «Plötzlich begannen dann einige, auf Samsung umzusatteln. Es entstand eine Gruppendynamik, die diese Geräte bei den Jungen cool gemacht hat.»

Bei Swisscom dominiert das iPhone nach wie vor

Zumindest beim grössten Schweizer Provider, der Swisscom, ist der neue Trend noch nicht angekommen. «Bei uns liegt iOS beim Verkauf sowie bei der Nutzung klar vor Android», erklärt Mediensprecher Olaf Schulze. Die neusten Verkaufszahlen für das Frühlingsquartal 2014 zeigen 40 Prozent für iOS und 33 Prozent für Android. Schulze betont, dass Verkaufszahlen immer über längere Zeiträume hinweg betrachtet werden müssten. «Mit der iPhone-6-Lancierung werden die iOS Zahlen natürlich steigen», prophezeit er. Der umgekehrte Effekt gelte aber auch bei der Lancierung von Android-Geräten.

Bei Konkurrent Orange hielten sich laut Sprecherin Thérèse Wenger die iPhones mit den Android-Handys die Waage. Im ersten Quartal 2014 verkaufte Orange das iPhone 5s am meisten. Im zweiten Quartal zog dann Samsung mit seinem Galaxy S5 an Apple vorbei. Dies dürfte sich nun wieder ändern: «Wir gehen davon aus, dass das iPhone 6 ein absoluter Verkaufsrenner wird», erklärt Thérèse Wenger.

Sunrise, der dritte der grossen Provider, erhebt keine detaillierte Statistik bezüglich der Betriebssysteme der verkauften Geräte, wie Sprecher Markus Werner auf Anfrage erklärt.

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