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25. August 2009 15:48; Akt: 25.08.2009 18:55 Print

Juli-Hagel hinterlässt Rekordschaden

Noch nie seit fast fünf Jahrzehnten hat ein Hagelschlag so hohe Schäden angerichtet wie jener vom vergangenen 23. Juli. 8000 Schadensmeldungen schenken mit Kosten im dreistelligen Millionenbereich ein.

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Brunnen im Ausnahmezustand: Dieses Chalet der Gemeinde Brunnen wurde praktisch halbiert. Glücklicherweise waren der Hausherr und seine beiden Kinder auswärts. Weniger Glück hatte eine Frau im Untergeschoss: Sie sah die Sturmböe auf sich zurasen und befand sich im Haus, als das Dach aberissen wurde. Die Frau erlebte einen Schock - inzwischen geht es ihr aber besser. So schön sie auch aussahen - die Sturmböen zerstörten halb Brunnen. Die Aufräumarbeiten dauern immer noch an. Die Kombination von aufkommendem Gewitter und dem Zusammenbrechen der Fönlage führte zu Windspitzen über 150 km/h Dieses Gartenhaus in Schüpfheim wurde durch den Sturm zerstört. Ganze Maisfelder wurden in Zimmerwald geköpft. Dieses Glasdach in Freiburg wurde ebenfalls ein Opfer des Sturms. In Konolfingen bei Bern standen ganze Strassen.. .. und Unterführungen unter Wasser. Weltuntergangsstimmung in Meggen. Innert einer Stunde wurde eine Niederschlagsmenge von 19mm in Luzern gemessen. In Nuglar, Kt. Solothurn, sah man auch die schönen Seiten des Sturms. Diese Gartenhaus in Arth überstand den Hagel, aber vom Gemüsebeet ist nicht viel übriggegeblieben. Eieiei! So gross waren die Hagelkörner über Le Gibloux. Das Hagelgewitter zerstörte in Vufflens die Autoscheiben. Im Kanton Waadt wurde sogar ein Garagentor zerstört. Hagelkörner so gross wie Golfbälle in Val d'Illiez. Der Kater kann froh sein, wurde er nicht von solchen Körner getroffen. Diesem Haus hat es die Dachziegel zerschlagen. Golfplatz! Kein Golfplatz! Im Emmental sah es aus wie im Winter. «Die Fahrbahn neben der Raststätte Münsingen Richtung Thun.» «Wolkenveränderung kurz vor dem Hagelsturm in Luzern.» Auf dem Berner Bubenbergplatz überlaufen die Abflussrohre. Hagel macht kreativ. "Gute 10 bis 15 Minuten lang gingen solche "Steine" runter! Wahnsinn!" Gewitter in Oberdiessbach. Der Hagel sorgte mancherorts für geradezu winterliche Verhältnisse. Der Sommer im Emmental. Das heftige Gewitter überflutete etliche Strassen. Ein heftiges Gewitter sorgte dafür, dass sich die Strasse nach Etagnières VD kurzzeitig in einen Fluss verwandelte. Hagel in Konolfingen BE. Hagel auch in Niederscherli im Berner Schwarzenburgerland. Pech hatte diese Katze, die in den Hagelsturm geraten ist und pudelnass wurde. Der überraschende Regenguss scheint dem Stubentiger gar keine Freude zu bereiten. «Hagelgewitter über Fribourg! Echt heftig. Fahren teilweise kaum möglich.» Überschwemmung in Freiburg Dusche gefällig? Ein Zeltplatz in Luzern Hagel in Schüpfheim Hagelkörner, die ein Leser-Reporter in Bremblens fotografiert hat. Petrus liefert Crushed-Ice für den nächsten Moijto. Das Hagelgewitter über Luzern. Nach jedem Sturm kommt auch wieder die Sonne.

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Allein an Gebäuden in den Kantonen Freiburg, Bern, Waadt, Luzern und Nidwalden beträgt der Schaden laut dem Interkantonalen Rückversicherungsverband (IRV) 250 Millionen Franken. Dazu kommen Fahrzeug- und Kulturschäden.

Ursprünglich war der Rückversicherungsverband von Schäden in der Grössenordnung von 120 bis 160 Millionen Franken ausgegangen. Diese Zahlen sind nun noch einmal massiv nach oben korrigiert worden. So rechnet der IRV nun mit einer Schadensumme bei Gebäuden von rund 250 Millionen Franken. Seit beinahe 50 Jahren habe es damit in der Schweiz nie so grosse Hagelschäden gegeben wie am 23. Juli 2009, sagte Rolf Meier, Pressesprecher des IRV, am Dienstag auf Anfrage. Dies zeige die bis 1961 zurückreichende IRV-Statistik der Jahresschadenshöhen durch Hagel. Sie erfasst alle 19 Kantone, in denen eine kantonale Gebäudeversicherung besteht. Die vor dem verheerenden Hagelzug vom Juli höchste Schadensbilanz war im Jahr 2005 registriert worden. Damals hatten sich die Schäden durch Hagel während des Gesamtjahres auf rund 142,9 Millionen Franken summiert.

Auch Mobiliar meldet hohen Schaden

Getroffen wurden am 23. Juli neben den Gebäuden vor allem Motorfahrzeuge. Die Schweizerische Mobiliar meldete einen Gesamtschaden von 62,5 Millionen Franken, davon 52,5 Millionen Franken an Autos, Lastwagen und anderen Motorfahrzeugen, wie Sprecher Manuel Inderbitzin auf Anfrage sagte. Die übrigen zehn Millionen Franken betrafen Schäden an Gebäuden, Hausrat und Firmeninventar, sagte er. Dass der Gebäudeschadensanteil bei der Mobiliar relativ gering ausgefallen sei, liege daran, dass der Hagelzug vor allem Kantone mit kantonaler Gebäudeversicherung betroffen habe.

Tennisbälle vielen vom Himmel

Auch laut der Schweizer Hagel-Versicherung war der Hagel vom 23. Juli eines der grössten Ereignisse in der Geschichte der Schweizer Hagelschäden. Die Versicherung erhielt nahezu 8000 Schadensmeldungen und schätzte den Schaden an den versicherten landwirtschaftlichen Kulturen auf über 35 Millionen Franken.

Am 23. Juli zog eine äusserst heftige Gewitterfront mit Hagel und Sturm über ausgedehnte Flächen des Mittellandes und Teile der Innerschweiz. Die dunklen Gewitterzellen bewegten sich am Nachmittag von Westen her über die Schweiz. Es fielen eiergrosse Hagelkörner vom Himmel, teilweise war sogar von «Tennisbällen» die Rede.

(ap)