«Wir kooperieren voll»

06. Februar 2012 07:30; Akt: 06.02.2012 09:50 Print

Julius Bär rechnet mit Busse aus den USA

Die Bank Julius Bär hat einen deutlichen Gewinnrückgang zu verkraften. Überdies erwartet die Bank, gegenüber den US-Behörden eine Strafzahlung tätigen zu müssen.

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Die älteste Privatbank der Schweiz wurde am 27. Januar 2012 zu Grabe getragen. In den Wochen zuvor hatte sich die Schlinge um den Hals der St. Galler Bank immer enger zugezogen. Die Teilhaber sahen sich gezwungen, den Grossteil der Kunden in die Notenstein-Bank zu transferieren, welche im Besitz von Raiffeisen ist. Die Bad-Bank» Wegelin wird nun die Auseinandersetzungen mit den US-Behörden führen. Im Visier der USA steht auch die Credit Suisse. Sie hat um Rechtstreitigkeiten mit unversteuerten Vermögen mit der USA zu regeln, im vergangenen November bereits 295 Millionen Franken auf die hohe Kante gelegt. Die CS kooperiert mit den USA: Im Sommer 2011 hat die Grossbank den Behörden die Namen von gut einem Dutzend Offshore-Bankern ausgehändigt. Sie sollen US-Bürgern Beihilfe zu Steuerdelikten geleistet haben. Für die USA ist es laut Beobachtern sinnvoll, eine Kantonalbank «anzugreifen». Das würde den Druck auf die Schweiz massiv erhöhen. «Noch wissen wir nicht einmal, was uns die USA konkret vorwerfen», sagt ZKB Sprecher Urs Ackermann. Die ZKB hat in den USA wohl nie aktiv nach Kunden gesucht. Trotzdem dürften Amerikaner, denen ihr Konto bei der UBS zu heiss geworden war, zu Kantonalbanken gewechselt haben. Noch gibt es keine Anklage gegen die Basler Kantonalbank. Angeblich soll ein Kronzeuge die US-Behörden aber mit Beweismaterial versorgt haben. Die Bank gibt sich in dieser Sache zugeknöpft und betont: Das US-Geschäft sei stets marginal gewesen und man habe keine gezielte Akquistion von US-Kundschaft betrieben. Unter Beschuss der USA steht auch Julius Bär: Im Oktober 2011 hatte ein Gericht in New York zwei Kundenberater wegen «Verschwörung» zur Steuerhinterziehung angeklagt. Sie sollen mehr als 600 Millionen US-Dollar von US-Steuerzahlern auf nicht deklarierten Konten versteckt haben. Trotzdem rechnen die «Bären» nicht mit einer existenzgefährdenden Entwicklung des Streits: Man habe genug Reserven für eine Busse und habe sich von den US-Kunden getrennt. Auch die Neue Zürcher Bank (NZB) soll US-Steuersündern beim Verstecken von Vermögen geholfen haben. Ihr Geschäft kann der Druck der USA nicht mehr gefährden. Die NZB - die mit der Bank Sarasin verbunden war - hat ihre Banklizenz im vergangenen Frühling abgegeben und befindet sich in Liquidation. Die NZB war im Zusammenhang mit verdeckten Beteiligung am Sulzer-Konzern ins Visier der Finma geraten. Im Steuerstreit mit den USA sind auch die Namen des Schweizer Ablegers der britischen Bank HSBC sowie jener der Schweizer Tochtergesellschaft der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) aufgetaucht. HSBC-Schweiz war in der Vergangenheit die Heimat vieler Steuersünder gewesen. 2009 hatte ein Mitarbeiter in Genf die Daten von 24 000 Kunden gestohlen. Unter den Banken im Visier der USA sind auch die Schweizer Ableger der traditionsreichen israelischen Banken Leumi, Hapoalim und Mizrahi. Sie gelten als äusserst diskret. Leumi ist in der Schweiz seit 1953 vertreten, Hapoalim - Israels grösste Bank - seit 1975. Als erste Schweizer Bank ist die UBS unter Druck der USA geraten. Mittlerweile hat sich die Schlinge um den Hals der Bank aber gelockert: Um das Finanzinstitut vor noch grösserem Unheil zu bewahren, hat der Bundesrat 2009 das Bankgeheimnis zurechtgebogen und in mehreren Tranchen rund 4000 Datensätze von Steuersündern an die USA geliefert. Zudem akzeptierte die Grossbank eine Busse von 780 Millionen Franken.

Die Bank Julius Bär zittert nach dem Untergang der Bank Wegelin vor möglichen Klagen aus den USA.

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Die Bank Julius Bär muss einen Gewinnrückgang hinnehmen. Der adjustierte Konzerngewinn ging 2011 um 21 Prozent auf 401 Mio. Fr. zurück, während der zugrundeliegende Gewinn um 10 Prozent auf 452 Mio. Fr. schrumpfte.

Darin enthalten sind aber nicht die 50 Mio. Euro Ablasszahlung, welche die Vermögensverwalterin im Frühling an Deutschland gezahlt hatte. So konnte die Bank erreichen, dass ihre Mitarbeiter oder eventuell auch das Institut selbst wegen Steuerdelikten von Kunden unbehelligt blieb.

Die Bank sei auch «sehr bestrebt», die Situation im Steuerstreit mit den USA zu bereinigen, hiess es in der Mitteilung vom Montag. Julius Bär zittert nach dem Untergang der St. Galler Bank Wegelin wie eine Reihe anderer Banken wegen möglicher Klagen der Vereinigten Staaten.

Trotz Gewinneinbussen: 10 Milliarden an neuen Kundenvermögen

Die Höhe der verwalteten Vermögen des Zürcher Traditionshauses am Ende des Jahres veränderte sich indessen mit 170 Mrd. Fr. im Vergleich zum Vorjahr kaum. Unter dem Strich nahm die Bank 10,2 Mrd. Fr. an neuen Kundenvermögen entgegen, etwas mehr als von Analysten im Schnitt erwartet. Dass die verwalteten Vermögen nicht wuchsen, lag laut Julius Bär an der Lage der Finanzmärkte.

Das meiste Geld kam von wohlhabenden und reichen Menschen aus den aufstrebenden Regionen Asiens, Lateinamerikas sowie aus Osteuropa, Russland und dem Nahen Osten. Allerdings hat Julius Bär nach eigenen Angaben auch Zuflüsse in der Schweiz und in Deutschland verzeichnet.

Julius Bär geht von Strafzahlung in den USA aus

Die Bank Julius Bär erwartet, im Zuge des Steuerkonflikts mit den USA eine Strafe an die dortigen Behörden bezahlen zu müssen. Wieviel das sein wird, bleibt abzuwarten.

«Die Situation ist bei jeder Bank anders. Es kann gut sein, dass wir eine Strafe bezahlen müssen», sagte Bank-Bär-Chef Boris Collardi am Montagmorgen während einer Telefonkonferenz mit Nachrichtenagenturen. Eine Klage gegen die Zürcher Vermögensverwalterin hält Collardi dagegen für weniger wahrscheinlich.

«Wir haben proaktiv gehandelt und kooperieren voll mit den US- Behörden», sagte Collardi. Seine Bank unterstütze die Verhandlungen zwischen der Schweiz und den USA «voll und ganz». Der Bankchef glaubt daran, dass am Ende des Steuerkonflikts eine «für beide Seiten zufriedenstellende» Lösung ausgehandelt wird.

Finanzchef Dieter Enkelmann konnte nicht beziffern, wie hoch eine mögliche Strafsumme in den USA sein könnte. Daher sei es auch nicht möglich, über die Höhe von Rückstellungen zu sprechen, oder wie eine solche Zahlung die Dividende beeinflussen werde. Für 2011 bezahlt die Bank ihren Anteilseignern 60 Rp. Dividende plus 40 Rp. Sonderdividende pro Aktie.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peschä am 06.02.2012 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    So wie die Schweizer Banken mit illegalen Handlungen Geld macht, so machen es alle anderen auch. Ebenfalls die USA. Gegen Aussen stehts korrekt und nach innen? Es erwischt jeden einmal. Heute die Schweizer und morgen wieder die USA. Und die EU steckt schon lange in der Kriese. Jetzt hat man bemerkt, dass man niemandem mehr trauen kann. Schon gar nicht Banker und Politiker. Tja.

  • Paul Buchegger am 06.02.2012 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Apropos Rückstellungen

    Falls die Bank aber gar keine Rückstellungen für die zu erwartende hohe Busse macht, wäre das mehr als leichtsinnig.

  • E.S. am 06.02.2012 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Unsere Banken und Schwarzgeld

    Jetzt ist mir klar, wieso viele weniger als 6000 Franken verdienen. Die sind halt zu ehrlich.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul Buchegger am 06.02.2012 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Apropos Rückstellungen

    Falls die Bank aber gar keine Rückstellungen für die zu erwartende hohe Busse macht, wäre das mehr als leichtsinnig.

  • Peschä am 06.02.2012 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    So wie die Schweizer Banken mit illegalen Handlungen Geld macht, so machen es alle anderen auch. Ebenfalls die USA. Gegen Aussen stehts korrekt und nach innen? Es erwischt jeden einmal. Heute die Schweizer und morgen wieder die USA. Und die EU steckt schon lange in der Kriese. Jetzt hat man bemerkt, dass man niemandem mehr trauen kann. Schon gar nicht Banker und Politiker. Tja.

  • E.S. am 06.02.2012 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Unsere Banken und Schwarzgeld

    Jetzt ist mir klar, wieso viele weniger als 6000 Franken verdienen. Die sind halt zu ehrlich.

  • luggi am 06.02.2012 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Personalabbau?

    Und jetzt folgt wohl wieder ein Personalabbau. Zu recht, denn es hat auch bei der Bank Bär viel zu viele Banker, die nur kosten.

    • Nina am 06.02.2012 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Frau

      Ich werde nicht so reden,die wo abgebaut sind..sind nicht die oberste Kader,da sind normale Bank angestellte wo Familie hat und angewesen ende monat auf ihre salàr(vielleich wie du auch)!!

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