05. Februar 2016 01:03; Akt: 03.03.2016 03:25 Print

Julius Bär zahlt USA 547 Millionen Dollar

Die Bank Julius Bär legt den Steuerstreit mit den USA definitiv bei – und befreit sich so laut eigenen Worten von einer «bedauerlichen Altlast».

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Schliesst ein Abkommen mit dem US-Justizministerium: Bank Julius Bär. (Archivbild) (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

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Julius Bär kann den Steuerstreit mit den USA definitiv hinter sich lassen. Die Bank hat mit dem US-Justizministerium ein Abkommen für die Beilegung abgeschlossen. Die Busse, um sich vom Verfahren freizukaufen, beträgt wie erwartet 547,25 Millionen Dollar.

Julius Bär gab den Abschluss der Vereinbarung, eines Deferred Prosecution Agreement, in der Nacht auf Freitag bekannt. Die Bank schreibt in ihrem Communiqué zudem von «wichtigen Fortschritten», welche zwei Mitarbeiter erzielt hätten, die in den USA angeklagt seien. Details dazu nannte die Bank nicht.

Laut der Nachrichtenagentur AP erklärten sich die zwei Banker am Donnerstag vor Gericht schuldig, US-Steuerzahlern beim Verstecken von Einkommens- und Vermögenswerten geholfen zu haben. Die zwei Männer hätten den Behörden ihre Kooperation zugesichert.

Auch die Anwälte der Bank sicherten laut AP vor Gericht die Kooperation des Unternehmens zu. Die Bank muss demnach bis im Februar 2019 für allfällige Gerichtsverfahren in den USA Dokumente und Zeugen bereitstellen. Zudem muss sie die US-Konten schliessen. Das US-Geschäft hat die Bank unterdessen allerdings schon aufgegeben.

Ende der Unsicherheit

Bankchef Boris Collardi bezeichnete die Bereinigung der «bedauerlichen Altlast» in der Mitteilung als wichtigen Meilenstein für das Unternehmen. «Der erzielte Vergleich beendet eine lange Phase der Unsicherheit.» Nun könne sich Julius Bär wieder ganz auf die Zukunft und das Geschäft konzentrieren, liess er sich zitieren.

Die Bank hatte bereits Ende Jahr nach eigenen Angaben eine Grundsatzeinigung mit den US-Behörden getroffen. Sie hatte auch Rückstellungen für die Busse gebildet. Diese drückten erheblich auf das Geschäftsresultat des vergangenen Jahres. Die Julius-Bär-Gruppe musste einen Gewinneinbruch von fast 70 Prozent auf 123 Millionen Franken hinnehmen.

Finma-Rüge gegen Julius Bär

Nach Ankündigung der Vereinbarung gab die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) in der Nacht zudem bekannt, dass sie Julius Bär wegen ihres US-Geschäfts gerügt hatte. Die Bank habe Aufsichtsrecht verletzt. Das Verfahren sei 2010 und 2011 geführt worden und die Bank habe die verlangten Massnahmen umgesetzt, so dass das Verfahren im November 2011 abgeschlossen worden sei.

Die Finma warf der Bank unter anderem vor, US-Kunden von der UBS übernommen zu haben, als 2008 deren Probleme mit den US-Behörden begannen. Damit sei die Bank erhebliche Risiken eingegangen, ohne diese abzuklären. Anstoss nahm die Finma auch an den «fehlenden Kontrollen» sowie «einem problematischen Anreizsystem».

Vierte Einigung

Julius Bär gehörte zu den sogenannten Kategorie-1-Banken, gegen die die USA wegen des Verdachts auf Verstösse gegen US-Gesetze ermittelten. Zuvor hatten sich in dieser Kategorie bereits die UBS (780 Millionen Dollar Busse), die Credit Suisse (2,6 Milliarden Dollar) und die Bank Leumi (400 Millionen Dollar) freigekauft.

Eine Einigung steht noch für zehn Kategorie-1-Banken aus, unter ihnen die Zürcher und die Basler Kantonalbank. Mehrere der betroffenen Banken haben indes ihren Betrieb eingestellt.

(chk/sda)

sentifi.com

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • i-fit-you am 05.02.2016 01:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommt mir das nur so vor...

    ...oder lebt die USA nur noch davon Länder mit unfähigen Oberhäuptern und Banken zu erpressen?

    einklappen einklappen
  • Beobachter am 05.02.2016 01:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaftskrieg

    All diese "Vergleiche" aka. Bussen der US-Justizbehörde - insbesondere gegen europäische Firmen - gleichen einem Wirtschaftskrieg...

    einklappen einklappen
  • Realist am 05.02.2016 01:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bauernopfer

    Schön, dass sich so "spontan" zwei Bauernopfer der Julius Bär finden ließen. "Sie hätten zugegeben..." Alles klar, die Chefetage wusste natürlich wieder mal gar nichts.

Die neusten Leser-Kommentare

  • M.G. am 07.02.2016 00:20 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Banken fürchten

    Eric Schneiderman, New Yorks Generalstaatsanwalt. Er und weitere den Demokraten nahestehende Staatsanwälte haben der US-Bank City Group die höchste je verhängte Busse eingebracht, 17 Mrd. Dollar. Herr Schneiderman brachte auch einen Vorsitzenden der NYSE zu Fall indem er ihm einen unrechtmäßig bezogenen Bonus nachwies. Auch Donald Trump hat er schon geärgert, der musste 40 Mio. Dollar wegen Unregelmäßigkeiten in seiner Universität zahlen. Gerade bereitet Schneiderman die Klagen gegen den VW Konzern vor. Egal ob US- oder Auslandsfirma, wen Schneiderman im Visier hat der muss sich warm anziehen.

  • §§§ am 06.02.2016 17:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und der Rest in die Bundeskasse

    Ich unterstütze die Kommentare welche die Übermacht USA als Kriegsführer in einem wirtschaftskrig gegen die Schweiz darstellen. Als ich aber heute und gestern die Gründe, wie dreist, spitzbübisch und mafiös die Bänker von Julius Bär handelten und auftraten, kam mir ob des direkt die Galle hoch. So etwas ist absolut unterste Schublade, eine solche Bank gehört definitiv für immer versenkt.

  • Gopfä Teli am 06.02.2016 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    who's next

    Die selbsternannte Weltpolizei lässt wieder und wieder und wieder grüssen. Bin gespannt, wo die USA als nächstes zum Rundumschlag ausholen wird! Mittlerweile hat ja so ziemlich jede Bank weltweit X-Millionen abgedrückt...

  • Gewerbeifuss am 06.02.2016 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Bussen oder doch eher Den Haag?

    Die Guten Amis kassieren von ihren Untertanten Gebieten (z.B. old Europa) wie die imperialen Römer, denn die Guten USA machen alles richtig, werfen Atombomben auf Japan oder bomben mal den ganzen nahen Osten ilegal und ohne Resulution der Völkergemeinschaft in die Steinzeit, aber das wird nicht verurteilt und ist nicht Bussenpflichtig.

    • Earthling? am 07.02.2016 03:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gewerbeifuss

      nicht zu vergessen sie haben immer einen schuldigen.

    einklappen einklappen
  • Ameli am 06.02.2016 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Vor der eigenen Tür...

    zuerst Ordnung machen. Das ist wie eine Einkaufstour für die Amerikaner. Und im eigenen Land können sich die USA-Steuersünder immer noch ganz verstecken. Nur in dieser Sache hält sich Ami natürlich still und bedeckt.