Work-Life-Balance

27. August 2016 10:46; Akt: 29.08.2016 14:18 Print

Jung und gut ausgebildet – dafür weniger loyal

Mit einem hohen Lohn alleine lassen sich junge Arbeitnehmer nicht mehr locken: Stimmt die Work-Life-Balance nicht, suchen sie sich eine andere Firma.

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«Junge Leute suchen in ihrer Tätigkeit nach einer Sinnhaftigkeit»: Wer das nicht findet, sucht sich schnell einen anderen Job. (Bild: Keystone)

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Passt ihm der Job nicht, hat der heiss begehrte Fachspezialist rasch einen neuen. Auch junge Arbeitnehmer sind weniger loyal als in früheren Zeiten. Ihnen ist die Frage, ob ihre Arbeit Sinn stiftet und zum Privatleben passt, wichtiger als die Karriere.

«Viele 15- bis 34-Jährigen wollen kein fettes Firmenauto oder ein hohes Einkommen; sie wollen mit Gleichgesinnten etwas bewegen», sagt der Geschäftsführer von Angestellte Schweiz, Stefan Studer.

Generation «No thanx»

«Die jungen Leute suchen in ihrer Tätigkeit nach einer Sinnhaftigkeit; wichtig ist ihnen auch der Kontakt mit Kollegen, eine ausgeglichene Work-Life-Balance oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.» In den 1980ern wollten viele Junge noch schnell Karriere machen. Im Laufe der Zeit vollzog sich ein Sinneswandel.

Dieser schlägt sich in den Zahlen nieder, die Demoscope im Auftrag des Arbeitnehmerverbandes mittels einer Umfrage erhoben hat. Demnach ist die Loyalität gegenüber der Firma je weniger ausgeprägt, desto jünger die Beschäftigten sind.

Auch Fachspezialisten ohne Kaderfunktion sind weit weniger loyal zu einer Firma als deren Geschäftsleitung. Bei der Umfrage erreichten Geschäftsleitungsmitglieder mit einem Wert von 3,90 fast die Maximal-Loyalitätspunktzahl von 4 (dem statistischen Mittelwert). Diese lag sogar noch über der Loyalität der Selbstständigen zu ihrem eigenen Unternehmen mit 3,85. Die Fachspezialisten kamen dagegen auf schlappe 3,46 Loyalitätspunkte.

Geld allein macht nicht loyal

Angesichts des Fachkräftemangels in der Schweiz findet Angestellte-Schweiz-Geschäftsführer Studer, dass Unternehmen offenbar noch einiges aufzuarbeiten haben. «Es reicht nicht, einen schönen Satz über Loyalität ins Leitbild zu schreiben.» Auch ein grosser Lohn allein genüge nicht.

«Wertschätzung und Respekt müssen gelebte Firmenkultur sein.» So müssten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter korrekt informiert, motiviert oder konstruktiv kritisiert werden. «Loyalität ist gegenseitig und partnerschaftlich.»

Arbeitgeber weniger loyal?

Gerade mit der Gegenseitigkeit hapert es: Von den 1001 Befragten wurde der Anteil an loyalen Arbeitnehmenden auf immerhin 65 Prozent geschätzt. Loyale Arbeitgeber machten sie aber nur noch 59 Prozent aus.

Dies zeigt: Das Misstrauen gegenüber den Arbeitgebern hat in den letzten Jahren angesichts von Entlassungen auch in Branchen, die lange als krisenfest galten, zugenommen. «Auch die täglichen Hiobsbotschaften in den News schüren Ängste, gerade bei den Jungen. Ängste fördern nicht gerade die Loyalität», sagte Studer.

Das Meinungsforschungsinstitut Demoscope hat zwischen dem 13. und 18. Juni eine Befragung unter 1001 Bewohnerinnen und Bewohnern der Deutsch- und Westschweiz durchgeführt und sie nach der Loyalität zu ihren Arbeitgebern befragt.

(kko/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andy am 27.08.2016 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Bei der heutigen Führungskultur und der Wertschätzung gewisser Unternehmen ist Loyalität fehl am Platz. So wie sich die Chefs zum teil verhalten, wundert es sich nicht dass Mitarbeiter nicht ewigs bleiben. Zusätzlich hab ich noch nicht erlebt das Loyalität sich finanziell ausgezahlt hätte. Würde wieder ein Nachhaltige Führung und ein Miteinander Firma/Angestellter hersche wären auch viele loyaler.

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  • Spatz am 27.08.2016 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einseitige Loyalität

    Von den Mitarbeitern wird Loyalität erwartet. Wenn es aber in der Firma finanziell etwas harzt, stehen diese dann ganz schnell auf der Strasse. Nicht nur junge, sondern auch solche mit einem Dienstalter von nicht selten 20 Jahren. Ist das loyal? Eben, wie man in den Wald ruft.....

  • montouli am 27.08.2016 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Loyal - illoyal

    Das Gegenteil von "loyal" lautet "illoyal". Das Wort "unloyal" gibt es im deutschen nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Giorgio I. am 29.08.2016 00:21 Report Diesen Beitrag melden

    Für was loyal sein?

    Habe eine Berufsausbildung in einem Top-Betrieb absolviert, wurde danach mit falschen Versprechungen in ein grösseren Betrieb gelockt. Überstunden, Tag und Nacht für den Betrieb da sein, auch am Wochenende. Als Dank wird man in äusserst stressigen Situationen vom Chef angebrüllt, fertiggemacht und schier in die Depression getrieben. Und da soll jemand Loyalität erwaten?? Kündigung nach 4 Jahren eingereicht, habe dann mein Glück im Ausland mit Studium und Nebenjobs versucht - Die beste Entscheidung meines Lebens, nun stimmen Gehalt, Arbeitsklima und Lebensqualität.

  • GS98 am 29.08.2016 00:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KV

    Hallo liebe Arbeitgeber. Also ich bin hinaus auf dicke Firmenautos und auf einen dicken Lohn. Kommentiert mit der e-mail-adresse und wir werden in kontakt treten ;D

  • Wutbürger K. am 28.08.2016 23:04 Report Diesen Beitrag melden

    is ja klar...........

    Habe auch schon für solche Firmen gearbeitet. Immer mehr verlangen und immer weniger dafür bieten. Die Arbeiter laufen davon, das Know-How damit auch. Selber schuld. Solche Firmen haben es auch nicht anders verdient. Früher war eine Firma auch loyal gegenüber ihren Angestellten. Heute wirft man Arbeiter raus bei der kleinsten Wolke am wirtschaftlichen Himmel. Das freut die Aktionäre und der Kurs der Aktie steigt. Aber lasst uns weiter munter auch noch die sozialen Errungenschaften, für die unsere Väter gekämpft haben, aufgeben. Alles im Namen der Wirtschaftsfreundlichkeit.

  • Carlo am 28.08.2016 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunsch und Wirklichkeit

    Guz ausgebildet. Ein No Go.

  • Lisa am 28.08.2016 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Umgang mit Mitarbeitern

    Es kommt halt darauf an, wie der Chef mit seinen Mitarbeitern umgeht. Ich war mal eine engagierte, loyale Arbeitskraft, bis ich feststellen musste, dass unser neuer Chef ein Sklaventreiber ist: brüllt die Mitarbeiter an. Sorry, aber so einem Chef gibt´s Dienst nach Vorschrift und halt Bewerbungen anderswo.