Babypause

10. November 2019 13:51; Akt: 10.11.2019 13:51 Print

Müttern droht Lohnausfall von bis zu 900'000 Fr.

Viele Mütter in der Schweiz unterbrechen nach der Geburt ihres Kindes ihre berufliche Karriere. Die finanziellen Folgen für die Familie sind massiv.

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Ein Kind geht ins Geld. Doch nicht nur Kleider, Babypulver, Windeln und Kinderwagen belasten das Budget der Eltern. Gleichzeitig schrumpft auch das Einkommen deutlich. Zu spüren kriegen das vor allem die Mütter.

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Macht eine berufstätige Frau eine Babypause, kann das zu einem Lohnausfall von bis zu 900'000 Franken führen, wie die «NZZ am Sonntag» mit Verweis auf eine aktuelle Studie der Universität Neuenburg im Auftrag von Pro Familia schreibt.

«Erhebliche finanzielle Folgen»

«Junge Mütter sollten sich bewusst sein, dass eine Babypause erhebliche finanzielle Folgen hat», wird Studienautorin Alexandra Kis zitiert. Es sei daher aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoller, Teilzeit zu arbeiten, statt die Karriere zu unterbrechen.

Rund die Hälfte der 270'000 Mütter mit Kindern im Vorschulalter unterbricht hierzulande die berufliche Karriere. Zehn Jahre nach der Geburt ist es noch ein Viertel. Dabei dauert eine Babypause im Schnitt 9,2 Jahre, bei Frauen mit Hochschulabschluss 6,7 Jahre. Dieser Unterbruch führt laut Studie zu einem Lohnausfall von 400'000 bis 450'000 Franken.

Lohn sinkt nach Wiedereinstieg

Doch das ist erst der Anfang: Für Mütter, die nach der Pause wieder arbeiten wollen, sinken die Karrierechancen und damit auch der Lohn. Mit jedem Babypause-Jahr schrumpft das Salär um 3,2 Prozent. Eine Mutter mit Hochschulabschluss hat demnach im Schnitt einen 22 Prozent tieferen Lohn als vor der Pause. Laut Studie führt das für die verbleibenden Jahre im Beruf zu einem zusätzlichen Lohnverlust von 480'000 Franken.

Noch nicht berücksichtigt sind in der Rechnung die Verluste in der beruflichen Vorsorge. Wie die «NZZ am Sonntag» schreibt, haben die Frauen eine rund die Hälfte kleinere Rente wie die Männer. Im Schnitt erhalten Frauen in der 2. Säule eine monatliche Rente von 1200 Franken, Männer 2300 Franken. Verantwortlich dafür ist unter anderem der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern sowie das tiefer Arbeitspensum der Frauen.

Unterstützung gefordert

Laut Kis würden viele Mütter unfreiwillig aus der Arbeitswelt ausscheiden. «Deshalb braucht es bessere Rahmenbedingungen, damit jede Frau völlig frei entscheiden kann, ob sie nach der Geburt weiterarbeiten will oder nicht.»

Auch der Schweizerische Arbeitgeberverband fordert mehr Unterstützung. «Bei den Frauen besteht nach wie vor ein grosses ungenutztes Potenzial an gut quali­fizierten Arbeitskräften. Andere Länder sind uns hier deutlich ­voraus», so Chefökonom Simon Wey.

Überqualifizierte Mütter

Patricia Widmer von der Universität St. Gallen betont zudem, dass auch Teilzeitjobs oft nicht zielführend seinen. So würden viele Mütter nach der Babypause plötzlich in Berufen arbeiten, für die sie überqualifiziert seien. Daher müsse man Frauen gezielt fördern.


(dob)