Interview mit Juul-Gründer

09. Januar 2019 11:23; Akt: 10.01.2019 08:05 Print

«Mit Juul wollen wir keine Zigaretten nachahmen»

von Dominic Benz - James Monsees ist Mitgründer der E-Zigarette Juul – und will die Tabak-Zigarette aus der Welt schaffen. Er sieht sich am Anfang einer Mission.

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Die E-Zigarette Juul ist vor allem in den USA der Renner. Hinter dem Dampfer stehen die US-Firmengründer James Monsees (l.) und Adam Bowen. «Ich rauche nicht, ich nutze Juul», sagt James Monsees im Interview mit 20 Minuten. Monsees sieht sich mit Juul auf einer Mission: Er will das Rauchen und die Zigaretten aus der Welt schaffen. «Wir stehen erst am Anfang unserer Mission», so der Juul-Mitgründer. Juul will Schweizer Rauchern eine Alternative zum Tabak bieten. Die Werbung soll an erwachsene Raucher gerichtet sein: Die Models seien mindestens 28 Jahre alt, so Juul. Auf dem Päckchen gibt es Nikotinwarnungen. Der Doppelpunkt sei ein Übersetzungsfehler, der demnächst korrigiert werde, sagte jüngst Schweiz-Chef Jonathan Green zu 20 Minuten. Einfach wird der Markteintritt für Juul in der Schweiz wahrscheinlich nicht. Die E-Zigarette steht wegen ihrer erhöhten Suchtgefahr bei Jugendlichen in der Kritik. In den USA spricht die Gesundheitsbehörde FDA bereits von einer «Epidemie», wie das Magazin «Spiegel» berichtet. Um die Regelung von E-Zigaretten in der Schweiz sorgt sich auch der Gesetzgeber. Ein neues Tabakproduktegesetz ist in der Vernehmlassung. Mitte 2022 soll es in Kraft treten. Juul teilt mit, man wolle mit den Regulierungsbehörden kooperieren. Eine Studie zeigt, dass die Mehrheit der Jugendlichen, die Juul einmal ausprobiert haben, das Produkt anschliessend weiternutzen. Befragt wurden 437 kalifornische Highschool-Schüler. 68 gaben an, Juul schon einmal ausprobiert zu haben. Fast 60 Prozent von ihnen haben das Produkt in den 30 Tagen vor der Befragung weitergenutzt. Dagegen haben von 133 Schülern, die andere E-Zigaretten versucht hatten, nur 30 Prozent weitergedampft. Der Psychologe Thomas Eissenberg, Co-Autor eines Kommentars zur Studie, erklärt, dass die Resultate bedeuten könnten, dass «kapselbasierte E-Zigaretten bei dieser anfälligen Gruppe ein noch grösseres Risiko für eine Nikotinabhängigkeit darstellen als andere Nikotin- oder Tabakprodukte». 106 hatten bereits herkömmliche Zigaretten ausprobiert. Von ihnen hatten 28 Prozent in den letzten 30 Tagen geraucht. Für Markus Meury, Mediensprecher von Sucht Schweiz, liegt das hohe Abhängigkeitspotenzial von Juul darin begründet, dass eine Kapsel in den USA so viel Nikotin enthält wie ein ganzes Päckchen Zigaretten. Zudem werde das Nikotin in Form von Nikotinsalzen beigefügt, die deutlich stärker und schneller wirken als die Nikotinextrakte in herkömmlichen E-Zigaretten. Der Beteuerung des Herstellers, wonach Juul für Erwachsene und bestehende Raucher gedacht sei, kann Meury nichts abgewinnen. «Der Hersteller kann behaupten, was er will. Fakt ist, dass Juul gerade unter den Jugendlichen in den USA die grösste Verbreitung hat.» Für ihn liegt das daran, dass die Aromen klar auf Jugendliche ausgerichtet sind und sich die E-Zigarette dank der Form eines USB-Sticks gut vor Lehrern und Eltern verstecken lässt.

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Herr Monsees, wie entstand die Idee, eine E-Zigarette zu entwickeln?
Alles begann 2005 an der Stanford University, an der ich und Adam Bowen studierten. Wir beide waren damals Raucher. Und ehrlich gesagt, wir hassten uns selbst dafür, weil Rauchen tödlich ist und schwere Krankheiten verursachen kann. Doch wir konnten nichts finden, was uns vom Rauchen wegbringen konnte. Also begaben wir uns auf die Mission, ein Produkt zu entwickeln, das die Zigarette überflüssig macht. Wir gründeten eine Firma, mit der wir dann 2015 Juul erstmals präsentierten.

Umfrage
Rauchen Sie?

Aber es gab doch schon etliche E-Zigaretten auf dem Markt?
Die Produkte haben etwas versprochen, was sie nicht halten konnten. Die Konsumentenzufriedenheit war entsprechend schlecht. Viele Konsumenten nutzen die E-Zigaretten nur für kurze Zeit. Wir überlegten uns, warum diese Produkte nicht überzeugten. So begannen wir, unser Wissen über die Technologie der Branche zu nutzen und die Bedürfnisse der Raucher zu analysieren.

Rauchen Sie noch?
Ich rauche nicht – ich nutze Juul. Der Unterschied zwischen Dampfen und Rauchen ist entscheidend, denn mit Juul hat man keinen Rauch. Man verbessert die Produkte in dieser Industrie, indem man den Rauch wegbringt.

Aber Juul enthält ja immer noch Nikotin.
Juul enthält zwar die süchtig machende Substanz Nikotin. Unser Produkt enthält aber nicht die über 6000 Giftstoffe, die beim Verbrennen von Zigaretten vorhanden sind und verantwortlich für frühzeitigen Tod und Krankheiten sind. Zigaretten sind weltweit die Ursache Nummer eins für vermeidbare Todesfälle. Insgesamt gibt es eine Milliarde Raucher. Die Hälfte von ihnen wird frühzeitig sterben, wenn sie das Rauchen nicht aufgeben.

Ist Juul nicht einfach gerade hip?
Unser Produkt ist nur für erwachsene Raucher. Das Rauchen ist eine riesige, weltweite Pandemie. Wir stehen im Wettbewerb mit der Zigarette – das wahrscheinlich bekannteste Produkt auf der Welt. Unsere Zielgruppe ist mit den Rauchern gross genug. Allein in den USA wollen rund 70 Prozent von der Zigarette wegkommen. Wir richten unser Produkt auf diese Masse aus und platzieren es nicht als ein Lifestyle-Produkt. Kein Nichtraucher sollte Juul verwenden. Dies ist für unsere Mission von zentraler Bedeutung.

Juul hat in den USA bereits jetzt bei E-Zigaretten einen Marktanteil von 70 Prozent. Wie erklären Sie sich diesen Boom?
Die Zahl ist zwar beachtlich. Doch sie führt zu falschen Interpretationen. Am weltweiten Tabakmarkt haben wir weniger als 1 Prozent Anteil. Das heisst: Rund 99 Prozent sind gesättigt mit Tabak-Zigaretten. Wenn man es so betrachtet, stehen wir erst am Anfang unserer langen Mission. Unsere Zahl schaut nur gross aus, wenn man sie mit anderen E-Zigaretten vergleicht. Aber unsere echten Mitstreiter sind nicht die E-Zigaretten, sondern die Tabak-Zigaretten.

In den USA greifen immer mehr Teenager nach Juul. Gesundheitsbehörden schlagen Alarm: Die E-Zigaretten könnten die Jugend zum Rauchen verführen.
Wenn Jugendliche zu unserem Produkt greifen, ist das ein grosses Problem für uns. Das ist schädlich für unsere Mission und unser Geschäft. Gemeinsam mit den Behörden setzen wir uns dafür ein, dass Jugendliche einen möglichst erschwerten Zugang zu E-Zigaretten haben und der Verkauf stark kontrolliert ist – auch in der Schweiz.

Gerade die Aromen könnten auf die Jugendlichen verführerisch wirken.
Die Geschmacksrichtungen von Juul sollen den Wechsel unterstützen. Sie sollen dazu beitragen, dass Zigaretten nach dem Gebrauch von Juul nicht mehr gut schmecken. Wir vermeiden zu süsse Aromen und Bezeichnungen, die für Jugendliche attraktiv sein könnten.

Will man bei einer E-Zigarette nicht einfach das klassische Raucherlebnis haben?
Wir wollen Zigaretten nicht nachahmen. Das haben aber viele Hersteller von E-Zigaretten gemacht. Doch das ist einer der grössten Fehler in dieser Industrie. Wenn man versucht, ein gut etabliertes Produkt zu imitieren, unterstützt man bloss dessen Wert. Daher müssen wir ein Produkt haben, dass der Zigarette überlegen ist. Wenn man das schafft, macht man Zigaretten überflüssig.

Eine Schweizer Firma bringt im Januar eine eigene E-Zigarette namens Red Kiwi Nude auf den Markt. Sie ist fast identisch mit der von Juul. Haben Sie davon schon gehört?
Da wir Marktführer sind, wollen viele Hersteller unseren Erfolg kopieren. Das schmeichelt uns natürlich. Nur wenn ähnliche Produkte bei den Konsumenten Verwirrung stiften, werden wir aktiv. Letztlich finden wir den Wettbewerb gut, denn nur so lässt sich das globale Zigarettenproblem lösen.

Juul wird unterdessen mit rund 40 Milliarden Franken bewertet. Wollen Sie nicht verkaufen und ihr Leben geniessen? Immerhin kann ein Hype schnell vorbei sein.
Wir sind alles andere als ein Hype. Das zeigt auch die grosse Zahl der noch existierenden Raucher. Wir machen weiter, bis wir das Rauchen auf der Welt eliminiert haben. Das steht für uns zuoberst auf der Liste, nicht ein Verkauf. Wenn wir ein lockeres Leben hätten haben wollen, hätten wir nicht mit Juul angefangen.

Ist der Gang an die Börse eine Option?
Das könnte irgendwann einmal eine Möglichkeit sein, so wie es viele Unternehmen machen, wenn sie grösser werden. Doch alles, was für uns momentan zählt, ist unsere Mission.

sentifi.com

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • #dontsmoke am 09.01.2019 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Oh my..

    Das ist die offensichtlichste und penetranteste Schleichwerbung, die ich seit langem gesehen habe. Wie lange dauert diese Kampagne denn noch?..

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  • Frei heit am 09.01.2019 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werbung

    Henders langsam mit Werbig mache für Juul?

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  • Rudi am 09.01.2019 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder?!

    Schon wieder ein Beitrag über Juul? Markiert das wenigstens mit Paid Content!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 18.01.2019 10:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rauchen oder spielen?

    Entweder man raucht richtige Tabak-Produkte, oder man raucht gar nicht. Das Zweite ist die beste Lösung. Diese Spielerei mit diesen "Dampfer" ist ein reiner Blödsinn und erst noch mit Explosionsgefahr,,, Schon mehrere Mal vorgekommen!

  • beatrice di pasta am 13.01.2019 09:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    man kanns auch übertreiben

    Wieso muss ich mir jetzt eigentlich nach 3 Kommentaren immer so ein unnötiges Werbefeld anschauen? Wie wärs mit einem Werbespot Pop-Up nach jedem Kommentar?

  • Weg Damit am 11.01.2019 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und sie stinken doch

    5 m hinter einer E-Zigi und die Fahne ist immer noch gut sichtbar. Zudem stinkt es nach irgend einem chemischen Duftmittel das wohl eher in den WC Spray gehört. Wohl bekomm's.

  • Tom am 11.01.2019 02:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Was mich am Juul stört, ist das pods Einweg wahre sind. Wenn die Batterie schlapp macht nach 3-4 Monaten, muss das ganze Gerät erneuert werden. Kauft euch ein Gerät das nachhaltiger ist und sep. Batterien hat. Das Kostet gleich viel und macht mehr Spass. Zudem enthaltet die Juul liquid Patronen 17mg Nikotin und kostet zuviel.

    • Martial2 am 18.01.2019 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tom

      Genau wie die E-Karren, wenn die Akkus nichts mehr taugen, kann man das Ganze verschrotten. Darum zurück zu konventioneller Tabak und Autos mit Treibstoff!

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  • HolyWood12 am 10.01.2019 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Schluss damit

    Eure von Juul bezahlte Dauerpropaganda ist sowas von nervig!