Geistiges Eigentum

23. August 2010 12:21; Akt: 23.08.2010 12:36 Print

KMU schützen Innovationen schlecht

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben einen gewaltigen Nachholbedarf beim Schutz immaterieller Güter. Das will der Bund nun ändern.

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Emmentaler, Vacherin oder Gruyère: Im Ausland steht «Swiss Cheese» für höchste Qualität. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 61 000 Tonnen Käse exportiert. «Ein Freund, nicht nur ein Messer», schrieb ein Journalist einst über das «Swiss Army Knife». Bei Victorinox gehen 90% der produzierten Messer in den Export. Mehr als ein Klischee: Im Ausland gelten Schweizer Uhren als qualitativ höchstwertig,vertrauenswürdig, langlebig und luxuriös. Trotz des ausgezeichneten Images gingen die Exporte in der Wirtschaftskrise aber um 25% zurück. Die LSD-Halluzinationen sind einem Schweizer zu verdanken. Der Chemiker Albert Hofmann stellte 1938 im Rahmen seiner Forschung eher zufällig Lysergsäurediethylamid (LSD) her. Am 19. April 1943 testete Hofmann LSD in einem Selbstversuch. Weil er danach im Drogenrausch mit dem Fahrrad nach Hause fuhr, wird der Tag von LSD-Anhängern als «Bicycle Day» gefeiert. 2008 starb Hofmann 102-jährig. Deutsche, Engländer und Amis mögen Schweizer Schoggi besonders gerne: Sie konsumieren den Grossteil der 111 000 Tonnen Exportschokolade. Schweizer Produzenten erfanden die Milch- und die Haselnuss-Schokolade. Ob das Schweizer Nationalgetränk zum Exportschlager wird, steht noch in den Sternen. Rivella will 2010 Deutschland erobern. Die Pilatuswerke aus Stans liefern Businessjets und militärische Trainingsflugzeuge in die ganze Welt. Wegen der Modelle PC7 und PC9 steht Pilatus immer wieder in der Kritik: So wurden beispielsweise im Tschad mit umbaugebauten Pilatus-Trainingsflugzeugen Kriegseinsäze geflogen. Der Baselbieter Tennisstar Roger Federer ist der Botschafter für Schweizer Produkte schlechthin: Er wirbt für Jura-Kaffemaschinen, Rolex-Uhren und neuerdings... ...auch für Schweizer Schokolade von Lindt & Sprüngli und die Schweizer Grossbank Credit Suisse. Schweine- oder Vogelgrippe? - In jedem Fall Tamiflu. Die halbe Welt hat in solch' gefährlichen Zeiten das Roche-Grippemittel an Lager genommen. Die Pharmaindustrie exportierte 2008 Produkte im Wert von 72 Mrd. Franken. Exportschlager Computer-Mäuse und Tastaturen: Der Schweizer Hersteller Logitech vertreibt seine Produkte in über 100 Länder. Das bescherte der Firma zuletzt einen Jahresumsatz von 2,4 Milliarden US-Dollar. Nesspresso sei Dank - die Schweiz ist eine Kaffee-Exportnation. 2008 wurden Kaffeekapseln im Wert von rund 1 Milliarde Franken ausgeführt. Der Schweizer Exportknüller während des 2. Weltkriegs war die 20mm-Maschienenkanone der Waffenfabrik Oerlikon. Beliefert wurden sowohl Grossbritannien und die USA als auch deren Gegner Deutschland und Italien. «Made in Switzerland» sind auch viele Kaffeemaschinen. 2008 wurden fast 2 Millionen Geräte für den Privatgebrauch exportiert. DJ Bobo ist der Schweizer Musikexport: Weltweit erhielt er für seine Platten über 260 Gold- und 28 Platinauszeichnungen. Bobo heimste bereits zehnmal den World Music Award für «The Worlds Best Selling Swiss Recording Artist» ein.

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Das Eidg. Institut für Geistiges Eigentum (IGE) will mit neuen Angeboten und Instrumenten KMU zu einem bewussteren Umgang mit Patent- und Markenschutz motivieren. In der Schweiz gibt es über 300 000 KMU. Sie investieren jährlich über 3 Mrd. Fr. in Forschung und Entwicklung. Innovationsfreudigkeit und der richtige Umgang mit Geistigem Eigentum gehören zu den bedeutendsten Erfolgsfaktoren für Schweizer KMU, wie Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf am Montag vor den Medien in Bern erklärte.

Bisher geringe Sensibilisierung

Bei den KMU gibt es allerdings eine geringe Sensibilität gegenüber dem Thema. Hochschulstudien im Auftrag des IGE haben ergeben, dass zwei Drittel der befragten 7000 KMU ihre Innovationen und Kreationen nicht aktiv vor Missbräuchen oder Trittbrettfahrern schützen. Laut IGE-Direktor Roland Grossenbacher herrscht der verbreitete Irrtum, dass Patentschutz nur etwas für Grossunternehmen sei.

Wer sorglos mit seinen eigenen geistigen Leistungen umgehe, riskiere, geistiges Eigentum von Dritten zu verletzen oder selber Opfer von Trittbrettfahrern zu werden, stellt Grossenbacher fest. Es gebe aber auch KMU, die über das Ziel hinaus schiessen, und zu viel Geld für Schutzmassnahmen aufwenden würden.

Neues Internetportal

Unter dem Motto: «Gedacht. Gemacht. Geschützt.» hat das IGE nun Massnahmen für einen bewussteren Umgang mit dem Geistigen Eigentum ergriffen. Als wichtigste Massnahme wurde am Montag ein neues Internetportal des IGE für KMU aufgeschaltet. Hier werden Antworten rund um den Schutz von Innovationen sowie Kurzinfos zu einzelnen Schutzrechten und Praxiserfahrungen von Unternehmern geliefert.

Die zweite wichtige Säule ist ein neues Beratungsnetz des IGE in Zusammenarbeit mit den drei Schweizer Patentanwaltsverbänden (Telefonnummer 031 377 77 77). Hier handelt es sich um eine kostenlose Erstberatung durch Patentanwälte von 45 Minuten Dauer. Das IGE hat ausserdem sein bisheriges Informationsmaterial überarbeitet sowie das Aus- und Weiterbildungsangebot ausgebaut.

Der Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, Hans-Ulrich Bigler, begrüsste vor den Medien die Initiative des IGE. Vor allem in Zeiten der Globalisierung seien Patent- und Markenschutz sowie Urheberrechte wichtig.

(sda)