Studie

31. März 2019 14:14; Akt: 31.03.2019 14:14 Print

KV-Lehrlinge klagen am meisten über Langeweile

von Dominic Benz - Unterforderung, Langeweile, Monotonie – KV-Lehrlinge drehen immer wieder mal Däumchen. Das hat Risiken für die Gesundheit.

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Langeweile wird immer wieder mal als Belastung gesehen. Das ist das Resultat einer Umfrage des Kaufmännischen Verbands (KV). Lehrlinge in der kaufmännischen Grundausbildung nerven sich über langweilige und monotone Arbeit. «Auch wer viel Arbeit hat, kann diese als langweilig und monoton empfinden», sagt der Leiter des Bereichs Bildung beim KV, Michael Kraft, zu 20 Minuten. Langeweile wird immer wieder mal als Belastung gesehen. Das ist das Resultat einer Umfrage des Kaufmännischen Verbands (KV). Absolventen einer kaufmännischen Lehre haben beim Berufseinstieg einen Medianlohn von 55'146 Franken pro Jahr. Doch wie kann man rasch seinen Lohn verbessern und die magische Grenze von 100'000 Franken pro Jahr knacken? Laut Nicole Cornu vom Kaufmännischen Verband (KV) gehören dazu die richtigen Lohnverhandlungen, ein betriebsinterner Aufstieg, Weiterbildungen oder die Wahl der richtigen Branche. KV-Absolventen haben im letzten Jahr teils mehr verdient als in den Vorjahren. So lag der Median der Einstiegslöhne im November bei 55'146 Franken. Das ist das Resultat einer Befragung des Verbands bei 3300 KV-Absolventen. Doch nicht alle können sich über einen höheren Lohn freuen. 14,4 Prozent der Saläre liegen laut KV unter der Mindestlohnempfehlung des Verbandes von 52'000 Franken pro Jahr. Zudem ist die Beschäftigungsrate erstmals nach 2014 im November 2018 gestiegen. Zwei Drittel der Befragten haben innerhalb der ersten vier Monate nach Abschluss der kaufmännischen Grundbildung eine reguläre Stelle gefunden. Hingegen wird es für die Abgänger, die nicht direkt nach dem Abschluss einen Job vom ehemaligen Betrieb angeboten erhalten, schwieriger, den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu schaffen. Erstmals hat das KV mit der Befragung das Risikopotenzial für psychosoziale Erkrankungen am Arbeitsplatz abgefragt. Das Resultat ist positiv: Die befragten Absolventen geben an, kaum mit Mobbing, sexueller Belästigung oder Gewalt konfrontiert worden zu sein.

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Nicht nur Stress und Überlastung können im Job mit der Zeit zermürben. Auch wer den ganzen Tag Däumchen drehen muss, riskiert auf die Dauer seine Gesundheit. Einem solchen Risiko ausgesetzt sind offenbar auch Lehrlinge der kaufmännischen Grundausbildung. Sie nennen Unterforderung, Langeweile und Monotonie als immer wiederkehrende Belastung.

Umfrage
Langweilen auch Sie sich im Job?

Das ist das Resultat einer Umfrage des Kaufmännischen Verbands (KV). Zum ersten Mal wurden über tausend Lehrlinge zu ihrer Gesundheit während der dreijährigen Grundausbildung befragt. Im Gegensatz zur Langeweile sind die Lehrlinge weniger von Überforderung und Überbelastung betroffen. Fast kaum ausgesetzt sind sie Mobbing, sexueller Belästigung oder Gewalt.

Gefahr von Burnout oder Depressionen

Ähnlich häufig wie über die Langeweile nerven sich die Lehrlinge über den hohen Druck am Arbeitsplatz und die grosse Arbeitsmenge. Laut Michael Kraft ist das kein Widerspruch. «Auch wer viel Arbeit hat, kann diese als langweilig und monoton empfinden», sagt der Leiter des Bereichs Bildung beim KV auf Anfrage. Ebenfalls beklagen sich die Lehrlinge über häufige Störungen und Unterbrechungen, negative Stimmung im Team, zu starke Kontrollen durch den Chef und fehlendes Feedback.

Sind Lehrlinge und Arbeitnehmer über lange Zeit solchen Belastungen ausgesetzt, kann das auf die psychische und physische Gesundheit schlagen. Die Folgen können Burnout, Depressionen oder Herz-Kreislauf-Störungen sein – oder eben ein Boreout. Darunter versteht man einen Zustand der extremen Unterforderung im Arbeitsleben. Unter dem Strich wertet der Verband die Ergebnisse der Umfrage positiv: «Im Schnitt kommen die genannten Belastungen nur ab und zu und nicht häufig vor. Daher sind die Ergebnisse nicht weiter alarmierend», sagt Kraft.

«Das hat uns schockiert»

Die Umfrage zeigt laut Kraft vor allem auf, wie wichtig die Arbeitsgestaltung und der Inhalt der Arbeit ist, damit es einem nicht langweilig wird im Job. Daher sei es wichtig, die Vorgesetzten der Lehrlinge zu sensibilisieren. «Sie müssen merken, wann etwas zu viel oder eben zu wenig ist», sagt Kraft.

Aber auch die Lehrlinge nimmt er in die Pflicht, bei Problemen wie Langeweile zu handeln. Allerdings wissen viele Lehrlinge nicht, an wen sie sich in psychisch oder sozial schwierigen Situationen wenden können. «Das hat uns schockiert», so Kraft. Laut Umfrage hat knapp die Hälfte keine Ahnung, wo sie Hilfe findet.

Kraft empfiehlt, bei Problemen das Gespräch proaktiv mit dem Berufsbildner zu suchen und sich dafür vorzubereiten. «Schreiben Sie auf, welche Punkte Sie stören, und sammeln Sie konkrete Beispiele.» Zeitgleich sei es ratsam, die eigenen Interessen aufzuzeigen und Vorschläge zum Arbeitsinhalt zu machen. Denn: Eine Arbeit, die den eigenen Interessen entspricht, lässt weniger schnell Langeweile aufkommen.

Berufswechsel macht nicht immer Sinn

Unterstützung kann man laut Kraft nicht nur beim Berufsbildner, sondern ebenso in der Personalabteilung oder beim Chef direkt suchen. Auch der Austausch mit anderen Lehrlingen kann helfen. «Wenn andere die gleichen Probleme haben, kann man sich zusammentun», sagt Kraft.

Falls nichts davon nütze, müsse man die eigene Situation grundlegend überdenken. So könne man im 1. Lehrjahr allenfalls einen Lehrstellen- oder Berufswechsel prüfen und etwas wählen, das einem mehr interessiere. Kurz vor Lehrabschluss sei das aber weniger ratsam. «Wiegen die Probleme nicht allzu schwer, ist das Durchbeissen wahrscheinlich die bessere Lösung», sagt Kraft.

Machst Du auch eine KV-Lehre? Wie ist es bei Dir? Schreib uns von Deiner Erfahrung!

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Silvan am 31.03.2019 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Sorge, lieber KV-ler

    In spätestens 10 Jahren gibt es eine KI die den Job übernimmt. Dann müsst ihr euch was anderes suchen.

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  • Jason Kempitz am 31.03.2019 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Truppenbuchhalter

    Was noch langweiliger ist, ist Truppenbuchhalter in der CH Armee. Das ist Zeitverschwendung.

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  • Zubi am 31.03.2019 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich

    Genau das ist das Problem vieler Jungen denn außer auf dem Handy zu spielen, wissen sie nicht mehr was sie tun sollen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fensterkucker am 01.04.2019 23:15 Report Diesen Beitrag melden

    Ruhige Kugel schieben

    Ich kann die jungen Leute ganz gut verstehen. Ich selbst bin Ingenieur und arbeite in einem grossen und bekannten Konzern als erfolgreicher Projektleiter. Mir ist sehr oft langweilig, da mit die Arbeit nicht eher weniger entspricht. Excel Powerpoint, e-mail und Telefon sind meine Arbeitsutensilien aber sonst nix handfestes. Irgendwann such ich mir was anderes, wäre nur meine derzeitige Stelle nicht so super bezahlt ;-)

  • KV am 01.04.2019 22:12 Report Diesen Beitrag melden

    Langeweile?

    Auch ich bin ein "Bürogummi" und mir ist bestimmt nie langweilig. Wenn ein Lehrling langeweile hat, liegt es wohl am Arbeitgeber oder an der Motivation des Lehrlings.

  • Pilatus am 01.04.2019 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    Pontius

    Das Badhing geht weiter. Habe selten solchen Mist gelesen. Bin Lehrlingsausbildner und kann nur über die Ängste gewisser Kreise schmunzeln. Auch in der ehemaligen DDR durfte man nur studieren, wenn die Eltern nich studiert hatten. Damit wolkte man das interlektuelle Niveau senken, damit die Massen nie an der Führung zweifeln. Sind wir wieder so weiz hier?

    • Techniker am 01.04.2019 18:35 Report Diesen Beitrag melden

      Senkung

      Ja das interlektuelle Niveau wurde bei Ihnen schon erfolgreich gesenkt. Gratulation.

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  • Johny am 01.04.2019 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Büros alles gleich

    Besser langweilig als anstrengend. War sebst mal in einer KV position. Da ist die Uhr der grösste Feind. Die läuft einfach nicht. Gut, als Informatiker ist es genau gleich, nur verdiene ich um vielfaches mehr Habe in verschiedenen Bereiche gearbeitet. Überall gleich Büro

    • Burnouter am 01.04.2019 16:25 Report Diesen Beitrag melden

      IT Beratung

      Ich arbeite in der IT Beratung und bin somit auch ein Bürogummi. Langweilig ist es mir nie. Auch habe ich immer viel (häufig zu viel) zu tun.. Aus Ihren Erfahrungen auf alle zu schliessen ist schlichtweg falsch.

    • Burnoutkratzer am 01.04.2019 21:48 Report Diesen Beitrag melden

      geht mir auch so

      auch mir ist selten langweilig..und wenn, dann freu ich mich fast darüber. Meistens hab ich soviel Arbeit dass ich kaum durch komme mit allem. Und nein, es liegt nicht an meiner Organisation - sondern daran, dass meine Kollegen einfach pünktlich den Stift fallen lassen und abdüsen. Nur wenn halt noch ein Kunde anruft, kann man ja nicht einfach nicht mehr da sein....

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  • Mama Mia am 01.04.2019 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Anspruchslose Lehre

    Ich habe vor 25 Jahren auch die KV-Lehre gemacht. Damals war gerade die Bürolehre abgeschafft worden und die Ansprüche in der Berufsschule wurden nach unten angepasst. Kein Wunder, ist es den Lehrlingen jetzt langweilig, wenn die Lehre anspruchslos ist. Ich habe mich zum Glück weitergebildet und mache jetzt was anderes.

    • LucyT am 01.04.2019 14:31 Report Diesen Beitrag melden

      @Mama Mia

      Frührerige Bürolehre ist seit einigen Jahren KV mit B-Profil, erweitere Grundausbildung und KV mit Matura sind anspruchsvoller. Sollte also für jeden was dabei sein...

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