Starbucks erntet Kritik

06. November 2018 09:58; Akt: 06.11.2018 16:50 Print

20 Mio an Kaffeebauern – «Spende ist lächerlich»

von Isabel Strassheim - Starbucks spendet 20 Millionen Dollar an Kaffeebauern und erntet Kritik. Was ist los?

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Der US-Konzern Starbucks betreibt weltweit fast 30'000 Kaffeehäuser. In den USA hatte die Kette ihre Preise für frisch gebrühten Kaffee diesen Juni ohne Ankündigung um 10 bis 20 US-Cent erhöht. Dabei spielten nicht nur die Rohkaffeepreise eine Rolle, die waren ja gesunken, so Starbucks. Sondern auch Miete oder Personalkosten. Starbucks-Chef Kevin Johnson hat den Kaffeebauern in Mittelamerika nun 20 Millionen Dollar an Unterstützung zugesagt. Damit will er sie über Wasser halten, denn wegen der niedrigen Kaffeepreise bekommen sie zum Teil noch nicht mal ihre Anbaukosten herein. Die Massenflucht aus Mittelamerika seit Oktober ist auch eine Folge der rekordtiefen Rohkaffeepreise. Migranten stehen am 1. November 2018 in Mexiko an einer Essensausgabe Schlange. Sie sind auf dem Weg Richtung USA. Ein Lager mti Säcken voller grünem Kaffeebohnen in Kenia. Die Preise für den Rohkaffee werden an den Börsen in New York und London bestimmt... ... zu den Börsenpreisen gibt es in der Regel Aufschläge oder auch Abschläge, je nach Qualität. In Kenia sortieren die Arbeier die Bohnen am Fliessband. Geröstet werden die grünen Bohnen meist nicht in den Anbauländern... .... es gibt zwar einen Trend in Europa zu kleinen Röstereien. Aber wenige riesige Röstereien dominieren den weltweiten Markt. Unter anderem sind das JDE - die einer deutschen Milliardärsfamilie gehört - und Nestlé. Wer Kaffee verkauft oder trinkt, soll auch an faire Preise für die Kaffeebauern denken, fordert Fairtrade Max Havelaar.

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Starbucks wirbt diesen November in seinen Cafes mit dem Slogan «Geniesse eine Tasse voller Magie». In der Tat passiert gerade Erstaunliches in der Kaffeewelt: Die US-Kette spendet bis zu 20 Millionen Dollar an die Kaffeebauern in Mittelamerika. Denn die verdienen im Moment nichts und legen sogar drauf. Der Bohnenpreis liegt unter den Produktionskosten der Bauern von 1.40 Dollar pro Pfund.

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Obwohl Kaffee ein Trendgetränk ist und der Konsum steigt, notiert der Rohstoffpreis wegen der guten Ernte in Brasilien auf einem historischen Tief. Die Anbauorganisationen von Brasilien und Kolumbien warnen, die Existenz der weltweit 25 Millionen Kaffeebauern-Familien sei bedroht.

Schweiz ist weltweites Hub

Viele Kaffeebauern, von denen Starbucks den Rohkaffee bezieht, sind betroffen. Es sei das erste Mal, dass eine Firma eine Spende in solcher Höhe und mit solcher Wirkung mache, so Starbucks zu 20 Minuten.

Der weltweite Handel läuft über Firmen in der Schweiz – auch bei Starbucks. Die Schweiz ist bei Kaffee wie bei anderen Rohstoffen auch die grösste globale Drehscheibe. Zwischen 50 und 70 Prozent der Bohnen werden hier gedealt. Grund sind die niedrigen Steuern sowie der Bankenplatz für die nötige Finanzierung und die politische Stabilität.

«Lächerliche Summe»

Die Einkaufs-/Handelsfirma von Starbucks sitzt in Lausanne. Sie bezieht Berichten zufolge jährlich Rohkaffee im Wert von rund 1,5 Milliarden Dollar. Einen Teil der Bohnen kauft sie zu Fairtrade-Preisen, von denen die Bauern leben können. Für die Cafés in Europa sind das die Espressobohnen und damit vom Capuccino bis zur Pumpkin Spice Latte die für fast alle Kaffees. Weltweit verwendet Starbucks allerdings auch Nicht-Fairtradebohnen.

Die 20-Millionenspende für die Bauern soll nun die harten Auswirkungen der tiefen Rohkaffeepreise abfedern, «bis der Kaffeepreis von allein korrigiert und wieder über die Produktionskosten steigt», so Starbucks.

«Diese Summe ist lächerlich», sagt Fernando Morales de la Cruz von der sozial orientierten Kaffeefirma Café for Change. «Statt Minispenden ist ein transparentes Entlohnungssystem nötig.»

Milliardär kauft Röster

Der Rohkaffeepreis schwankt generell nach oben oder unten: «Kaffeepreise haben sich schon immer zyklisch bewegt, bei hohen Preisen weiten die Bauern die Produktion aus, bei tiefen Preisen kommen Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht», sagt Michael von Luehrte, designierter Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Kaffee Schweiz. Die jetzigen Tiefpreise hängen auch an der erhöhten Kaffeeproduktion in Brasilien, Vietnam oder Honduras.

Anbauorganisationen kritisieren jedoch dass auch die Konzentration bei den Röstern die Preise drückt. Es gibt nur noch wenige weltweite Abnehmer für Kaffeebohnen. Die grössten sind Nestlé und JDE, ein jüngst von einem deutschen Milliardär zusammengekauftes Imperium mit den Marken Tassimo, Senseo, Jacobs oder Kaffee Hag.

Neue Vorschläge

«Die Händler und Röster entscheiden, ob Kaffeebauern, Feldarbeiter und ihre Kinder drei oder nur eine Mahlzeit pro Tag essen können», sagt Morales von Café for Change. Im Moment gebe es Hunger und Kinderarbeit. Er fordert einen Aufpreis von mindestens 10 US-Cent pro Tasse Kaffee, die direkt an die Bauern gehe.

Fairtrade Max Havelaar ist für einen generellen Mindestpreis, der über den Anbauosten liegt. «Die Unternehmen und Konsumenten müssen generell mehr Verantwortung übernehmen», fordert Simon Aebi von Max Havelaar.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Glabalisierung basierend auf Fair Trade am 06.11.2018 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Faire Preise statt Spenden

    Wenn man den Schwellenländern faire Preise bezahlen würde brauchte es keine Spenden und wir hätten (fast) keine Wirtschaftsflüchtlinge.

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  • Mäse B. am 06.11.2018 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Starbucks ist ein unethischer Player

    Starbucks ist eine der unethischsten Firmen in diesem Business. Von den unterbezahlten Kaffebauern bis hin zu der erkauften Ziertifizierung ihres Kaffes. Bei den übertriebenen Preisen, die die Produkte kosten, wäre man gerne Shareholder. Die Gewinnmargen müssen im höheren zweistelligen Prozentbereich liegen. Nebst all diesen Fakten, interessiert sich der Konzern auch keinen Deut um Umweltschutz und nachhaltigen Umgang mit dem ganzen Einwegplunder, den man gezwungenermassen mit dem Getränk serviert bekommt!

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  • 1234567890 am 06.11.2018 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie wieder starbucks

    Ich habe bei starbucks gearbeiten, und ich kann sagen alles negative was man hört stimmt! Bin glücklich einen neuen seriösen job zu haben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jay am 07.11.2018 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egoisten

    4.70- für ein Kaffee im KKiosk von der Starbucksmaschine. Denke da sollte genug für die Kaffeebauern rausspringen. Aber leider werden mit diesen Geldern eher die Managerlöhne aufgestockt.

  • Hugo von Sinnen am 07.11.2018 00:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nur so:

    Angebot des Tages: Bei meinem "Lieblingsitaliener": Bester Espresso nördlich der Alpen ! Ein Glas Wasser zum Kaffee Zucker soviel Du willst Ein saubere Serviette Kaffeelöffel und Tablett Neuste Tageszeitungen Schwätzchen mit psychiatrischer und moralischer Unterstützung Saubere Toilette Neuste Wetterinformation und ein paar Gerüchte..... Information zur Abfahrtzeiten ÖV Alles für nur ein paar Franken ! "ER" verkauft keinen Caffe, "ER" verkauft Emmotionen !

  • Nachdenklicher am 06.11.2018 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beschämender Betrag

    Wer Starbucks 'cool' findet, soll sich ein wenig über dieses Unternehmen informieren. Viel 'schein und wenig sein', das ist meine Meinung zu Starbucks.

  • die Ritterin am 06.11.2018 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    faire Preise

    Anstatt zu "spenden", soll dieser Saftladen den Bauern doch einfach ganzjährig faire Preise für deren produzierte Rohstoffe bezahlen. Ich frage mich schon, was für Asoziale in Starbucks gehen, wo doch jeder weiss, was für Ausbeuter das sind.

    • Heinz Maier am 06.11.2018 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @die Ritterin

      Der preis richtet sich nach angebot und nachfrage. Wenn das angebot halt zu gross wird, sinken die preise. Ist eigentlich identisch wie bei den bauern wenn sie zu viel milch produzieren...

    • THINK am 06.11.2018 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @die Ritterin

      Mit was hast Du diesen Kommentar geschrieben ? Was glaubst Du wie die Situation ist wo Dein verwendetes Gerät gebaut wurde ? Ausbeuter gibt es heute viele den die oberen 10% wollen noch reicher werden.

    • Nachdenklicher am 06.11.2018 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heinz Maier

      Starbucks verkauft den Kaffee 'wie nebenbei'. An erster Stelle verkauft diese Firma 'das Gefühl ein VIP zu sein'. Das ist der 'clevere Trick' Aber echt sozial, oder nachhaltig, ist diese Firma meiner Meinung nach nicht.

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  • THINK am 06.11.2018 19:44 Report Diesen Beitrag melden

    Die vollen Steuern zahlen

    welche vorgesehen sind für Konzerne welche Milliarden scheffeln wäre auch mal gut. Da ist Starbucks aber nicht der einzige Steuervermeider .Die Staaten in Europa müssten sich bei diesem Thema nur einig sein. Leider scheitert es genau daran. Wo kein Wille ist ... also holt man es sich beim Mittelstand weil es einfacher und bequemer ist.

    • Heinz Maier am 06.11.2018 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @THINK

      Basierend welcher gesetzesgrundlage bezahlt starbucks nicht die vollen steuern? Wüsste nicht wo starbucks steuern hinterzieht. Wenn dann müssen sie über staaten und deren gesetze herziehen, aber ganz sicher nicht über firmen, welche sich an geltende steuergesetze halten. Oder bezahlen sie auch freiwillig zu viel steuern?

    • Nachdenklicher am 06.11.2018 22:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heinz Maier

      Wenn Ed Sheeran in England 2017 mehr Steuern als Starbucks bezahlte, sagt dies doch einiges über diese Firma aus.

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