Faktencheck

19. Dezember 2018 05:43; Akt: 19.12.2018 05:43 Print

Kann die SNB die Schweiz in die Pleite treiben?

von Isabel Strassheim - Zwei deutsche Ökonomen warnen, die Schweizerische Nationalbank steuere das Land in den Ruin. Was ist da dran?

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Der Angriff ______________

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Zwei deutsche Ökonomen und Anlageberater warnen Ausländer vor der Geldanlage in der Schweiz:«Schweiz und Franken sind keine sicheren Häfen für Ihr Geld», schreiben Marc Friedrich und Matthias Weik auf dem Portal «Das Investment». Sie greifen damit die Schweizerische Nationalbank (SNB) und deren Präsidenten an: «Entweder ist Thomas Jordan ein Genie und ihm werden Statuen gebaut, oder er spielt das neue Spiel: schweizerisches Roulette.»


Der Vorwurf super kurz______________

Die Schweiz könne «von heute auf morgen pleitegehen», warnen die Ökonomen Friedrich und Weik. Der Grund: Die riesige Bilanzsumme der SNB führe das ganze Land in den Ruin. Sie habe über Jahre hinweg auf den Devisenmärkten interveniert, um gute Bedingungen für die Schweizer Wirtschaft zu schaffen. Dabei hat sie mit ihrer Bilanzsumme die Wirtschaftsleistung überflügelt: Mit rund 840 Milliarden Franken liegt sie bei gut 120 Prozent des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP).

Ist ein Horrorszenario denkbar, bei dem die Schweiz pleitegehen kann?
Das schon, aber dafür müssten sehr viele radikale Annahmen eintreffen: «Das ist etwa so wahrscheinlich, wie wenn Sie befürchten, dass Ihnen beim nächsten Gang aus dem Haus ein Klavier auf den Kopf fällt», sagt UBS-Chefökonom Daniel Kalt zu 20 Minuten. Tatsächlich ist die SNB durch die riesige Bilanzsumme und ihre Anlagen in Fremdwährungen verwundbar. Denn sie ist den Wechselkurs- und Börsenschwankungen stark ausgeliefert. Bricht der Dollar ein oder fallen die US-Aktien, dann bringt das ihre Frankenbilanz ins Trudeln und schmilzt ihr Eigenkapital ab. «Die Ausschläge müssten aber massiv sein und auch alle Anlagearten einbrechen lassen», so Kalt.

Trifft das dann die ganze Schweiz?
Ja, denn fällt das Eigenkapital der SNB zu stark ins Negative, kann dies das gesamte Finanz- und Bankensystem ins Wanken bringen. «Die Öffentlichkeit könnte zum Schluss kommen, dass die Zentralbank keine vertrauenswürdige Gegenpartei mehr ist», heisst es in einem Report der deutschen Commerzbank von 2015. Damals hatte die SNB den Mindestkurs aufgegeben auch unter Hinweis auf die hohen Fremdwährungsreserven, die seinerzeit um 500 Milliarden Franken standen. Verspielt die SNB ihr Vertrauen, wären Geschäftsbanken nicht mehr bereit, Guthaben bei ihr zu halten. Gerade bei einer kleinen, offenen Volkswirtschaft würden sie in andere Währungen fliehen.

Kann die Nationalbank selbst pleitegehen?
Eine Geschäftsbank wie etwa die UBS kann in Konkurs gehen, nicht aber die SNB. Die Notenbank muss keine Gewinne machen, auch wenn Bund und Kantonen dann kein Geld ausgeschüttet wird. Die SNB selbst bleibt immer liquid. «Dies hat zur Folge, dass eine Zentralbank nicht in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt ist, wenn ihr Eigenkapital vorübergehend negativ wird», erklärte SNB-Präsident Jordan 2011. Damals hatte er auf die Währungsbestände hohe Verluste verbuchen müssen, und das Eigenkapital war stark gesunken. Aber eine Nationalbank kann Verluste immer aussitzen und auf steigende Anlagewerte warten.

Wie steht es ums Image der SNB und des Frankens?
Trotz der riesigen Währungsreserven gelten die Schweiz und der Franken nach wie vor als sicherer Hafen für ausländische Anleger. «Der Franken ist von Anlegern gesucht», sagt Devisenexpertin Thulan Nguyen von der deutschen Commerzbank in Frankfurt. «Wir erwarten, dass der Franken auch in den nächsten Monaten weiter stark bleibt.» Der Grund sind die Risiken in der Eurozone wie der Brexit oder die Finanzpolitik in Italien.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.P. am 19.12.2018 06:01 Report Diesen Beitrag melden

    CH und DE

    In Deutschland kann einem auch ein Klavier auf den Kopf fallen. Die Herren sollten sich mit ihrer Schwarzmalerei hier mal nicht so profilieren.

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  • Bruno Berner am 19.12.2018 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Monopoly

    Diese Behauptung ist Quatsch. Dann müsste ja EZB noch 10x mehr gefährdet sein. Eine Zentralbank ist aber wie die Bank im Monopoly, sie hat immer Geld.

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  • Markus am 19.12.2018 05:54 Report Diesen Beitrag melden

    Venezuela

    mit den Richtigen Politiker, kann jedes Land Pleite gehen ps Vezeuela

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hummelchen am 20.12.2018 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wir benötigen mehr Euros

    Den Franken bitte weiter schwächen, weil die Währung viel zu stark ist. Eine Nationalbank kann nicht in Konkurs gehen. Die Nationalbank ist der Währungsregulator und sie kann soviel Geld aus dem nichts schaffen wie sie möchte und kann es auch wieder zunichte machen ohne jeglichen Schaden beim Staatsapparat seiden beim Volk. Das nächste wäre, dass die Nationalbank und der Bund zwei verschriedene Gewalten und unabhängig voneinander sind. So ein Käse hatte ich echt selten gehört und das nennt man Ökonomen? Solche Irrtumsverbreiter unglaublich.

  • Sebomir am 20.12.2018 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Die Nationalbank als Währungshüter?

    Eine Nationalbank kann nicht in Konkurs gehen. Die Nationalbank ist der Währungsregulator und sie kann soviel Geld aus dem nichts schaffen wie sie möchte und kann es auch wieder zunichte machen ohne jeglichen Schaden beim Staatsapparat seiden beim Volk. Das nächste wäre, dass die Nationalbank und der Bund zwei verschriedene Gewalten und unabhängig voneinander sind. So ein deutschen Käse hatte ich echt selten gehört und das nennt man Ökonomen? Solche Irrtumsverbreiter unglaublich, dann weiss man auch, was man von sovielen Studien zu halten hat. NICHTS

  • Sthos am 20.12.2018 13:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich bald

    Klar kann die SNB die Schweiz in die Pleite treiben. Sie soll damit nicht zu lange warten, denn ich bin für einen Neuanfang.

  • Mike Meier am 20.12.2018 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Pleite gehen wir wohl kaum,...

    ...weil die CH-Steuerzahler die Fehler der SNB dann wieder gradbiegen muessen. Fuer die unselige Zockereien der SNB, die uns im naechsten Quartal wieder Milliardenverluste im zweistelligen Bereich bescheren und mittelfristig unseren gar Franken komplett ruinieren duerften, werden wir sehr teuer bezahlen muessen. Massive Steuererhoehungen und Belastungen der Immobilien werden dann unausweichlich kommen. Wer hat von der Frankenschwaechung profitiert? Die Export- und Tourismusindustrie und das Ausland. Beschaemend.

  • Frank Fränkler am 19.12.2018 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und wer hat's erfunden?

    Warum steh dann der Euro so volatile im Devisenbusiness? Wahrscheinlich weil immer wieder solche Intelligenzbolzen aus Deutschland uns Schweizern sagen wollen, wie es funktioniert. Zu Glück hört Herr Jordan nicht auf das Gequatsche dieser Grossschnurris. Wer hat seit dem 2. Weltkrieg weltweit die stabilste Währung? Und wer genau?