Nach den Skandalen

25. Februar 2015 06:01; Akt: 25.02.2015 06:01 Print

Kann man den Banken noch vertrauen?

von K.Wolfensberger - Ein weiterer Finanz-Skandal erschüttert die Schweiz. Nicht alle Institute dürften das Vertrauen der Kunden wieder gewinnen.

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Erneut ist der Schweizer Finanzplatz wegen krimineller Machenschaften unter internationaler Beobachtung. Im Mittelpunkt steht zurzeit ein Skandal um illegale Preisabsprachen im Edelmetallhandel.

Bei den Kunden wächst die Verunsicherung weiter. Viele Personen würden ihren Banken nicht mehr vertrauen, sagt der Ökonom Hans Geiger zu 20 Minuten. «Das ist fatal. Früher genossen Banker ein Vertrauen, das demjenigen von Ärzten, Pfarrern oder Rechtsanwälten in nichts nachstand.» Vor allem der Aspekt der Verlässlichkeit, komme heute bei den Banken zu kurz. Zu leicht würden sie die Daten ihrer Kunden auf Druck hin ausliefern.

Kein Bankgeheimnis mehr

Wie soll es in Zukunft weitergehen? Für Wirtschaftsprofessor Martin Janssen ist die Antwort klar: «Das Geschäftsmodell der Zukunft stellt den Kunden und seine Interessen ins Zentrum», erklärt er. Dabei sollten sich die Banken nicht in die Beziehung zwischen Kunde und Steueramt einmischen. In Janssens Worten: «Das geht weder den Bäcker noch die Bank etwas an.»

Geiger pflichtet seinem Kollegen Janssen grundsätzlich bei, weist aber auch auf Grenzen hin: «Das Bankgeheimnis gibt es nicht mehr so wie früher und es kommt auch nicht zurück.» Aber die Kunden müssten wieder wissen können, was sie im Umgang mit einer Bank erwartet. «Es geht um die Faktoren Verlässlichkeit und Vertraulichkeit, die wieder gegeben sein müssen», erklärt Geiger. Von einer Bank könne man erwarten, dass sie Klartext redet.

Staatliche Regulierung

Dem Staat möchten die Experten in Zukunft keine grössere Rolle zugestehen. «Der Finanzsektor ist bereits stark staatlich geprägt und reguliert. Wir brauchen mehr Wettbewerb und Transparenz, dafür weniger Regulationen», sagt Wirtschaftsprofessor Janssen.

Was hiermit gemeint ist, führt Geiger aus: «Gegen Geldwäscherei beispielsweise gibt es zu viele, nicht zu wenige Vorschriften. So müssen Banken in Verdachtsmomenten die Behörden informieren, ohne dies den Kunden mitzuteilen.»

Klassische Privatbanquiers

Welchen Finanzinstituten wird es am ehesten gelingen, das Vertrauen der Kunden wiederzuerlangen? «Das ist schwer zu sagen und ist nur auf individueller Ebene zu beantworten», sagt Ökonom Geiger. «Am vertrauenswürdigsten seien wahrscheinlich die klassischen Privatbanquiers, die noch mit ihrem eigenen Vermögen haften. Davon gibt es aber nicht mehr viele.»

Für Janssen wiederum ist primär wichtig, dass die Dienstleistungen und Preise der Banken transparent sind. Dann könnten die Kunden das für sie am besten passende Institut mit seinen Produkten auswählen. Auf die Grösse einer Bank komme es dabei nicht unbedingt an, eher auf die spezifischen Kundenwünsche.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schmidi am 25.02.2015 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und woher kommen die Boni?

    ... Ja genau... Den Kunden in den Mittelpunkt stellen... Oder besser in der Mitte auf den Kopf stellen, dann fällt sein Geld besser aus den Taschen...

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  • ueli am 25.02.2015 06:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bank

    ups hab mich verspekuliert macht nichts ist ja nicht mein Geld, ich vertraue nicht mal der pensionskasse ?

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  • Boriz am 25.02.2015 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit ein paar...

    Tausend Fränkli ist man nicht mal mehr dei den Raiffeisenbanken "Kunde".

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sam Süffi am 25.02.2015 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ein Übel ist das

    Warum habe ich immer noch kein Bankkonto? Banken sind Wegelagerer... Denen traue ich nicht. Ich bin bereits 64 jahre alt. Bis jetzt ist es gegangen ohne. Postcheckkonto nun Postfinance taten's auch.

  • Anton am 25.02.2015 19:44 Report Diesen Beitrag melden

    Es heisst ja auch nicht umsonst Bankster

    Klar kann man den Bankern nicht mehr trauen. Es heisst ja auch nicht umsonst Bankster! Ist der Ruf erst ruiniert, dann lebt es sich recht ungeniert.

  • Daniel von Trub am 25.02.2015 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauen unter Banken

    Warum soll ich Banken und deren Leuten noch vertrauen? Die Banken trauen sich ja nicht einmal mehr untereinander. Diese parkieren lieber das Geld über Nacht bei den Notenbanken, als dass sie es untereinander verleihen würden..........

    • Reto Binswanger am 25.02.2015 18:32 Report Diesen Beitrag melden

      Giro Guthaben

      Genau! Kann man anhand der Giro Guthaben bei den Zentralbanken sehr gut sehen! Da werden noch einige Zentralbanken mit Negativzinsen aufwarten...........

    • bankerin am 25.02.2015 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      SNB

      das hat nichts mit Vertrauen zu tun sondern auch mit dem Zins. Wenn z.B. die UBS der CS Geld leihen möchte kann die UBS denn Zinssatz selbst festlegen und diese kann diesen höher machen als die SNB. Zudem sind die Eigenmittelanforderungen an eine Bank gestiegen und die SNB kann auch von den Banken verlangen, dass diese Gelder bei der SNB lagern müssen.

    • Daniel von Trub am 25.02.2015 19:02 Report Diesen Beitrag melden

      @bankerin

      Ist verständlich erklärt werte Bankerin, Nur warum würde jetzt in ihrem genannten Beispiel die UBS den Zins höher legen als die SNB?

    • bankerin am 25.02.2015 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Erklärung

      @Daniel von Trub wenn die CS z.B. 1.5 Mio benötigt und die SNB ihr aber nur 1 Mio geben möchte, da kann die UBS einen höheren Zins festlegen, da die CS das Geld sowieso benötigt.

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  • samuel Huber am 25.02.2015 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Im Endeffekt Betrug

    wenn auf deiner Bank dein Lohn eingeht macht die Bank folgendes: sie verleiht die 5000 Franken an Zehn Leute (jedem 5000) und verlangt dafür zins Es sind nun also 50000 Franken für die die Bank Zinsen verlangt Dieses Geld hat der Staat aber nicht gedruckt also versucht er es per Steuern von deinen 5000 Franken zu holen macht nach dem Zins noch mindestens 50000 Franken die nicht Gedeckt werden können Wenn man jetzt die Bank Fragt wo das Geld herkommt verweisen sie auf die Kreditnehmer denen alles gepfändet wird und wenn das noch nicht reicht um die 50000 zu decken dann springt der staat ein.

    • Schweizer Banker am 25.02.2015 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Rechnen ist Glückssache

      woher nimmt die Bank fünfzigtausend, wenn sie doch nur fünftausend erhalten hat??? das kann sie nicht...

    • g.tschanen am 25.02.2015 20:01 Report Diesen Beitrag melden

      the canddyman can

      sicher kann sie das Kredite werden nicht aus 1:1 Einlagen gemacht sonder 1:100 das heisst aus 5000fr kann die bank etwas zwischen 50000-500000fr machen ohne etwas zu tun. das nennt man giral geld.

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  • Tauschbörse am 25.02.2015 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Back to the Roots

    Ich wäre wieder für Tauschhandel...Leistung gegen Leistung. Fördert den sozialen Kontakt und ist Fair.