Miete

01. Juni 2011 09:39; Akt: 01.06.2011 10:28 Print

Kein Anspruch auf tiefere Mieten

Obwohl die Hypothekarzinssätze gesunken sind, belässt der Bund den Referenzzinssatz für Mieten bei 2,75 Prozent. Damit können keine tieferen Mieten gefordert werden.

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Die Hypothekarforderungen müssten auf 2,43 Prozent sinken, damit Mieter Mietsenkung verlangen könnten. (Bild: Keystone)

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Obwohl die Hypothekarzinssätze in der Schweiz weiter sinken, bleibt der Referenzzinssatz für Mieten unverändert. Der Bund lässt den Satz, von dem sich Mieterhöhungen oder -senkungen ableiten, auf 2,75 Prozent. Auf dieser Höhe liegt der Satz seit einem halben Jahr.

Berechnet wird der Referenzzinssatz aus den Hypothekarforderungen in der Schweiz, die vierteljährlich erhoben werden und aus denen ein Durchschnittswert berechnet wird. Per 31. März lag dieser Durchschnittssatz bei 2,54 Prozent, wie das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) am Mittwoch mitteilte.

Drei Monate zuvor hatte der Durchschnitt noch 2,59 Prozent betragen. Die erwartete Trendwende hin zu steigenden Zinsen hat demnach noch nicht vollumfänglich eingesetzt. Cipriano Alvarez vom BWO zeigte sich denn auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA auch eher überrascht, dass der Referenzzinssatz nochmals in diesem Masse sank.

Abflachen spürbar

Für ein weiteres Absinken des Referenzzinssatz, der in Viertelprozent-Schritten verändert wird, müsste die durchschnittliche Hypothekarforderung in der Schweiz auf 2,43 Prozent sinken. Alvarez hält einen nochmals leicht tieferen Durchschnittssatz im nächsten Quartal zwar für wahrscheinlich, doch ein Abflachen des Trends zu tieferen Zinsen sei eindeutig spürbar.

Deshalb ist es eher unwahrscheinlich, dass der Referenzzinssatz bei der nächsten Erhebung auf 2,5 Prozent sinkt. Bei diesem Satz könnten Mieter wieder eine Senkung verlangen. Da der Referenzzinssatz seit der letzten Veröffentlichung im März aber nicht verändert wurde, ergibt sich nun kein Anspruch auf eine Senkung - aber die Miete kann auch nicht erhöht werden.

Das BWO macht indes darauf aufmerksam, dass auch nachträglich noch Mietsenkungen geltend gemacht werden können, wenn es nach der Anpassung des Referenzzinssatzes auf 2,75 Prozent vom 1. Dezember keine Änderung der Miete gab.

Senkung bei einem Drittel

Nach Angaben des Deutschschweizer Mieterinnen- und Mieterverbandes hat rund ein Drittel der Miethaushalte in der Schweiz seit dem 1. Dezember eine Mietsenkung erhalten. Der Verband empfiehlt daher den übrigen zu überprüfen, ob sie Anspruch auf eine Mietsenkung hätten. Der Hauseigentümerverband verweist jeweils darauf, dass jeder Fall einzeln zu prüfen sei.

Trotz «rekordtiefem» Referenzzinssatz seien die Mieten in den letzten Jahren stetig gestiegen, kritisiert der Mieterverband. Verantwortlich dafür sei das knappe Wohnungsangebot vor allem in den Ballungszentren. Vermieter nutzten vor allem Mieterwechsel aus, um Mieten anzuheben.

Nach Angaben des Mieterverbandes stiegen solche Mieten in den vergangenen zwei Jahren um 6 Prozent. Aber auch die bereits bestehenden Mieten sind im gleichen Zeitraum nach Berechnung des Verbandes um 5 Prozent gestiegen.

Der Referenzzinssatz wird in der Schweiz seit September 2008 publiziert. Seit diesem Zeitpunkt, als gleichzeitig die Finanzkrise ausbrach, sank der Satz von 3,5 auf 2,75 Prozent. Voraussichtlich am 1. September 2011 wird der nächste Referenzzinssatz veröffentlicht.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Siffert am 01.06.2011 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Hypothekarzinsen fix vom Staat

    Hallo Warum bekommt man nicht einfach fix als Wohnförderung von der Nationalbank die ersten 60% der Finanzierung zum Bauen / Kaufen für 1.5 Zinsen fest auf 10 Jahre?? Dann wäre der Referenzzinssatz disskusionslos tief und der Staat würde endlich mal was für die Bürger tun! Man sieht ja, dass 1.5% Zins null Problem sind. Der Staat rettet immer wieder den "Kapitalismus" und die Banken, die Notenbanken schaufeln Milliarden ins System. Da wäre es allen gedient, wenn der Staat SEINEN Bürgern billig Hypothekarkredite geben würde. Allen? Ohje, die Banken hätten etwas weniger Gewinn...Schade:)

  • Rohrer Martin am 01.06.2011 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Bund schütz die Abzocker

    Der Bundesrat und Politiker in Bern stützen die Gelggierigen Hausbesitzer!! Veraltete Wohnungen seit Jahren nicht saniert; die Mieter zahlen ja die Nebenkosten. Die Besitzer machen sich ein schönes Leben auf kosten der Mieter!!!!!!!!!!!!!!!

  • Beat Blaser am 01.06.2011 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Bund ohne Strategie

    Der Bund sollte das Thema endlich mal angehen! Es ist längst bekannt, dass vor allem grosse Immobilienverwaltungen gesetzlichen Lücken ausnutzen. Einerseits will man Wohneigentum bremsen (Immobilienblase) anderseits schaut man dem Treiben tatenlos zu, wie Mieter immer mehr über den Tisch gezogen werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rohrer Martin am 01.06.2011 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Bund schütz die Abzocker

    Der Bundesrat und Politiker in Bern stützen die Gelggierigen Hausbesitzer!! Veraltete Wohnungen seit Jahren nicht saniert; die Mieter zahlen ja die Nebenkosten. Die Besitzer machen sich ein schönes Leben auf kosten der Mieter!!!!!!!!!!!!!!!

  • Peter Siffert am 01.06.2011 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Hypothekarzinsen fix vom Staat

    Hallo Warum bekommt man nicht einfach fix als Wohnförderung von der Nationalbank die ersten 60% der Finanzierung zum Bauen / Kaufen für 1.5 Zinsen fest auf 10 Jahre?? Dann wäre der Referenzzinssatz disskusionslos tief und der Staat würde endlich mal was für die Bürger tun! Man sieht ja, dass 1.5% Zins null Problem sind. Der Staat rettet immer wieder den "Kapitalismus" und die Banken, die Notenbanken schaufeln Milliarden ins System. Da wäre es allen gedient, wenn der Staat SEINEN Bürgern billig Hypothekarkredite geben würde. Allen? Ohje, die Banken hätten etwas weniger Gewinn...Schade:)

  • ferdi am 01.06.2011 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    das system krankt

    stimmt...und die quartierübliche durchschnittsmiete schiesst durch die einwanderung und die knappen wohnungen in die höhe - das system ist sowieso völlig perfide... die mieten steigen kontinuierlich, dagegen wehren kann man sich aber nur wenn die eigene miete über dem quartiersdurchschnitt liegt, das geht aber nicht weil natürlich alle mieten steigen...

    • megge am 01.06.2011 13:43 Report Diesen Beitrag melden

      Referenzzinssatz

      Und wer hat dieses neue System mit dem Refernzzinssatz verursacht? Der Mieterverband und die linken Politiker, die dauernd Vorstösse machten wegen angeblich zu hoher Mietzinsen!

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  • Beat Blaser am 01.06.2011 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Bund ohne Strategie

    Der Bund sollte das Thema endlich mal angehen! Es ist längst bekannt, dass vor allem grosse Immobilienverwaltungen gesetzlichen Lücken ausnutzen. Einerseits will man Wohneigentum bremsen (Immobilienblase) anderseits schaut man dem Treiben tatenlos zu, wie Mieter immer mehr über den Tisch gezogen werden.

  • Heni am 01.06.2011 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Unvollständige Information

    Das ist eh ein Witz, das berechtigt noch lange keine Mietzinsreduktion, wie ich aus eigener Erfahrung lernen musste: massgeblich ist die quartierübliche Durchschnittsmiete. Ich bezahlte noch 4% Zins, die Wohnung war trotzdem günstiger oder gleich teuer wie in anderen Liegenschaften rundherum. Somit sei kein Missbrauch nachzuweisen. Ende der Durchsage. Hier sollten die Konsumentenverbände (und Medien!!!) schon besser informieren, damit nicht wieder alle (mich eingeschlossen) hysterisch werden und die Schlichtungsstellen überrennen, was wir dann wieder mit unseren Steuern bezahlen müssen.

    • shaki am 01.06.2011 12:27 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig

      Richtig! Da ich im Immobiliensektor tätig bin, erreichen mich ständig solche Anfragen. Die meisten beachten jedoch auch nicht, dass Teuerung und Landesindex ebenfalls angepasst werden und somit sogar eine Mietzinserhöhung die Folge einer solchen Forderung sein kann! Also vorher kurz nachrechnen, kann man im Internet.

    • jon whane am 03.06.2011 02:01 Report Diesen Beitrag melden

      Raffgierig wie Traurig

      Der Bund passt nicht mehr ins Konzept des Schweizer Bürgers hinein.

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