Schwarzes Gold

24. Februar 2011 14:33; Akt: 09.03.2011 15:32 Print

Kein Gaddafi-Öl mehr im Handel

Der Boykott von EU und USA gegen das Gaddafi-Regime wirkt. International wird kein libysches Öl mehr gehandelt. Trotz der Beschränkung hat sich der Ölpreis leicht entspannt.

Die Entwicklung des Ölpreises seit 1998.

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Nach Angaben von Rohstoffhändlern ist das Geschäft mit libyschem Öl zum Erliegen gekommen. Grund dafür sind die Sanktionen der EU und der USA: Nun weigern sich die Banken, Geld in das Reich Gadaffis zu transferieren. Man wolle das System in Libyen nicht finanzieren, daher erhalte im Moment niemand Geld für Öl, verlautete aus Branchenkreisen.

Einen Beitrag für den Zusammenbruch des Ölhandels mit Libyen leisteten auch US-Ölkonzerne, die entschieden, den Handel mit Gaddafi einzustellen. Laut «spiegelonline» kauften aus Europa vor allem die italienischen Konzerne Eni, ERG und Saras Öl aus dem derzeit von Unruhen durchgeschüttelten Staat. Man habe keine Wahl, denn es gebe ein Embargo für Dollar-Zahlungen nach und von Libyen. Alle Überweisungen in US-Dollar seien blockiert, meldeten Händler.

Fördermenge halbiert

Seit dem Aufflammen der Proteste in Libyen ist die geförderte Ölmenge massiv zurückgegangen. Wegen der unsicheren Lage haben zahlreiche internationale Konzerne ihre Mitarbeiter abgezogen und die Produktion eingestellt. Expertenschätzungen gehen davon aus, dass die Förderkapazität von 1,6 Millionen Barrel Öl pro Tag nur noch zur Hälfte ausgeschöpft wird.

Trotz des auf den ersten Blick verknappten Angebots sind die Ölpreise aber nicht weiter gestiegen. Der Grund: Die Organisation erdölexportierender Länder Opec will über eine Ausweitung der Produktionsmenge verhandeln. «Wir beraten über eine mögliche Erhöhung der Fördermenge», sagte Kuwaits Ölminister Scheich Ahmad al-Abdullah al- Sabah der Nachrichtenagentur Reuters. Mehrere Opec-Staaten zeigten sich zudem überzeugt, dass die Ölpreisexplosion wegen der Proteste in der arabischen Welt lediglich psychologisch bedingt sei. Grundsätzlich werde genügend Öl gefördert, so die unter den Opec-Staaten verbreitete Meinung.

Der Preis für ein Barrel Rohöl (159 Liter) der Sorte WTI bewegte sich im Verlauf vom Mittwoch um die Marke von 104.80 Dollar, nachdem er zum Jahreshoch am 7. März 106.94 Dollar betragen hatte. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der für Europa wichtigsten Ölsorte Brent: Hier kostet ein Barrel derzeit rund 113.40 Dollar. Zum teuersten Zeitpunkt im laufenden Jahr (24. Feb.) stieg der Preis für ein Fass der Sorte Brent auf 119.79 Dollar.

(sas)