Teuerung

10. Februar 2011 09:19; Akt: 10.02.2011 15:13 Print

Keine Inflationsgefahr in Sicht

von Balz Bruppacher - Im Unterschied zum Ausland gibt es in der Schweiz nach wie vor keine Anzeichen für ein Wiederaufflammen der Inflation. Im Januar liess vor allem der Ausverkauf die Preise purzeln.

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Aufhorchen liess die Nachricht, dass die Jahresteuerung im Euroraum im Januar auf 2,4 Prozent gestiegen ist. Sie nährte Spekulationen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) möglicherweise früher als erwartet die Zinsen erhöhen wird. Die Diskussionen über eine Rückkehr der Inflation haben auch in der Schweiz Auftrieb erhalten, seit der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse Anfang Dezember letzten Jahres in einem Thesenpapier den Finger die lockere Geldpolitik der Nationalbank und die damit verbundene Inflationsgefahr gelegt hat.

Zumindest vorläufig sprechen die Zahlen aber eine andere Sprache. Die vom Bundesamt für Statistik (BFS) errechnete Jahresteuerungsrate sank im Januar trotz der leichten Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 0,3 Prozent, verglichen mit 0,5 Prozent im Dezember und 1,0 Prozent vor einem Jahr. Im Monatsvergleich ging das Teuerungsbarometer um 0,4 Prozent zurück. Auch die sogenannte Kerninflation, die saisonale Preisbewegungen bei Nahrungsmitteln sowie Veränderungen von Energie- und Treibstoffpreisen ausklammert, lässt keinerlei Teuerungsdruck erkennen. Die Jahresrate der Kerninflation sank im Januar auf den Nullpunkt, gegenüber 0,1 Prozent im Dezember.

Der Blick auf die einzelnen Positionen des Teuerungsindex macht deutlich, dass vor allem der Ausverkauf im Januar auf das Preisniveau drückte. Die Indexgruppe Bekleidung und Schuhe ging um gut zehn Prozent zurück. Hinzu kamen fünf Prozent (im Vorjahresvergleich zehn Prozent) billigere Pauschalreisen. Die preisdämpfenden Folgen des starken Frankens wurden im Januar auch bei den Importpreisen deutlicher sichtbar. Diese sanken innert Monatsfrist um 1,9 Prozent und gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Prozent.

Im Falle von Benzin und Heizöl wurden die Effekte des starken Frankens aber durch die gestiegenen Rohölpreise überkompensiert. Der Benzinpreis stieg um gut ein Prozent, jener für Heizöl um knapp drei Prozent. Deutlich aufgeschlagen hat die Hotellerie, deren Tarife sich um neun Prozent verteuerten. Strom wurde fast vier Prozent teurer.

Teuerung wird tendenziell steigen

Wie komfortabel die Preissituation in der Schweiz zurzeit ist, macht die Teuerungsdifferenz zum Euroraum deutlich. Sie überstieg im Januar 200 Basispunkte – ein Wert der laut dem UBS-Ökonomen Reto Hünerwadel in den letzten 20 Jahren nur zwei Mal erreicht worden war. In ihrem jüngsten Konjunktur-Ausblick geht die UBS aber davon aus, dass die teuerungsdämpfende Wirkung des Frankens im Laufe dieses Jahres wegfallen wird. Steigende Rohstoffpreise und eine boomende Binnenkonjunktur dürften deshalb für eine tendenziell steigende Teuerung sorgen.

Die als Grenze für die Preisstabilität geltende Marke von zwei Prozent könnte 2012 erreicht werden. Die UBS-Ökonomen rechnen deshalb damit, dass die Nationalbank den Leitzins im kommenden Juni erhöhen wird. Die Ökonomen der Credit Suisse hatten Ende Januar ihre Erwartungen auf eine Leitzinserhöhung der Nationalbank hingegen nach hinten verschoben und einen solchen Schritt nicht vor Ende dieses Jahres in Aussicht gestellt.

Der Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds, Daniel Lampart, hält auch die Inflationsbefürchtungen in der EU für übertrieben. Inflationsängste seien Gift für die Konjunktur, schrieb er diese Woche in seinem Blog und warnte vor den Folgen einer Zinserhöhung der EZB. Denn die EU befinde sich nach wie vor in einer Rezession. Der Preisanstieg sei vor allem eine Folge von Mehrwertsteuererhöhungen und dem gestiegenen Ölpreis.