Verena Bahlsen

15. Mai 2019 13:50; Akt: 15.05.2019 13:50 Print

Millionenerbin verharmlost Zwangsarbeit der Nazis

Die Erbin der Leibniz-Kekse äusserte sich über Zwangsarbeit, mit der die Kekse während der Nazizeit hergestellt wurden. Dabei fehlte es ihr an Feinfühligkeit.

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Verena Bahlsen ist Start-up-Gründerin und Millionenerbin des Keks-Unternehmens Leibniz. Vergangene Woche sprach sie an der Digital-Konferenz Online Marketing Rockstar (OMR) in Hamburg. Auf eine kritische Diskussion auf dem Podium war die 25-Jährige vorbereitet, auf den Twitter-Shitstorm, der ihr nach ihrer Rede entgegengebracht wurde, wahrscheinlich eher nicht.

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Problematisch erschien vielen Zuschauern folgende Aussage: «Ich bin Kapitalistin. Mir gehört ein Viertel von Bahlsen und da freue ich mich auch drüber. Es soll mir auch weiterhin gehören. Ich will Geld verdienen und mir Segeljachten kaufen von meiner Dividende und so was.»

Was Bahlsen mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen ironisch fallen liess, stiess der Twitter-Gemeinde übel auf.

Erinnerung an Zwangsarbeit

Zahlreiche Kritiker kommentierten, ob sie vergessen habe, dass ihr Erbe grösstenteils auf Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus zurückzuführen sei. Ihre Aussage sei daher äusserst problematisch.

In der Folge hätte Bahlsen wohl darauf hinweisen können, dass sie persönlich nicht für die Unternehmensgeschichte von vor 70 Jahren verantwortlich ist, sie wählte allerdings einen anderen Weg.

In der «Bild»-Zeitung liess sie sich wie folgt zitieren: «Das war vor meiner Zeit, und wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt.» Daher sei es nicht in Ordnung, ihren Vortrag mit der Zwangsarbeit in Verbindung zu bringen.

Auch darauf reagierte die Twitter-Gemeinde mit Verärgerung. Sie solle doch selbst einmal den Alltag eines Zwangsarbeiters erfahren, heisst es dort. Andere schreiben von ihrer «krassen Ignoranz» und betonen, dass sie Nachhilfe benötige.

Dabei waren Bahlsens Absichten an der OMR eigentlich löblich. Mit Weltverbessern könne man langfristig mehr Geld verdienen, als sie aus ihrem Erbe bekomme, sagte sie beispielsweise. Ausserdem habe sie kein Interesse an Wirtschaft, wenn diese nicht ein Vehikel sei, um «die Gesellschaft nach vorne zu bringen».

(doz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Delta am 15.05.2019 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Neider?

    Mir scheint, es wird da mal wieder etwas überreagiert, vor allem von Seiten der Neider. Vermutlich könnte man die Grossindustrie von halb Europa in die Pflicht nehmen, bezüglich der Zwangsarbeit, doch fragt man sich wirklich, ob den die heutigen Generationen ständig für die Fehler ihrer Vorfahren gerade stehen müssen. Das scheint mir etwas billig.

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  • Janosh am 15.05.2019 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist ja logisch

    Dieses wohlbehütete Keksgesicht hat die Leiden und das Elend des Krieges nicht mitbekommen. Trotzdem müsste sie ja die Geschichte von der Schule und den Eltern kennen und sich entsprechend dezent dazu verhalten.

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  • Milance17 am 15.05.2019 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopfschütteln

    Alles nur mimi auf der ganzen welt. Diese politische korrektheit führt uns ins verderben den die rochtigen werte gehen verloren. Ich meine dies in der allgemeinheit und nicht nur auf diesen artikel. Ist doch klar das sie nichts dafür kann was im ww2 passiert ist. Ist doch logisch aber nein der mensch viel halt nur mimimi rufen das ist die zukunft.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beatrice Egli Ultra am 16.05.2019 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viele kümmerliche Neider

    Ach herrje was für Menschen seit ihr? Das Thema Zwangsarbeit hat nicht sie angesprochen und sie hat ja auch nicht gesagt das es gut war. Sie war ehrlich und hat gesagt dass sie Geld verdient und das weiterhin tuen will. Und es auch ausgeben will nichts schlimmes. Leute die Aussagen von anderen akribisch auseinander nehmen um ihren Neid hinter so etwas oder so einem Gender Blödsinn zu verbergen gehen mir auf die Nüsse.

  • Lilly Wolf am 16.05.2019 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kekse

    Warum lassen wir Vergangenheit nicht in Ruhe? Wir haben so viele eigene Problemen auf ganzem Welt . Es lässt sich nichts ändern , weil Menschheit hat immer noch nicht viel davon gelernt oder angewandt ! Wen man alles zusammen zählt was auf Erde geschieht ist fast schlimmer weder jede krieg davor . Habe grosses bedauern und Mitgefühl mit Hinterbliebenen . Nur kann ich sagen, am verstorbenen ( ruhet in Frieden)

  • Melodie am 16.05.2019 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Kapitalismus

    Der Kapitalismus muss sich reformieren. Und zwar solange noch zeit ist!

  • Dumby am 16.05.2019 16:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit Neid Keule Hauptthema erschlagen

    Mir fällt bei sehr vielen Kommentaren auf, dass der Schwerpunkt auf Erben und Neid Unterstellungen liegt. Erschreckend dass dies inhaltlich einem respektvollen Umgang mit sensiblen Themen vorgezogen wird..

  • Dumby am 16.05.2019 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soziale Kompetenzen- ein Fremdwort

    Es gäbe da noch eine Balance im Verhalten anstatt einen auf: "Mir doch egal was früher war" machen Logisch kann man die Vergangenheit nicht ändern, aber man kann durchaus etwas respektvoller mit solchen sensiblen Hintergründen umgehen. Aber soziale Kompetenz steht nicht im Lehrplan von Kader Schmieden..