Analyse

13. Februar 2013 19:04; Akt: 14.02.2013 10:23 Print

Kengeter kassiert Bonus und kündigt

von Lukas Hässig - Seit Herbst war klar, dass der ehemalige Kronprinz Carsten Kengeter bei der UBS nur noch zweite Wahl ist. Jetzt, da die Boni ausbezahlt werden, geht der Ex-Investmentbankchef von Bord.

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Der deutsche Top-Manager Carsten Kengeter gehörte zu den UBS-Spitzenverdienern. (Bild: Keystone)

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Carsten Kengeter war der Zögling von Oswald Grübel. Für den «Grand old man» der UBS wäre der deutsche Investmentbanker der ideale Nachfolger gewesen.

Nun ist Kengeter weg. Er verlässt die UBS mit unbekanntem Ziel. Gemunkelt wird, dass der Deutsche, der als Mitvierziger noch zu jung fürs Privatisieren ist, bei einem Hedgefund anheuern könnte.

Ein letzter Bonus

Der Zeitpunkt ist gut gewählt. In diesen Wochen wird den Kaderleuten der Bank der Bonus fürs Jahr 2012 überwiesen. Kengeter könnte nochmals Kasse machen. Schon zuvor war er oft der bestbezahlte UBS-Manager. In seinen ersten zwei Jahren heimste er insgesamt über 20 Millionen Franken ein.

Das ändert nichts daran, dass Kengeter als Verlierer abtritt. Seine Karriere als UBS-Topshot ging bereits vor einiger Zeit zu Ende. Genau gesagt am 15. September 2011. An jenem Tag wurde bekannt, dass ein Junior-Händler namens Kweku Adoboli der Grossbank über zwei Milliarden Dollar Verluste beschert hatte. Als Chef der Investmentbank fiel Kengeter die oberste Verantwortung zu für ein Debakel, das die Schweizer in ihrem Bemühen um eine Imagekorrektur um Jahre zurückwarf.

Seit dem historischen Moment hatte Investmentbanker Kengeter, der 2008 von Goldman Sachs zur UBS gestossen war und bei den Schweizern rasch nach oben gestossen war, keine Aussicht mehr auf den CEO-Stuhl. Doch zur Überraschung vieler konnte sich Kengeter vorerst als Chef der Division Investmentbank halten.

Grübels nicht so heldenhafter Abgang

Das hatte er seinem Mentor Grübel zu verdanken. Der erkannte im Adoboli-Verlust die letzte Chance, als Held von Bord zu gehen. Scheinbar uneigennützig nahm Grübel die Schuld des Milliardenlochs auf sich und legte sein Amt nieder. Insider wussten schon damals, dass Grübel mit seinem Latein für eine neue UBS am Ende war und die Bank nicht mehr weiterbringen konnte.

Weil Grübel weg war, durfte Kengeter bleiben. Doch er war nur noch eine «Lame duck», ein Top-Manager ohne Saft und Kraft. Die UBS war froh, dass ein interner Profi die Adoboli-Positionen auflöste und weitere Risiken reduzierte. Dafür war Kengeter gut genug.

Glänzen durfte aber nicht mehr der einstige Shootingstar, sondern der Italiener Andrea Orcel, ein Kollege aus früheren Zeiten des neuen UBS-Konzernchefs Sergio Ermotti. Der Tessiner stellte Orcel dem Deutschen Kengeter im Frühling 2012 als Co-Leiter Investmentbank zur Seite. Von da an galt Orcel als starker Mann des angelsächsisch geprägten Teils der Schweizer Bank.

Kengeter-Nachfolger kennt das Problem der Altlasten

Mit dem strategischen Schritt, die Investmentbank zu zerlegen und zurechtzustutzen, ging die Ära Kengeter letzten Herbst endgültig zu Ende. Nebenbuhler Orcel wurde alleiniger Chef der übrig bleibenden Investmentbank, Kengeter musste sich um jene Geschäfte kümmern, welche die UBS nicht mehr länger betreiben wollte. Dabei handelte es sich insbesondere um Zinspapiere, die der Bank in der grossen Finanzkrise von 2008 fast das Genick gebrochen hatten.

Bonus-Mann Kengeter war zum Abwrackmanager geworden. Dagegen wehren konnte er sich nicht, seine Macht nach dem Adoboli-Crash war zerbröckelt. Da er kein anderes Angebot in der Tasche hatte, liess er sich nichts anmerken und schickte sich scheinbar uneigennützig in sein Schicksal.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kathrin Maeder am 14.02.2013 06:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja für Minder

    Liebe Leute Und die Minder-Gegner wollen uns Angst machen mit Jobverluste. Ich glaube eher, dass unsere Jobs durch solche Typen gefärdet sind! Also JA für Minder!

  • antispringer am 14.02.2013 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Goldman Sachs

    gibt es eigentlich nocb irgendeinen topbänker / finanzminister in europa welcher nicht bei dieser bank grossgeworden ist?

  • King of Brugg am 13.02.2013 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Was heisst hier "verlässt"...

    ... komplettes Versagen des obersten Mangements. So jemand darf eine anständige Firma nicht "verlassen" sondern sollte schon längst "gefeuert" sein !

Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Leser am 14.02.2013 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Schade :-(

    Da gibt es leider nur ein Wort dafür: skandalös und absolut unmoralisch !!!

  • Kathrin Maeder am 14.02.2013 06:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja für Minder

    Liebe Leute Und die Minder-Gegner wollen uns Angst machen mit Jobverluste. Ich glaube eher, dass unsere Jobs durch solche Typen gefärdet sind! Also JA für Minder!

  • antispringer am 14.02.2013 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Goldman Sachs

    gibt es eigentlich nocb irgendeinen topbänker / finanzminister in europa welcher nicht bei dieser bank grossgeworden ist?

  • Otto Messerli am 14.02.2013 05:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so wie gehabt

    Diese Story geht weiter.....

  • Urs L. am 13.02.2013 23:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bonus?

    UBS hatte doch Verlust? Woher kommt dann das Recht auf Bonus? Malus waere angebracht. Wieder ein Grund für ein fettes Ja zur Minder Initiative