Sensoren am HB Zürich

18. Dezember 2016 10:38; Akt: 18.12.2016 21:48 Print

Kiosk-Kunden werden via Wi-Fi ausspioniert

Der Kioskkonzern Valora hat seine Filialen am Zürcher Hauptbahnhof mit Sensoren ausgerüstet. Diese greifen auf die Smartphones der Kunden zu und verfolgen deren Wege.

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Was kauft diese Kundin und was macht sie danach? Kiosk im Bahnhof Bern. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

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Wohin geht die Passantin im Zürcher Hauptbahnhof, nachdem sie sich einen Cappuccino gekauft hat? Dafür interessiert sich Valora. Die Firma aus Muttenz mit einem Umsatz von 2 Milliarden Franken ist eine neue Partnerschaft mit dem Berliner Start-up-Unternehmen Minodes eingegangen. Dadurch sollen Wege der Kundschaft erkannt und Profit daraus geschlagen werden, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet.

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Insgesamt 15850 Teilnehmer

Am Zürcher Hauptbahnhof läuft derzeit ein Pilotprojekt. «Wir haben unsere Geschäfte mit Sensoren von Minodes ausgerüstet», sagt Cyril Dorsaz, der für Valora als Digital Innovation Manager arbeitet. Der Pilot mit Minodes bei den Valora-Formaten k Kiosk, Caffè Spettacolo, Brezelkönig und Press & Books funktioniert so: Die Sensoren können die Smartphones der Kunden ausfindig machen, sofern die Wi-Fi-Option aktiviert ist. «So sehen wir, ob der Kunde nach dem Kaffeekauf im Spettacolo auch noch einen Brezelkönig besucht und wie treu er uns ist», sagt Dorsaz.

Brezel-Rabatte aufs Handy

Die Resultate können einerseits für die Platzierung einer neuen Filiale, Öffnungszeitenoptimierungen und den Personaleinsatz relevant sein, aber auch für das Marketing. «Langfristig möchten wir den Kunden in der Filiale einen Rabatt für die Brezel aufs Handy schicken und so zusätzlichen Umsatz generieren», sagt Dorsaz in der «Schweiz am Sonntag». Mit der heute eingesetzten Technologie sei dies noch nicht möglich.

Für Martin Steiger, Rechtsanwalt und Sprecher der Digitalen Gesellschaft, kann die Datensammlung von Valora problematisch sein. «Sobald personenbezogene Daten erhoben werden, fordern wir eine Einwilligung der Betroffenen.» Da das Ziel bei solchen Personentracking-Diensten letztlich sei, zielgerichtete Werbung auf die Smartphones zu schicken, müsse davon ausgegangen werden, dass die Tracking-Daten in Zukunft mit den Smartphone-Nutzern verknüpft würden. «Denn nur so kann personalisierte Werbung funktionieren.»

Kritiker fordern Hinweisschilder und Infomaterial

Steiger geht davon aus, dass in der Pilotphase die Nutzer informiert werden müssen, zum Beispiel mit gut sichtbaren Hinweisschildern und Informationsmaterial vor Ort. «Im Zweifelsfall muss der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte bei solchen Datensammlungen mit Wi-Fi-Sensoren genau hinschauen», sagt Steiger.

Die Handydaten würden vollkommen anonym ausgewertet, und die Besitzer seien Valora nicht bekannt, betont der Kioskriese. «Wir sammeln aber wertvolle Informationen über das Verhalten unserer Kunden, um so in einem nächsten Schritt möglichst relevante Apps zu entwickeln», so Dorsaz.

Valora betont in einer separat verschickten Stellungnahme, dass die «installierten Sensoren nicht auf das Smartphone zugreifen. Es werden lediglich die technischen Daten aggregiert, welche die Smartphones freiwillig gesendet haben.» Das betreffe die üblichen Funktionen eines normalen Wi-Fi-Routers, heisst es weiter. Die Daten würden allesamt anonymisiert.

(chi/pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schneidewind am 18.12.2016 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geier im Anflug

    Vor lauter Profitgier geht jeder Anstand verloren.

  • ChrisT am 18.12.2016 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind inzwischen alle so verblödet, dass

    wir wirklich jedem unsere Daten geben! Und wir bezahlen sogar dafür! Wie blöd muss muss man denn sein ?

  • neoplay am 18.12.2016 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der gläserne Kunde

    Der gläserne Kunde. Das ist der Preis, den wir für die tollen Technologie-Fortschritte bezahlen. Meckern bringt nichts, jeder kann selbst entscheiden, wie viel Technologie er nutzt und was er preisgibt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sepp am 19.12.2016 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach.

    In den Einstellungen die Ortungsdienste und WIFI deaktivieren wenn man es nicht braucht.

  • Slonik69 am 19.12.2016 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sag ich Freiwillig 

    Ich sage euch Freiwillig was ich nach dem Kiosk mache: Anstatt eine Mineralflasche im Kiosk a 4.80 zu kaufen gehe ich in den Coop oder Migros und kaufe das gleiche a -.80-1.10 die Flasche!

  • felm am 19.12.2016 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Take it easy... es funktioniert nicht wirklich

    Lasst euch nicht davon stressen... es funktioniert sowieso nicht wirklich zuverlässig... das ist eine Wunschvorstellung von alle WiFi-Anbieter welche die Einkaufsketten mit günstig realisierbaren Lösungen blenden. Leider ist die Positionsbestimmung in einem Laden recht ungenau und die möglichen Aussagen nur eine Tendenz darstellen und nicht genaue Analysen ermöglicht.

  • Gwynbleidd01 am 19.12.2016 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Antwort fehlt

    Bei der Umfrage fehlt noch die Antwort: Nein, mir geht Werbung eh schon auf den Keks! Mir ist es ehrlich gesagt herzlich egal ob Migros, Coop oder Valora wissen wann und wo ich wie viele Gipfeli kaufe. Die Werbung, die nervt mich! Aber wenn schon Werbung sein muss, dann wenigstens personalisierte. So wie bei der Cumulus App, wo man 1x wöchentlich die neusten Aktionen bekommt, das ist i.O. Aber die ganzen Onlineshops, welche trotz deaktiviertem Newsletter teilweise täglich mehrere Werbemails raushauen, die nerven mich brutal! Oder die Fullscreen Werbeanzeugen hier in der 20min App!

  • Martial2 am 18.12.2016 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht besser ohne...

    Mein Handy bleibt im Auto oder zuhause. Ich bin nicht Sklave von diesen Geräte...!