Kampf im Detailhandel

27. Juli 2019 21:03; Akt: 31.07.2019 09:56 Print

Darum sterben die Lädeli in der Stadt nicht aus

von M. Weingartner - Der Online-Handel vertreibt grosse Geschäfte aus den Städten. Nun sind es die begehrten kleinen Lädeli, die vor Ort die Stellung halten können.

«Der Online-Handel ist keine direkte Bedrohung.» (Video: 20Min)
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Portale wie Amazon, Zalando und Co. staffieren die Schweizer mit der neusten Mode aus und versorgen sie zu Hause mit allerhand Gadgets. Während grosse Ketten wie H&M und Tally Weijl wegen dieser Web-Konkurrenz zunehmend den Rückzug aus den Städten planen, halten viele kleine Läden weiterhin eisern Stellung.

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Den harten Kampf um Kunden sind sich die privaten Detailhändler schliesslich seit langem gewohnt. Doch nicht nur das: Inhabergeführte Geschäfte unterscheiden sich stärker von den Online-Angeboten als grosse Ketten.

«Leicht austauschbare Produkte, deren Kauf keinerlei Beratung verlangt, werden höchstwahrscheinlich weiterhin im Wettbewerb mit dem Onlinehandel und ausländischen Anbietern stehen», sagt Tiziana Hunziker, Ökonomin der Credit Suisse. Anders sei dies bei kleinen Lädeli. «Das Konzept eines kleinen Spezialgeschäfts mit einem individuellen Angebot, einer persönlichen Beratungsleistung und vielleicht sogar erlebnisorientierten Elementen kann die Bedürfnisse gewisser Kundengruppen befriedigen», sagt Hunziker.

Anders als die Masse shoppen

Ein Besuch im Zürcher Niederdorf mit seinen vielen lokalen Geschäften unterstreicht diese Einschätzung. «Ob man jetzt bei Zalando einkauft oder bei H&M im Geschäft, macht keinen Unterschied. Ausser, dass ich die Ware von Zalando direkt zugeschickt bekomme», sagt eine Frau auf Shoppingtour zu 20 Minuten. «Gehe ich aber hier in ein kleines Geschäft, finde ich etwas Individuelles – etwas, was sich klar von all den Massenprodukten abhebt.» Da lohne sich der Gang ins Geschäft.

Diese Haltung beobachtet Patrick Röösli, Mitinhaber von Circle, einem Geschäft mit nachhaltigen Kleidern und Accessoires, tagtäglich: «Zu uns kommen Kunden, die den Massenkonsum satthaben.» Das sei ein Glück: «Dank unserem Nischenangebot können wir uns von den globalen Ketten und somit auch von den Internet-Riesen abheben», meint Röösli.

Weil Stöbern doch noch Spass macht

Auch George Koutrios, der in seinem Zürcher Geschäft stylische Velos, Trinkflaschen mit Avocado-Print oder etwa schlichte Ledersandalen aus Spanien anbietet, hat keine Zukunftsängste: «Seit zwei Jahren läuft das Geschäft sehr gut – dies, weil wir uns stets weiterentwickelt und angepasst haben.» Den Online-Handel sieht er denn auch nicht als direkte Bedrohung: «Wir haben die Möglichkeit, die Ware im Geschäft zu präsentieren, uns schnell an die aktuellen Trends anzupassen und unseren Kunden ein Erlebnis zu bieten», erklärt der Detailhändler. Während für ihn klar ist, wieso grosse Ketten ins Internet flüchten, ist für ihn der Online-Handel kein Thema: «Den Leuten gefällt es, hier bei uns im Laden zu stöbern.»

Nicht vom Aussterben bedroht

Doch ein Zuckerschlecken sei es nicht, meint eine Händlerin aus einem benachbarten Schmuckgeschäft, das am Schaufenster mit «auserlesenen Stücken» für sich wirbt. «Wir können nur bestehen, solange wir individuell, ausgefallen und attraktiv sind», sagt sie.

Dass der Überlebenskampf für die kleinen Detailhändler weiterhin hart bleiben wird, unterstreicht die Direktorin der Stadtentwicklung Zürich, Anna Schindler. «Doch wer ein Nischengeschäft geschickt betreibt, hat bestimmt keine schlechten Chancen im stationären Handel.» Es brauche hierzu neue, stets der Zeit und Situation angepasste Ladenkonzepte. Diverse Zukunftsszenarien, die Schindler entwickelt hat, zeigen: «Wir werden auch künftig individuelle Geschäfte in der Innenstadt und in den Stadtzentren haben, die kleinen Läden sterben nicht aus.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anja am 27.07.2019 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    doch

    Doch die sterben aus. Nämlich wegen der katastrophalen Parkplatzsituation in den Städten. Dank den Linken und Grünen!

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  • USP am 27.07.2019 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heuchlerei sondergleichen

    H& M Tally und Co. wollen nur Gewinnmaximierung, für diese Ketten sind die Verkäuferinnen auch zu teuer, wenn sie gratis arbeiten würden. Scheinheiliges Getue!

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  • Ladenbesitzer SG am 28.07.2019 03:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn, Lädelisterben geht weiter...

    Keine Parkplätze und massiv überteuerte Mieten! Ich habe selber seit rund 10 Jahren einen Laden in der Stadt St. Gallen und weiss von was ich rede. Wir werden den Laden im Februar 2021 aufgrund viel zu hoher Miete schliessen. Platz für ein Kebab Laden mehr:-) Liebe freischaffende Reporter, recherchiert bitte richtig und hört mal endlich auf Schwachsinn zu schreiben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ich liebe Lädele mit einer Freundin am 28.07.2019 19:53 Report Diesen Beitrag melden

    mag nicht online shoppen

    Ware bestellen, warten, auspacken, unzufrieden wieder einpacken und zurück senden - nein danke. Ich möchte die Ware ansehen, fühlen und probieren.

  • Eidgenosse am 28.07.2019 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    CÖPPLER

    Wie gerne würde ich am morgen früh,bevor ich arbeiten gehen darf die Breaking News lesen: Detailhändler COOP ändert zugunsten Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Ladenöffnungszeiten

  • Unwichtiger Kunde, CHler am 28.07.2019 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Fremde Fötzel nicht willkommen

    Eine grössere Anzahl einheimischer Geschäfte wäre natürlich sehr begrüssenswert.Leider aber musste ich immer wieder feststellen, dass gerade lokale Geschäfte Kunden,die nicht "Eingeborene" sind, nur als Zweitklasskunden betrachten.Habe es auch schon erlebt, dass ich demonstrativ ignoriert wurde,obwohl kaum ein Kunde im Geschäft war.Ich weiss mich zu benehmen und war sicher nicht unfreundlich, "roch" aber offenbar nicht einheimisch genug oder nicht wichtig genug.Mehrmals habe ich es erlebt, dass genau diese Geschäfte einige Zeit später schliessen mussten.Manche brauchen halt die Kunden nicht...

    • fred@züri am 28.07.2019 23:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Unwichtiger Kunde, CHler

      Unglaublich wass da jemand schreibt! Oder besser gesagt schwafelt. Zuviel von "etwas" konsumiert vielleicht beim einkaufen?

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  • Winti am 28.07.2019 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Seltsamer Bericht

    Sorry aber bei mir daheim in Winterthur IST die Altstadt am aussterben. "Lädeli" können sich die horrenden Mieten in der Kern-Zone gar nicht mehr leisten. Ersetzt werden sie, wenn überhaupt, mit 08-15 Lumpen-Läden. Überall derselbe Mist von denselben Kleiderketten. Kein Charme .. keine Individualität .. kein Leben mehr.

    • Laborant am 28.07.2019 15:43 Report Diesen Beitrag melden

      Steinberggasse?

      Also an der Steinberggasse ist die Welt meines Erachtens noch in Ordnung. Liegt aber auch daran, dass die Geschäfte in Stefanini-Bruchbuden sind und deswegen keine hohen Mieten verlangt werden können. Wo sonst findet man noch ein Geschäft welches nur Hüte verkauft?

    • Winterthurer Kunden(un)freundlichkeit am 28.07.2019 17:51 Report Diesen Beitrag melden

      @Winti

      In nicht wenigen Winti-Geschäften wird man als nicht Einheimischer sehr ungern und unfreundlich bedient. Solchen Geschäften mag ich die Schliessung von Herzen gönnen. Denn sie haben offensichtlich etwas falsch gemacht. (Wobei ich nicht sagen will, dass alle Schliessungen selbstverschuldet seien, denn der Markt ist sicher härter geworden.) Zu jedem Kunden, unabhängig von der Herkunft, anständig zu sein, liegt halt nicht jedem. Manche sollten sich z.B. von der Migros etwas abschauen, da klappt es mit der Freundlichkeit im Grossen und Ganzen vorbildlich.

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  • cuberick am 28.07.2019 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    "Lädeli"

    Ja sicher, als ob ich dann für eine Cola 6 CHF zahle. Oder für eine normale Jeans dann 99 CHF. Zudem gibt es in der Stadt auch immer mehr solche Alternativ-Linken-Vegetarier-Veganer-Grassaftschlürfer-Restaurants/Bars. Da bekommt man einen Becher, den normalweise Ärzte für Urinproben gebrauchen, mit irgendwelchen gräasslichen Gemüsesäften zu richtigen Fantasiepreisen.