Neue Studie

10. April 2019 11:45; Akt: 10.04.2019 11:46 Print

E-Autos sind jetzt doch viel sauberer als Verbrenner

von R. Knecht - Der CO2-Ausstoss von Autos mit elektrischem Antrieb ist schon jetzt tiefer als bei Verbrennern – trotz der Emissionen bei Bau und Stromgewinnung.

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Ist ein strombetriebenes Fahrzeug wirklich ökologischer als eines mit Benzin- oder Dieselmotor? Schliesslich verursacht die Herstellung der Batterie und die Erzeugung des Stroms beachtliche CO2-Emissionen. Laut einer neuen Studie verursacht ein E-Auto im Normalfall weniger CO2 als ein Fahrzeug mit Benzinantrieb, nachdem es rund 60'000 Kilometer zurückgelegt hat. So sieht der Lebensweg eines E-Autos im Vergleich zu Benzinern und Dieselfahrzeugen aus. Den Dieselantrieb überholt das E-Auto in Sachen Klimabilanz ab 80'000 Leistungskilometern. In der Stadt geht es noch schneller: Dort ist das E-Auto schon ab 40'000 Kilometern effizienter als das Benzinfahrzeug. Wer in der Stadt 100'000 Kilometer mit E-Auto fährt, verursacht fast ein Drittel weniger CO2 als mit einem Benzinfahrzeug. Wer hingegen praktisch nur auf der Autobahn unterwegs ist, muss wesentlich weiter fahren, bis es sich aus Klimasicht lohnt: Ein Dieselfahrzeug verursacht in diesem Fall bis zu einer Fahrleistung von 150'000 Kilometern weniger CO2-Emissionen als ein E-Auto. Die meisten Studien gehen bei Elektroautos von einer Lebensfahrleistung zwischen 150'000 und 200'000 Kilometern aus – für reine Autobahnfahrer lohnt sich das E-Auto somit aus ökologischer Sicht nur ganz knapp. Jörg Beckmann, Geschäftsführer von Swiss eMobility, gibt jedoch zu bedenken, dass die Gesamtlebensdauer eines Autos länger als zehn Jahre und die Batterie eines Elektrofahrzeugs danach noch als lokaler Speicher im Einsatz sei. Durch diese lange Lebensdauer sei der elektrische Antrieb immer ökologischer als ein Verbrennungsmotor – unabhängig davon, ob sich die Klimabilanz nach zwei oder fünf Jahren ausgleicht. Für die Studie wurden die Emissionswerte für die Stromproduktion in Deutschland berücksichtigt. In der Schweiz dürfte es noch besser stehen, denn der Schweizer Strommix ist wesentlich sauberer. Wenn mehr E-Autos auf der Strasse unterwegs sind, könnte das schlecht für die Ökobilanz der E-Autos sein: Wie der Energie-Experte Roberto Bianchetti vom Beratungsunternehmen EBP zu 20 Minuten sagt, besteht die Gefahr, dass bei steigender Nachfrage künftig wieder vermehrt Kohlekraftwerke eingesetzt werden. Darum müsse der Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion gleichzeitig mit der Einführung der Elektromobilität stattfinden. Bei der E-Mobilität steht häufig die Stromerzeugung am Pranger. Dabei wäre es kaum nötig, Strom auf klimaschädliche Art zu erzeugen. Strom aus Sonne und Wind kann einer Studie zufolge bis 2050 fast den gesamten weltweiten Strombedarf decken. Auch wenn sich dieser bis dahin noch deutlich erhöht. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien in Verbindung mit Elektrifizierung könnten 86 Prozent des weltweiten Bedarfs gedeckt werden, heisst es in der Studie der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien.

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E-Autos stossen beim Fahren kein CO2 aus – dafür ist die Herstellung eine grössere Belastung für die Umwelt als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor. Und auch die Stromerzeugung ist nicht klimaneutral. Darum haben viele Konsumenten Zweifel, ob es wirklich sinnvoll ist, auf ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug umzusteigen. Eine neue Studie zeigt nun: Schon heute fahren Elektrofahrzeuge klimafreundlicher als vergleichbare Verbrenner.

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Die Verkäufe von Elektroautos kommen in Fahrt – wann steigen sie um?

Das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu) hat in der Studie geprüft, ab welchem Kilometerstand das E-Auto insgesamt weniger CO2 verursacht hat als ein Verbrenner. Ein Elektrofahrzeug überholt demnach den Benziner nach gut 60'000 Kilometern – beim Dieselfahrzeug sind es 80'000 Kilometer.

Fährt man 150'000 Kilometer, was etwa der Garantie eines Nissan Leaf entspricht, stösst das Elektroauto insgesamt 24 Prozent weniger CO2 aus als das Benzinfahrzeug. Der Vorteil gegenüber dem Auto mit Dieselmotor beträgt 16 Prozent.

Schweiz hat besonders sauberen Strom

Für die von der Denkfabrik Agora Verkehrswende in Auftrag gegebene Studie wurden die Emissionswerte für Deutschland berücksichtigt. In der Schweiz dürften E-Autos noch besser abschneiden, denn der Schweizer Strommix, der vor allem aus Wasser-, Solar- und Atomstrom besteht, ist wesentlich sauberer: «Solange der Mix konstant bleibt, sind Elektroautos in der Schweiz rund 30 bis 40 Prozent sauberer als in Deutschland», erklärt Christian Bach, Abteilungsleiter beim Schweizer Forschungsinstitut Empa.

Noch besser steht es um die Klimabilanz des E-Autos, wenn es vor allem in der Stadt zum Einsatz kommt, wie es in der Studie weiter heisst. Dort ist der Stromverbrauch bei einem optimal gewählten E-Auto niedriger, weil die Batterie kleiner und das Fahrzeug leichter ist.

Ein vergleichbarer Benziner hingegen verbraucht in der Stadt mehr Treibstoff als etwa auf der Autobahn. In diesem Szenario ist das E-Auto schon ab 40'000 Kilometern effizienter als das Benzinfahrzeug.

E-Motor weniger für Autobahn geeignet

Wer hingegen praktisch nur auf der Autobahn unterwegs ist, muss wesentlich weiter fahren, bis es sich aus Klimasicht lohnt: Ein Dieselfahrzeug verursacht in diesem Fall bis zu einer Fahrleistung von 150'000 Kilometern weniger CO2-Emissionen als das E-Auto.

Die meisten Studien gehen bei Elektroautos von einer Lebensfahrleistung zwischen 150'000 und 200'000 Kilometern aus – für reine Autobahnfahrer lohnt sich das E-Auto somit aus ökologischer Sicht nur ganz knapp.

E-Auto sowieso ökologischer

Jörg Beckmann, Geschäftsführer von Swiss eMobility, gibt jedoch zu bedenken, dass die Gesamtlebensdauer eines Autos mehr als zehn Jahre und die Batterie eines Elektrofahrzeugs danach noch als lokaler Speicher im Einsatz sei. Durch diese lange Lebensdauer sei der elektrische Antrieb immer ökologischer als ein Verbrennungsmotor – unabhängig davon, ob sich die Klimabilanz nach zwei oder fünf Jahren ausgleicht.

Wenn mehr E-Autos auf der Strasse unterwegs sind, könnte das schlecht für die Ökobilanz der E-Autos sein: Wie der Energie-Experte Roberto Bianchetti vom Beratungsunternehmen EBP zu 20 Minuten sagt, besteht die Gefahr, dass bei steigender Nachfrage künftig wieder vermehrt Kohlekraftwerke eingesetzt werden. Darum müsse der Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion gleichzeitig mit der Einführung der Elektromobilität stattfinden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • blabla am 10.04.2019 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    jaja..die lieben studien.

    ich denkne mein diesler ist der sauberste...wasche ihn 2x pro tag..

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  • C. Geisseler am 10.04.2019 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Die Zukunft ist Wasserstoff

    Wenn dannzumal die Fahrzeuge mit Wasserstoff betrieben werden (sind auch E-Autos) ist der Umstieg sinnvoll. Überschüssiger Strom aus Wind und Sonne erzeugt den Wasserstoff. Keine überschweren Batterien erforderlich und das Betanken erfolgt innerhalb von Minuten. Heutige Tankstellen könnten leicht umgestellt werden. Wieso diese Technik nicht massiv gefördert wird ist mir ein Rätsel.

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  • Marco C am 10.04.2019 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Studie wahrheitsgetreu?

    Und Entsorgung wurde mitgerechnet? Welche art Stromerzeugung wurde berücksichtigt? Solarzellen entsorgen sich nicht selbst.... Eine Studie die wem nützt? Ist die wirklich ernst zu nehmen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Leonie am 25.04.2019 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das ist nicht ganz korrekt

    die wahrheit will doch ein e-mobil freund e nicht hören! denn die antwort lautet schlicht: überhaupt nicht viel sauberer als die benziner und diesel fahrzeuge!! wer ernsthaft denkt, dass die herstellung eines e-fahrzeugs mit lithium-ionen-batterien und dessen hochvoltsystem weniger schädlich sei als die eines verbrenner motors, verschliesst ganz einfach die augen vor der wahrheit! fakt ist, die politik- und autoherstellerlobby halten zusammen wie pech und schwefel! zum leidwesen all jenen, die nicht auf diese lügenmärchen hereinfallen! man kann sich das natürlich auch schönreden.

    • Dä Jesus am 27.04.2019 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Leonie

      Immer noch beleidigt, weil die ifo Studie wiederlegt wurde?

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  • Wörni am 17.04.2019 04:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer kann sich dies leisten?

    Es werden sehr viele Leute kein eAuto leisten können. Sie sind in der Anschaffung sehr teuer und im Betrieb von der Stromversorgung her kompliziert.

  • Skil am 16.04.2019 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Über 4 Mio. Tonnen CO2 eingespart...

    Bitte hier mal nachlesen, wie es der fortschrittlichste Autobauer der Welt mit der Nachhaltigkeit hällt: Ich verstehe, dass es einfacher ist, ständig aus irgenwelchen Studien zu zitieren und sich herauszupicken, was zu seinem Standpunkt passt. In diesem Bericht wird nichts beschönigt sonder es werden Z(ahlen) D(aten) F(akten) geliefert.

    • Skil am 16.04.2019 13:33 Report Diesen Beitrag melden

      Link zum Bericht

      Den Link zum Bericht findet Ihr bei Tesla oder einfach über Google nach Tesla Impact Report suchen...

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  • R.Wernher am 15.04.2019 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    R.Wernher

    Wirkungsgrad viel zu schlecht, Fahrzeuge zu teuer ebenso die Service und vor allem die Tankstellen!!!Kommt bis 2050 sicher nicht!!!

    • Dä Jesus am 27.04.2019 10:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @R.Wernher

      Es würde helfen, wenn sie noch sagen würde, von was der Wirkungsgrad zu schlecht ist und welche Autos und Service zu teuer sind. Schlechter Wirkungsgrad und teure Services deuten auf Verbrenner hin, schlechtes Tannstellen Netz auf Wasserstoff und hohe Anschaffungskosten auf Elektroautos allgemein. Obwohl das doch sehr relativ ist. Meist sind es doch die, die über die "hohen" Anschaffungskosten von EVs auslassen, die selbst einen 80'000 Franken Diesel fahren. Vorallem vergessen alle immer, dass es nicht nur Tesla gibt, es gibt auch massenweise signifikant günstigere Elektroautos und wenn ein Golf schon bald 40'000 kostet, ist der schritt auch nicht mehr so gross, vorallem sind EVs nachher dafür signifikant günstiger. In den USA gibt es Erhebungen zu den totalen kosten in 5 Jahren, zu praktisch jedem Auto, welches in den USA erhältlich ist. Und da schneidet sogar das eher teure Model 3 gut 20'000$ günstiger ab, als ein von der Ausstattung her, vergleichbarer 3er BMW.

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  • Kampfsportler am 15.04.2019 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strahlend in die Zukunft

    Seit wann ist Atomstrom sauber?! Es ist die schlimmste Energiegewinnung überhaupt.