Green Friday

26. November 2019 13:56; Akt: 27.11.2019 07:46 Print

Klima-Aktivisten kämpfen gegen Black Friday

«Lasst euch nicht verführen!», schreiben die Klima-Aktivisten. Am Freitag will die Bewegung ein Zeichen gegen den Rabatttag setzen und vor Shoppingcentern «tot auf den Boden fallen».

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Die Klimastreikenden wollen gegen den Black Friday protestieren. Im Shoppingtag sehen sie zu viel «Konsumwahnsinn auf Kosten der Umwelt». Im Bild: Aktivisten überreichen der Credit Suisse einen Brief. «Händler überbieten sich an diesem Tag alljährlich mit abertausenden Top-Angeboten und wollen so Konsumentinnen und Konsumenten zum Kaufen anregen», schreiben die Klimaaktivisten. Gegen diesen «überflüssigen Konsum auf Kosten der Umwelt» wollen die Klimajugendlichen ein Zeichen setzen. An 15 Orten in der Schweiz sind Aktionen und Streiks geplant. «Green Friday statt Black Friday». Geplant sind etwa Aktionen vor Shoppingcentern, bei denen Aktivisten auf Kommando «tot auf den Boden fallen». Am Einkaufen hindern wollen die Aktivisten niemanden: «Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass man durch die Teilnahme am Black Friday die masslose Zerstörung unserer Lebensgrundlagen unterstützt», sagt Jann Kessler von der Medienarbeitsgruppe der Klimastreikenden zu 20 Minuten. Der Aktionstag vom Freitag steht laut den Aktivisten auch im Zeichen der anstehenden UNO-Weltklimakonferenz in Madrid. Zur Konferenz erwartet wird auch Greta Thunberg. Sie segelt derzeit mit einem Katamaran zurück nach Europa, nachdem die Konferenz kurzfristig von Chile nach Madrid verlegt wurde. Damit der Black Friday zum umsatzstärksten Tag wird, unternehmen die Detailhändler eine ganze Reihe von Massnahmen. Die Planung für den Black Friday beginnt für die Händler nicht erst ein paar Wochen vor dem Event. Sie kaufen bei den Herstellern im Voraus Produkte in grossen Quantitäten ein, um selber von Rabatten profitieren zu können. In den vergangenen Jahren sind bei den Händlern rund um den Black Friday immer wieder Websites zusammengebrochen, weil sie dem plötzlichen Ansturm der Schnäppchenjäger nicht gewachsen waren. Damit das nicht mehr passiert, fahren die Händler vor dem Black Friday ihre Serverkapazität hoch. Händler wie Manor, Interdiscount und Galaxus bestätigen gegenüber 20 Minuten, dass rund um den Black Friday mehr Personal im Einsatz steht. Dieses wird beispielsweise in den Lagern oder im Verkauf eingesetzt. Die Besetzung sei oft ähnlich wie an einem Samstag. Seit der Black Friday 2015 das erste Mal in der Schweiz von ein paar wenigen Händlern ausgerufen wurde, ist viel geschehen: «Heute beteiligen sich Hinz und Kunz am Black Friday: vom Coiffeursalon bis zum Schönheitsdoktor. Ohne eigene Werbung hat eine Firma nur geringe Chancen, wahrgenommen zu werden», sagt Retail-Experte Julian Zrotz von Blackfridaydeals.ch. Manche Läden und Shoppingcenter lassen ihre Türen am Black Friday länger offen. So schliesst das Shoppi Tivoli am 29. November erst um 22 Uhr statt wie sonst am Freitag um 20 Uhr. Die grosse Rabattschlacht am Black Friday steht kurz bevor. Laut Schätzungen von Blackfridaydeals.ch dürften Schweizer Händler innert 24 Stunden einen Umsatz von 450 Millionen Franken erzielen. Eigentlich gilt der Black Friday als Startschuss für das Weihnachtsgeschäft. Dieses Jahr lancierte aber bereits der Singles' Day am 11. November den Weihnachtsverkauf in der Schweiz. Firmen bieten nicht nur Deals auf typische Produkte wie Fernseher oder Kleider, sondern auch zunehmend Abos und Dienstleistungen. Sogar beim Coiffeur gibts Black-Friday-Rabatt. Die Zahl der Geschäfte, die zum Black Friday spezielle Deals machen, steigt immer weiter. Sogar Globus ist dabei, obwohl die Firma dem Black Friday gegenüber bisher eher skeptisch war. Der Anteil an Onlinekäufen am Black Friday dürfte in der Schweiz mit einem Umsatz von 95 Millionen Franken bei über 20 Prozent liegen. Konsumenten sparen auf den Black Friday hin, wie Julian Zrotz von Blackfridaydeals.ch zu 20 Minuten sagt: «Das Interesse am Black Friday ist bereits im Vorfeld riesig.» Schweizer können am Black Friday auch direkt von Rabatten in den USA profitieren: Die US-Firma Big Apple Buddy ermöglicht es Online-Shoppern, bei Händlern aus dem Heimatland des Black Friday zu bestellen. Der Black Friday ist eine US-Tradition. Inzwischen hat sich das Phänomen auch in der Schweiz etabliert. In den USA warten die Kunden oft schon um Mitternacht oder in den frühen Morgenstunden auf die Öffnung der Geschäfte, um das beste Schnäppchen zu ergattern. Teilweise harren sie dabei auch in der Kälte aus ... ... und freuen sich dann, wenn sie zum Beispiel einen günstigen Fernseher abstauben können.

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Zu viel Kommerz, zu viel Konsumwahnsinn. So sieht die Klimastreikbewegung den Black Friday. In einer Medienmitteilung der Aktivisten heisst es: «Händler überbieten sich an diesem Tag alljährlich mit abertausenden Top-Angeboten und wollen so Konsumentinnen und Konsumenten zum Kaufen anregen.» Gegen diesen «überflüssigen Konsum auf Kosten der Umwelt» wollen die Klimajugendlichen nun ein Zeichen setzen.

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An 15 Orten in der Schweiz plant die Klimabewegung Aktionen und Streiks, darunter in den Städten Zürich, Bern, Basel, Luzern und Genf. Das Motto lautet «Green Friday statt Black Friday». Geplant sind etwa Aktionen vor Shoppingcentern, bei denen Aktivisten auf Kommando «tot auf den Boden fallen», wie Jann Kessler von der Medienarbeitsgruppe der Klimastreikenden zu 20 Minuten sagt.

Am Einkaufen hindern wollen die Aktivisten niemanden: «Wir verurteilen niemanden für den Konsum. Aber wir wollen darauf aufmerksam machen, dass man durch die Teilnahme am Black Friday die masslose Zerstörung unserer Lebensgrundlagen unterstützt», so Kessler. Müsse man beim Einkaufszentrum über «tote Leute» steigen, würde das zum Nachdenken anregen.

Generationenwechsel bei Organisatoren

Die Organisatoren der Kundgebungen am Black Friday sind meist neue Aktivisten. «An vielen Orten hat eine Art Generationenwechsel stattgefunden», sagt Kessler. Viele länger aktive Aktivisten seien bereits mit den Vorbereitungen für den «Strike for Future» im Mai 2020 beschäftigt». Bei den klassischen Streiks vom kommenden Freitag erwartet Jann weniger Teilnehmende als bei früheren Kundgebungen: «Wir müssen der Politik klarmachen, dass sie beim CO2-Gesetz vorwärtsmachen muss.» Fürs Aufschieben sei keine Zeit mehr.

Auf Facebook schreibt etwa die Klimastreik-Regionalgruppe Biel von einer «Gegenbewegung zum kapitalistischen Feiertag Black Friday». «Lasst euch nicht verführen!», heisst es weiter. Geplant sei eine Aktion, um die Bevölkerung über die weltweiten Auswirkungen des Konsums zu informieren. Die Kampagne soll laut den Organisatoren den Weg zu nachhaltigerem Konsum, zum Verzicht und zur Entkommerzialisierung aufzeigen.

Greta kommt nach Madrid

Der Aktionstag steht laut den Aktivisten auch im Zeichen der anstehenden UNO-Weltklimakonferenz in Madrid. Ab dem 2. Dezember werden 25’000 Personen über Klimafragen diskutieren. Erwartet wird auch Greta Thunberg. Sie segelt derzeit mit einem Katamaran zurück nach Europa, nachdem die Konferenz kurzfristig von Chile nach Madrid verlegt wurde. Die Klimastreikbewegung fordert von allen Ländern wirkungsvolle Massnahmen zur Erreichung der Klimaziele, insbesondere aber von den reichen Industrienationen.


Die junge Schwedin reist auf einem Katamaran zurück nach Europa

(sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Connä am 26.11.2019 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Klima Kiddys

    Ich erwarte von den Klima Kiddys dass sie ihre Handys abgeben, sich in Lumpen kleiden auf Urlaub verzichten ausser sie können laufen oder bestenfalls mit dem Zug fahren. Zudem haben sie auf jeglichen Fastfood und importware zu verzichten. Wenn dem so ist, und zwar bedingungslos und flächendeckend dann können die Klima Kiddys mit ihren Forderungen kommen.

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  • Kecks am 26.11.2019 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    goht mir fängs uf dä Keks

    Liebe Aktivitsten. Tut doch selbst mal was, lebt so wie ihr es von anderen Erwartet. Ihr demonstriert, ruft, sagt was andere Tun sollen. Was MACHT ihr ausser demonstrieren. Produziert ihr selber Lebensmittel, geht täglich in den Garten, baut euer Gemüse selbst an, gebt Wasser, arbeitet nebenher, habt kein TV, keine PC, kein Natel, usw. beginnt alle bei euch, dann könnt ihr von andere Vordern

  • Bündnerbuab am 26.11.2019 18:53 Report Diesen Beitrag melden

    Aufhören

    Die Klimakiddies begreifen eines nicht: gerade wegen dem Kapitalismus können sie solche Demos veranstalten. Der Kapitalist finanziert über Steuern deren Leben. Hinter dem Deckmantel Grün will man durch die Hintertür die linken Anliegen wie Kommunismus, Marxismus oder anderer Schrott einführen. Viele Beispiele zeigen, dass der Kommunismus ein paar wenige Superreiche und viele Mausarme generiert. Weniger Konsum, weniger Steuereinnahmen, weniger Solidarität und die Klimageister müssten endlich arbeiten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Free Greenday am 28.11.2019 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    70plus

    Die Klimajugend soll lieber die Schulbank drücken statt schon wieder schwänzen. Für mich wäre eine solche Aktion wie Green Friday nur dann glaubwürdig, wenn sie von der Generation 70plus ausginge, die noch unter bescheidenen Verhältnissen aufwuchs.

  • Wuala am 28.11.2019 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Kinder ...

    Liebe Kinder. Essen vom Kurier. Pakete vom Postdienst. Billigwaren aus Fernost. Avocados vom Schiff. Ferien in Bali. Strom für Smartphone. Strom für Wlan. Strom für s Velo. Kaffi to go. Salat to go. Das und anderes mehr kostet Ressourcen und verursacht mehr Verkehr. Also: Lernt kochen, kauft im Laden ein. Esst saisonale Produkte. Lest mal wieder ein Buch. Schreibt Zettel oder einen Brief. Und macht Ferien in Europa. Fragt doch mal die alten Männer und Frauen. Die wissen, wie es geht.

  • Green Friday statt Black Friday, am 28.11.2019 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    eher Red Friday sehen doch alle ROT

    Ich weiss nicht was der grössere Schaden ist, der Konsumwahnsinn oder der Klimawahnsinn, glaube Hans was Heiri.

  • Karli am 28.11.2019 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ansturm

    Mir tun die Leute leid, die in solchen Läden arbeiten...

  • Christian am 28.11.2019 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Verzögernden Effekt

    Hilft sowieso alles nichts, wir müssen die Bevölkerung auf ein erderträgliches Mass zurück bringen. Ist aber in einer Welt, in der alles nur noch auf Wachstum basiert, leider ohne Katastrophen nicht machbar. Alle diskutierten Massnahmen haben höchstens einen verzögernden Effekt.