IT-Branche

16. November 2010 13:52; Akt: 16.11.2010 19:34 Print

Klugen Köpfen droht Karriere

In der Schweiz könnten bis in sieben Jahren 32'000 IT-Fachkräfte fehlen. Der Verband ICT-Berufsbildung Schweiz schlägt Alarm und will den Mangel mit mehreren Sofortmassnahmen bekämpfen. Dazu zählt ein grösseres Angebot an Lehrstellen.

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In Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) soll der Anteil Lernender in der Grundausbildung pro 100 Angestellte 5,4 Prozent betragen. (Bild: Keystone)

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«Mit Papier bewegt man wenig», sagt Andreas Kaelin, Präsident des Vereins ICT-Berufsbildung Schweiz. Es müsse der Dialog mit der Wirtschaft gefunden und einheitliche Leistungsniveaus eingeführt werden. «Wir versuchen, die Jugendlichen weg vom KV, hin zu einer IT-Ausbildung zu ziehen.»

Bis 2017 sollen auf hundert Angestellte 5,4 lehrstellen kommen, ergänzte Kaelin. Dadurch sollen im Berufsfeld der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) 3000 Ausbildungsplätze entstehen.

Zwei vom Verband in Auftrag gegebene Studien zeigen, dass bis in sieben Jahren in der ICT auf allen Stufen insgesamt 72'100 Mitarbeitende gefragt sind. 55 Prozent davon seien durch Absolventen und Migration gedeckt, 32'000 Fachkräfte dürften fehlen.

Dieser Mangel habe sich seit zehn Jahren abgezeichnet, sagte Rudolf Schwarz, Präsident der Stiftung IT-Berufsbildung Schweiz. So begannen an Hochschulen zwischen 2001 und 2008 sechzig Prozent weniger Informatikstudierende.

Dies hänge mit dem Image der ICT-Berufe zusammen, das nach dem Platzen der Börsenblase gelitten habe. "Viele Unternehmen gliederten die IT-Abteilung aus. Das hat die Jungen verunsichert", sagte Nils Braun, Studienleiter bei B,S,S. Volkswirtschaftliche Beratung AG.

Keine Einzelgänger gefragt

Bei Abgängern seien vor allem Kommunikations- und Kooperationskompetenzen gefragt, ergänzte Jakob Limacher, Studienleiter bei Frey Akademie AG. «Angestellte müssen Kundenbedürfnisse verstehen. Sie können nicht mehr im stillen Kämmerlein arbeiten.»

Die ICT sei für den Standort Schweiz «enorm wichtig» und ein «Wettbewerbsfaktor», sagte Urs Schaeppi, Leiter des Geschäftsbereichs Grossunternehmen und Mitglied der Konzernleitung der Swisscom. Als eines der grössten IT-Unternehmen habe die Swisscom im IT-Bereich derzeit 110 Stellen offen.

100 unbesetzte IT-Arbeitsplätze hat auch die Grossbank Credit Suisse (CS). Für das Unternehmen arbeiten weltweit über 17'000 und schweizweit über 6000 IT-Fachkräfte. «Wir sind auf eine leistungsfähige IT angewiesen, um erfolgreich zu operieren», sagte Karl Landert, Chief Information Officer und Mitglied der Geschäftsleitung der CS.

Informatikern droht Karriere

Unternehmen aus der Finanz-, Versicherungsbranche oder dem Detailhandel fällt es insbesondere schwer, auf dem Schweizer Markt genügend qualifiziertes Personal zu finden. Es sind zu wenig Spezialisten ausgebildet. «Die Zuwanderung ist momentan überdurchschnittlich», sagte Studienleiter Nils Braun.

Um die Ausbildung auf dem Heimmarkt zu stärken, will der Verband einen Bachelor of Science in Informatik als einheitlichen Abschluss etablieren. Junge Nachwuchskräfte sollen transparenten und nahtlosen Zugang zu Fachhochschulen erhalten.

«Wer gut gebildet, arbeitswillig und nicht auf den Kopf gefallen ist, dem droht Karriere», resümierte Alfred Breu, Geschäftsleiter und Präsident der Zürcher Lehrmeistervereinigung Informatik und Vizepräsident ICT-Berufsbildung Schweiz.

www.ict-berufsbildung.ch

(sda)