Weiterer Anstieg erwartet

18. April 2018 09:54; Akt: 18.04.2018 10:41 Print

Was der starke Euro in der Schweiz verändert

von Isabel Strassheim - Der Euro ist so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Und das dürfte so bleiben. 20 Minuten klärt die wichtigsten Fragen.

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Der Euro pendelt aktuell um 1.1950 Franken – wann steigt er auf über 1.20 Franken?
Die Marke des früheren Mindestkurses von 1.20 Franken zum Euro scheint zum Greifen nah. Am Mittwochvormittag notierte die Gemeinschaftswährung am Devisenmarkt bei 1.1982 Franken. Zum Geldwechseln bei Banken kann er schon über 1.20 Franken liegen. Auch am Devisenmarkt erwarte man mittelfristig einen Anstieg auf über 1.20 Franken, aber noch nicht so schnell, sagte Tim Sprissler, Devisenexperte der Credit Suisse, zu 20 Minuten. Denn dafür braucht es noch weitere Stützung des Euro, etwa durch positive Konjunkturdaten. Auch UBS-Chefökonom Daniel Kalt geht davon aus, dass der Euro noch ein wenig Zeit braucht, um die psychologisch wichtige Hürde von 1.20 Franken zu nehmen: «Die Richtung ist klar gegeben, aber es dürfte noch ein paar Wochen dauern.»

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Wie sieht es in einem Jahr aus, bleibt der Euro so hoch?
Die UBS erwartet in zwölf Monaten einen Wechselkurs zum Euro von 1.22 Franken. «Wir können uns darauf einstellen, dass dieses Niveau bleibt», sagt Kalt. Kleinere Einbrüche sind nicht ausgeschlossen: Die Zürcher Kantonalbank geht davon aus, dass der Euro in drei Monaten bei 1.16 Franken steht.

Kommt nun bald das Ende der Negativzinsen?
Es steht tatsächlich bald bevor. UBS-Chefökonom Kalt schliesst nicht aus, dass die Schweizerische Nationalbank schon diesen Dezember die Negativzinsen einen Schritt zurücknehmen könnte: «Die SNB könnte von aktuell -0,75 Prozent auf -0,5 Prozent anheben.» Bei einem anhaltenden Kurs von über 1.20 Franken müsse sie nicht auf eine Zinsanhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) warten. CS-Devisenexperte Sprissler dagegen sieht das anders: «Die SNB wird auf die Euro-Zone warten und voraussichtlich im März nächsten Jahres mit einer Zinsanhebung beginnen.»

Lohnt sich jetzt der Einkaufstourismus noch?
Der Preisvorteil wird zwar geringer. «Aber auf Basis der statistischen EU-Daten besteht im Vergleich mit den Nachbarländern immer noch ein Unterschied von 30 bis 50 Prozent je nach Warengruppe», erklärt Silvan Fischer vom Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Basel. Allerdings lägen in Süddeutschland oder Norditalien die Preise etwas über dem deutschen oder italienischen Durchschnittsniveau. Auch die Erstattung der Mehrwertsteuer begünstige den Einkaufstourismus. «Der Franken müsste sich dementsprechend noch sehr deutlich abschwächen, dass ein Einkauf im grenznahen Ausland auf breiter Basis unattraktiv werden würde», sagt Fischer.

Welche Folgen hat der starke Euro für die Schweizer Wirtschaft?
Schweizer Unternehmen können sich freuen. Wenn sie ihre Produkte in europäische Länder exportieren, dann bekommen sie bei gleichen Euro-Preisen durch den Wechselkurseffekt automatisch mehr Franken. Das bedeutet: Entweder können sie ihre Preise senken oder sie belassen sie und verdienen mehr.

Entstehen nun mehr Jobs in der Schweiz?
Der Beschäftigungsanstieg in der Exportindustrie dürfte sich fortsetzen. «Sicher werden mehr Schweizer Unternehmen überlegen, wieder mehr in der Schweiz zu investieren», sagt Daniel Lampart. Der Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes sieht den Franken aber nach wie vor überbewertet. «Der Franken ist aber immer noch überbewertet. Der faire Euro-Kurs liegt zwischen 1.25 und 1.30 Franken.»

Müssen wir mit einer stärkeren Teuerung rechnen?
Je mehr der Euro steigt, desto teurer werden importierte Waren aus der Euro-Zone in der Schweiz. Beim Fall des Mindestkurses im Januar 2015 war es umgekehrt: Auf einen Schlag wurden die Importe um 20 Prozent billiger. Der Euro-Anstieg hat sich jedoch schrittweise und über längere Zeit vollzogen, deshalb ist jetzt nicht mit einer starken Teuerung zu rechnen. SGB-Ökonom Lampart erwartet fürs Gesamtjahr 2018 eine Inflation von 0,7 Prozent und hat dem Szenario schon einen Euro-Kurs von knapp 1.20 Franken zugrunde gelegt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Firmenlustknabe am 18.04.2018 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach traurig

    Da unsere Firma nun alle Produktionsstätten ins Ausland verlagert hat und schon vor 3 Monaten bemerkt hat, dass diese gar nicht billiger sind als die Schweiz, stehen wir nun vor einem riesen Dilema. Ach ja nebst der mangelhaften Qualität der Produkten und etlichen Lieferverzögerungen springen nun die Kunden ab. Hauptsache die Manager haben noch schnell Millionenbonis kassiert.

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  • Hubertikus am 18.04.2018 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Der Kleine verliert, wie immer

    Die Nationalbank tut alles dass es unserer Exportindustrie gut geht, die Börsen florieren und der kleine Sparer verliert. Das scheint die Rolle der SNB zu sein.

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  • Manuela am 18.04.2018 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ausland einkaufen

    ob der Euro jetzt 1.20 oder 1.15 ist, Kosmetik und diverse andere Produkte sind und bleiben günstiger in DE als hier. Für mich wird sich der Auslandeinkauf nicht ändern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Claude am 21.04.2018 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll dieser Artikel denn bedeuten?

    Da auf anderen Beiträge keine Kommentare verfasst werden können, muss es diese hier dafür hinhalten. Wie einige schon geschrieben haben, wird viel in richtig Geldwirtschaft hin gearbeitet. Die Vollgeld-Initiative ist sicher nicht perfekt, jedoch geht sie in die richtige Richtung, damit das Roulettspiel an fahrt verliert und die waren Hüter des Geldes (Das Volk) wieder etwas mehr davon hat. Das Schmeckt natürlich einigen Herren und Damen nicht so besonders, deshalb wird es in die Versenkung geschwiegen. Am 10.06.2018 abstimmen.

  • alessi am 21.04.2018 09:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Märchen des erstarkten Euro...

    und die harten Fakten in den einzelnen EU Länder. Italien hat so viel Arbeitslose wie nie zuvor. Den italienische Banken steht die Sch.. bis zum Halse und kein ende in sicht. In Griechenland könnte man meinen ist alles wieder im grünen; ist dem so? Bezüglich den neuen ost EU Länder werden Zahlen geschönt, keiner hat echten überblick. In Portugal haben Studenten nach ihrem Studium keine Arbeit. Da müssen die Deutschen wohl mächtig auf die Tube drücken mit der la Grand Nation Frankreich um den Euro weiter einen höhen Flug zu bescheren. Aber sicher gibt es eine Erklärung für den höhen Flug des E.

  • Lalaland am 19.04.2018 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Luft und Biswind

    Pro Monat werden 60 Mia einfach so gedruckt. Herr Draghi fehlen noch Euros? Na dann drucken sie mal schön weiter die SNB kauft ihnen dann die wertlosen Noten und Devisen solange ab bis der Franken da ist wo die Herrschaften ihn haben wollen. Alles lauter Luft und Biswind.

  • Ernst Ernster am 19.04.2018 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    EZB tötet

    Die niedringen Zinssätze der EZB sind gefundeses Fressen für Dildoverkäufer. Dies ist gefährlich, denn mehr Dildos im Umlauf bedeutet mehr tote Katzen, da viele Leute ihre Dildos bei voller Fahrt auf die Strasse schmeissen und so eben Katzen treffen.

  • wurks am 19.04.2018 05:26 Report Diesen Beitrag melden

    Immer einen guten Grund....

    Ist der Euro schwach, dann "müssen" die Löhne gesenkt werden. Ist der Euro stark, dann "müssen" die Preise im Detailhandel angehoben werden. Nun ja, es gibt immer einen guten Grund, das Volk abzuzocken, nicht wahr?