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26. September 2017 10:00; Akt: 29.09.2017 07:03 Print

Knigge fürs Grossraumbüro

Arbeiten im stillen Kämmerlein? Das war einmal. Mit der Digitalisierung haben Grossraumbüros die Arbeitswelt erobert. Und da gelten ungeschriebene Gesetze.

Fehler gesehen?

Im besten Fall können Bürolandschaften, wie Grossraumbüros auch genannt werden, Motivation und damit die Produktivität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördern. Flexible Arbeitswelten und der Austausch untereinander tragen zu mehr Innovation bei. Dies gilt aber nur bei optimalen Verhältnissen. Genügend Platz, ein angenehmes Raumklima, die richtigen Lichtverhältnisse sowie Rückzugsmöglichkeiten – so kann man sich auch richtig auf die Arbeit konzentrieren. Wichtig ist, dass die Büroraumumgebung die darin stattfindenden Aktivitäten bestmöglich unterstützt und zu Arbeitsaufgaben, -prozessen, Kommunikationsstrukturen und Führungsstil passt.

Leider sieht es in der Realität in vielen Grossraumbüros anders aus. Die Platzverhältnisse sind beengt, der Geräuschpegel enorm, die Luft schlecht, und für ein bisschen Privatsphäre bleibt nur die Toilette. Gerade die sozialräumlichen Aspekte sind ausschlaggebend, dass man sich wohlfühlt: Gibt es Möglichkeiten, sich zurückzuziehen, fühlt man sich beengt, weil zu viele Leute auf zu wenig Raum verteilt sind, und wird man ständig durch Lärm gestört und bei der Arbeit unterbrochen? Wer viele Stunden am Tag an einem solchen Ort arbeiten muss, leidet vermehrt unter psychischen und körperlichen Problemen, wie verschiedene Untersuchungen ergeben haben. So schlägt sich beispielsweise Lärm in einer höheren Konzentration von Stresshormonen im Körper nieder.

Um hier Abhilfe zu schaffen, sind die Arbeitgeber gefordert. Sie sollten für eine Bürogestaltung sorgen, die genügend Rückzugsräume für konzentriertes Arbeiten und auch mal ein privates Telefonat beinhaltet. Auch können Massnahmen wie schallschluckende Büroelemente für mehr Ruhe sorgen. Nicht zuletzt hat auch die freie Wahl des Arbeitsplatzes massgeblich Einfluss auf das Befinden der Mitarbeitenden. Diese wiederum können selber zu einem guten Betriebsklima beitragen, indem sie sich an folgende sieben Regeln halten.

Klingelton aus
Zu den grossen Störfaktoren im Grossraumbüro gehören ganz klar Handy-Klingeltöne. Erst recht, wenn Sie eine besonders nervige Melodie raufgeladen haben. Am wenigsten störend sind Klingeltöne, die auch natürliche Umgebungsgeräusche sein können, also zum Beispiel Vogelgezwitscher. Idealerweise schalten Sie aber im Büro das Handy auf lautlos. Um keinen Anruf zu verpassen, ist der Vibrationsmodus empfehlenswert.

Ohren zu
Sie können einfach nicht anders: Wenn die Kollegin am benachbarten Bürotisch telefoniert, verstehen Sie natürlich jedes Wort. Nicht hinhören ist da ganz schwierig. Darum gilt: Was Sie gehört haben, behalten Sie für sich – egal ob es sich um geschäftliche oder private Angelegenheiten handelt. Und selbstverständlich verzichten Sie darauf, irgendwelche Kommentare abzugeben.

Finger weg
Der Tisch des Arbeitskollegen ist tabu. Auch wenn Sie nur schnell die Schere oder die aktuelle Ausgabe der «Automobilrevue» ausleihen wollen – ohne Fragen geht gar nichts. Das gilt übrigens auch für Esswaren und Getränke im Bürokühlschrank.

Intimitäten tabu
Im Grossraumbüro gibt es kaum Privatsphäre, man steht ständig unter Beobachtung. Also sollten Sie sich auch entsprechend benehmen: Nägel schneiden, Augenbrauen zupfen, in der Nase bohren, Schuhe ausziehen, Füsse auf den Tisch und Ähnliches –
all das gehört nicht hierher.

Essen mit Rücksicht
Natürlich dürfen Sie an Ihrem Arbeitsplatz auch mal etwas essen und trinken sowieso. Aber bitte keine Speisen, die man im ganzen Büro riechen kann. Also beispielsweise einen Döner mit viel Zwiebeln. Der Geruch ist für Ihre Kollegen je nachdem eine echte Zumutung – und meist lassen sich nicht mal die Fenster zum Lüften öffnen.

Nase auf
Nicht nur der Geruch von Essen verbreitet sich im Grossraumbüro bis in den hintersten Winkel, auch Ihr Parfum oder Rasierwasser kann sich bei genügender Konzentration als Duftwolke über Ihre Kollegen legen. Also auch hier gilt: Weniger ist mehr.

Kranksein erlaubt
Wer krank ist, bleibt zu Hause. Das gilt erst recht im Grossraumbüro. Hier ist die Ansteckungsgefahr gross, und bald schon liegt die halbe Belegschaft hustend im Bett. Darum besser auskurieren und erst dann wieder zur Arbeit erscheinen.

Damit in den offenen Büroflächen nicht die gute Laune verloren geht, hilft es, wenn man zusammen Spielregeln aufstellt: zum Beispiel, dass man nur in der Küche isst, sich für längere Telefonate in einen geschlossenen Bereich zurückziehen soll, für individuelles konzentriertes Arbeiten und laute Gruppenarbeiten separate Bereiche definiert, Einzelgespräche nicht mitten im Raum führt und rücksichtsvoll im Grossraumbüro miteinander umgeht.

(CP)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michelle am 26.09.2017 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Der blanke Horror

    Grossraumbüros sind der reine Horror. Die Kollegin gegenüber telefoniert in einer Lautstärke, dass ich mich kaum noch konzentrieren kann. Der Kollege nebenan erklärt nun zum dritten Mal eine Bedienungsanleitung, rechts packt eine weitere Kollegin ihr Lunchpaket aus und beginnt zu schmatzen. Der Lärmpegel steigt ständig an und beeinträchtig konzentriertes Arbeiten mehr und mehr.

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  • Doris am 26.09.2017 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Schall und Rauch

    Also das Label friendly workspace ist nichts weiter als ein Feigenblatt für die Arbeitgeber, einmal vergeben und nicht wieder gesehen. Ich arbeite in einem EDI Amt welches zur Freude von BR Berset über dieses Label verfügt. Doch in Bezug auf Wertschätzung und Gesundheit der Mitarbeiter Meilenweit entfernt. Die Vorgesetzten verfügen über eine Carte Blanche und können sich alles erlauben. Es beginnt bei Misswirtschaft und endet bei Mobbing. Das Label ist eine reine Geldmacherei wie fast alle Labels.

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  • Anon, Kt. ZH am 26.09.2017 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Larifari-Betrieb!

    Anscheinend ist es in meinem Graumbüro die Gangart, laute (auch private!) Telefonate zu führen- von den Gesprächen unterwinander will ich gar nicht erst beginnen. Zahllose Kommentare über nicht anwesende Arbeitskollegen, die unter die Gürtellinie gehen muss ich mir auch ständig anhören. Es ist schrecklich nervig und zeigt mir, dass ich hier schleunigst weg muss!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Spinnereien/Webereien vor am 30.09.2017 06:26 Report Diesen Beitrag melden

    über 100 Jahren in der Schweiz

    Das gab es doch vor hundert Jahren schon in den Spinnereien und Webereien in der Schweiz mit immensem Lärm der Maschinen. 10-12 Stunden Arbeit und 6 Tage waren in der Regel üblich. Das waren noch schlimmere Bedingungen. Die Schweiz war in den damaligen Zeiten noch kein reiches Land und etliche sind ausgewandert. Leider wiederholt sich manches.

  • für Grossraumbüroangrstellte am 29.09.2017 06:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ombudsman im Bundesbern

    Leider weiss man im Bundesbern von solchen Bedingungen nichts. Dort müsste es eine Ombudsstelle für Grossraumbüro Angestellte geben. Das könnte eventuell Frau Sommaruga aufrütteln. Switzerland first. Der Knigge würde überflüssig, glauben Sie mir?!

  • Am am 29.09.2017 05:34 Report Diesen Beitrag melden

    Bei uns wie auf einem friedhof

    Bei uns im grossraumbüro könnte man meinen dass man soeben auf einem friedhof ist, die ruhe ist so beängstigend und manchmal wirklich unschön. Würde mir manchmal mehr gegacker wünschen :D

    • Lara am 29.09.2017 19:50 Report Diesen Beitrag melden

      die Kultur im Grossraumbüro ist wichtig

      eine Art Angstkultur. Irgendjemand in deinem Büro ist daran schuld..wenn der/diejenigen weg sind, würde sich das ändern. mag es auch lieber, wenns mal was zu lachen gibt. wenns mir zu laut wird, buche ich einfach eins der Einzelbüros für ein paar Stunden. das funktioniert super bei uns. Sowieso war alles viel besser als angenommen. Wir hatten vorher alle 2er Büros und schon etwas Bammel vor dem Gr-Büro. Wichtig war nur, dass die Mitarbeiter von Anfang an einbezogen wurden und wir mitbestimmen konnten wie der Ausbau denn sein sollte. Eine Art Mitarbeitergremium..von jedem Team jemand dabei

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  • Das Brot am 29.09.2017 03:13 Report Diesen Beitrag melden

    Was ich nicht verstehe...

    ... ist: Warum gibts überhaupt noch grossartig geschäftliche Büroräume?! Ich mein, klar, früher war das berechtigt, nicht jeder hatte entsprechendes Gerät rumstehen. Aber heute? Sogut wie jeder hat einen PC, Drucker und Internetanschluss, warum um alles in der Welt zahlt eine Firma viel Geld für Platz um etwas zu ermöglichen, das ich auch einfach bequem von zu Hause aus erledigen könnte?! - Begreif ich nicht... Unser Arbeitskonzept ist schlicht noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sondern gammelt noch irgendwo in den 90ern...

    • Kontrolle am 01.10.2017 07:36 Report Diesen Beitrag melden

      auf einen Blick

      @ es wird wie früher fast alles vom "Patron" kontrolliert.Er will die Herde überwachen, er hat das Blickfeld von wo er so ziemlich alles kontrollieren kann.

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  • giorgio1954 am 29.09.2017 00:00 Report Diesen Beitrag melden

    Erbenszähler

    Obwohl es äusserst bemühend ist, immer den Gesetzgeber zu bemühen, der bald alles in jedem Lebensbereich regeln muss. Aber die Grossfirmen schaffen das alleine nicht. Hochschulabsolventen und andere Ebsenzähler beherrschen die Chefetagen, und da zählt nur Geld.