Kurioses rund ums Fliegen

12. Juli 2018 21:47; Akt: 12.07.2018 21:47 Print

Warum gibts im Flugzeug keine Fallschirme?

von R. Knecht - Was soll die komische Kopfhörer-Buchse im Flugzeug und warum schmeckt das Essen so komisch? Ein Aviatik-Experte beantwortet Fragen zum Fliegen.

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Wieso gibts im Flugzeug nur eine Schwimmweste, warum schmeckt das Essen schlecht und was soll der komische Kopfhöreranschluss? William Agius, stellvertretender Leiter des Zentrums für Aviatik der ZHAW, beantwortet Fragen zu den Kuriositäten rund ums Fliegen. Auf über 10'000 Metern Flughöhe herrsche eine . Die wenigen Sekunden, in denen man im Notfall noch bei Bewusstsein sei, würden nicht einmal ausreichen, um den Fallschirm überhaupt anzuziehen. Die mehrpoligen Stecker wurden laut Agius entwickelt, damit Passagiere weniger in Versuchung kommen, die Kopfhörer der Airline mitgehen zu lassen. «Diese Stecker wurden mittlerweile zum », erklärt der Experte. «In einem Flugzeug muss alles möglichst leicht sein», sagt der Aviatik-Experte. Darum sei die Tüte aus Papier. «Sie», versichert Agius. Für die Sicherheit des Flugbetriebs sei es irrelevant, ob LED-Signale die Passagiere während des ganzen Flugs darauf hinweisen, dass sie nicht rauchen dürfen. Der sei zu hoch, als dass sie deswegen das Flugzeug umbauen würden. Laut Agius ist der Kostendruck auch der Hauptgrund, warum es in vielen Flugzeugen noch einen in die WC-Tür eingebauten Aschenbecher gibt. «Zum Teil richten Airlines beispielsweise im , sodass die Crew sich dort ein Nickerchen gönnen kann. Einer der Gründe, warum das Essen in der Luft so komisch schmeckt, ist der werden», so Agius. «Die . «Möglichst nahe beim gibt, schüttelt es das Flugzeug, egal wo man sitzt», gibt der Experte zu bedenken. Ein Sitzplatz im Flugzeug kostet nicht immer gleich viel. Wie spart man bei der Ferienplanung? Auch hierzu hat Agius einige Tipps parat. Wenn eine Buchungsanfrage getätigt wird, etwa auf der Plattform der Airline oder eines Drittanbieters, werden jedesmal Sitze, um sicherzustellen, dass der Kunde das angezeigte Angebot auch buchen kann. Dadurch könne es sein, dass einem Kunden teurere Sitze angezeigt werden, nicht weil sich die Preise verändert haben, sondern weil gerade viele Anfragen für den gleichen Flug stattfinden und nur noch wenige Plätze zum günstigeren Tarif verfügbar sind. «2018 buchen Schweizer die günstigsten Flüge am Sonntag», schreibt das Buchungsportal Ebookers. Das Unternehmen hat Daten der letzten Jahre ausgewertet und Durchschnittspreise für internationale Economy-Flüge verglichen. Pauschalisierungen findet Experte Agius aber immer heikel: «Jede Airline hat ihr eigenes Prozedere», so der Experte. Grundsätzlich bestimme die Nachfrage die Preise. Ja, sagt Agius. Zu Weihnachten etwa hätten viele Zeit fürs Reisen und seien auch eher gewillt, Geld auszugeben. Es sei darum nicht verwunderlich, dass die Preise im Dezember etwas höher sind, wie das auch Ebookers bestätigt. Im März sind die Preise laut der Buchungsplattform dafür besonders niedrig. «Um diese Zeit probieren viele Airlines, das Geschäft nach dem Januarloch mit Sonderpreisen wieder anzukurbeln», erklärt Agius. Ebookers empfiehlt, mindestens 30 Tage vor Reiseantritt zu buchen. Agius hingegen findet 3 Monate einen guten Wert. «Einen Economy-Flug ein ganzes Jahr im Voraus zu buchen, ist allerdings keine gute Idee», so der Experte. Bei Linienflügen gibt es sogenannte Last-minute-Angebote gar nicht, wie Agius sagt. Nur bei Charterflügen könne es sein, dass es kurz vor Flugbeginn noch günstige Plätze zu ergattern gebe. Charterflüge fliegen hauptsächlich an klassische Feriendestinationen wie Palma oder Heraklion. Bei einem Flug in Städte wie Paris oder New York dürfte es hingegen sehr unwahrscheinlich sein, dass es Last-minute-Angebote gebe. Aufgepasst: Am Flughafen selbst kann es für Schweizer Kunden zu Problemen kommen, wenn sie einen Flug nicht antreten. Heimflug bezahlt und trotzdem abgewiesen: Passagiere an einem Check-in-Schalter der Swiss. (21. August 2016) Wer unangekündigt nicht zu einem Flug erscheint, dem kann die Reservation für den Rück- oder Anschlussflug gestrichen werden. Das Thema sei «kein Swiss-Thema», sagte Marketingchef Markus Binkert (rechts) an der Bilanzmedienkonferenz der Swiss. (16. März 2017) «Diese Bedingung gilt nicht für Flüge von Kunden mit Wohnsitz in Österreich», steht in den Beförderungsbestimmungen der Swiss. Österreichische Kunden sind somit besser geschützt als Schweizer Kunden.

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2,8 Millionen Passagiere hat der Flughafen Zürich im Juni abgefertigt. Das sind 6,1 Prozent mehr als vergangenes Jahr, wie die Flughafen Zürich AG mitteilt. Im Schnitt waren damit pro Flug rund 131 Passagiere unterwegs.

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Manch einer der Reisenden dürfte sich zu Beginn der Sommerferien gängige Fragen gestellt haben – etwa warum es keinen Fallschirm an Bord hat, wieso es immer noch leuchtende Nichtraucher-Zeichen braucht oder ob ein Spuckbeutel aus Papier überhaupt was taugt. William Agius, stellvertretender Leiter des Zentrums für Aviatik der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), beantwortet Fragen zu den Kuriositäten rund ums Fliegen.

Warum gibts Schwimmwesten, aber keinen Fallschirm?
Man würde meinen, ein Fallschirm wäre im Flugzeug-Notfall ein besseres Rettungsmittel als eine Schwimmweste. Dem ist aber nicht so, erklärt Agius. Auf über 10'000 Metern Flughöhe herrsche eine Temperatur von Minus 55 Grad und extrem dünne Luft. Die wenigen Sekunden, in denen man noch bei Bewusstsein sei, würden nicht einmal ausreichen, um den Fallschirm überhaupt anzuziehen. «Ein Fallschirm wäre nur unnötiges Gewicht», so der Experte. Die Schwimmweste hingegen biete Nichtschwimmern bei einer Wasserlandung eine Überlebenschance.

Wieso hat der Kopfhörer-Anschluss zwei Buchsen?
Viele Airlines bieten ihren Passagieren Kopfhörer an, die am Ende wieder eingesammelt werden. Die mehrpoligen Stecker wurden laut Agius entwickelt, damit Passagiere weniger in Versuchung kommen, diese Kopfhörer mitgehen zu lassen. Schliesslich könnten sie sie nicht in der herkömmlichen Buchse am Handy benutzen. «Diese Stecker wurden mittlerweile zum Industrie-Standard», erklärt der Experte. Darum finden Reisende die Anschlüsse auch in Flugzeugen von Airlines, die keine Kopfhörer verteilen.

Warum ist der Spuckbeutel aus Papier?
Papier scheint nicht das ideale Material zu sein, um Flüssigkeiten aufzufangen. «In einem Flugzeug muss alles möglichst leicht sein», sagt der Aviatik-Experte. Darum sei die Tüte aus Papier. «Sie bleibt aber schon dicht», versichert Agius. Innen sei das Papiersäckli mit Wachs beschichtet. Diese Schicht enthalte zudem Chemikalien, die Erbrochenes zersetzen. Darum sei es auch keine gute Idee, das Säckli zur Aufbewahrung von Lebensmitteln zu verwenden. Die Stoffe in der Wachsschicht seien giftig.

Braucht es wirklich noch leuchtende Nichtraucher-Zeichen?
Erst in Flugzeugen, die in den letzten fünf Jahren gebaut wurden, sind die Nichtraucher-Zeichen teilweise verschwunden. «Die Flugzeugbauer ersetzen sie mit einem Zeichen fürs Handyverbot», so Agius. Für die Sicherheit des Flugbetriebs sei es irrelevant, ob LED-Signale die Passagiere während des ganzen Flugs darauf hinweisen, dass sie nicht rauchen dürfen. Der Kostendruck für die Airlines sei zu hoch, als dass sie deswegen das Flugzeug umbauen würden. Darum verschwinden die Symbole nur sehr langsam aus den Flugzeugen. Laut Agius ist der Kostendruck auch der Hauptgrund, warum es in vielen Flugzeugen noch einen in die WC-Tür eingebauten Aschenbecher gibt.

Wo schläft die Crew auf Langstreckenflügen?
«Zum Teil richten Airlines beispielsweise im Frachtraum Schlafplätze ein», so Agius. Bei Flugzeugen mit grossem Cockpit könnte die Besatzung auch dort übernachten. Besonders kostensparend sei es, einfach ein paar Sitze mit einem Vorhang abzutrennen, sodass die Crew sich dort ein Nickerchen gönnen kann. Das sei vor allem üblich bei Airlines, die mit denselben Flugzeugen sowohl lange als auch kürzere Strecken fliegen.

Wieso schmeckt das Essen so schlecht?
Der schlechte Ruf von Flugzeug-Verpflegung ist weit verbreitet. Einer der Gründe, warum das Essen in der Luft so komisch schmeckt, ist der Kabinendruck. Dieser beeinträchtige den Geschmackssinn der Passagiere. «Das Essen muss in der Regel viel stärker gewürzt werden», so Agius. Wenn Airlines besonders viel Wert auf ihre kulinarischen Angebote legen, würden sie die Menüs darum bei der Entwicklung in Unterdruckkammern kosten.

Warum bin ich im Flugzeug so durstig?
«Die Atemluft in der Passagierkabine wird in der Regel nur alle zwei Minuten komplett ausgewechselt», erklärt Agius. Die Luft kommt dabei von aussen. Auf über 10'000 Metern Flughöhe ist diese Luft allerdings wesentlich trockener als auf dem Boden. Sie künstlich anzufeuchten, wäre sehr teuer, weil die Flüssigkeit das Abfluggewicht des Flugzeugs erhöhen würde. Stattdessen dehydrieren Passagiere im Flugzeug besonders schnell und sollten möglichst viel Wasser trinken.

Wo rüttelt das Flugzeug am wenigsten?
«Möglichst nahe beim Schwerpunkt, würde ein Ingenieur sagen», so Agius. Das sei bei einem Flugzeug normalerweise zwischen den Flügeln. «Aber wenn es Turbulenzen gibt, schüttelt es das Flugzeug, egal wo man sitzt», gibt der Experte zu bedenken. Wer empfindlich aufs Fliegen reagiert, sollte laut Agius möglichst nicht ganz hinten sitzen. Gerade beim Start könnte es einem da je nach Flugzeug schnell mulmig werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • James am 12.07.2018 21:56 Report Diesen Beitrag melden

    Schwimmweste

    Die Schwimmweste ist auch für sehr geübte Schwimmer überlebenswichtig. Viel Spass, wenn man über Stunden im Wasser ist.

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  • Fabian Meier am 12.07.2018 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Aussage

    "Laut Agius ist der Kostendruck auch der Hauptgrund, warum es in vielen Flugzeugen noch einen in die WC-Tür eingebauten Aschenbecher gibt." -> Das ist erwiesenermassen falsch. Auch neue Flugzeuge habe den Aschenbecher. Eben damit, falls jemand doch raucht, die Zigarette richtig entsorgt, und nicht in den Papier-Abfall wirft, der Feuer fangen kann.

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  • Helvetier am 12.07.2018 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nun kanns in die Ferien gehen.

    Und mit diesem Wissen, wünsche ich euch allen, einen guten Flug. :):)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • A. Giermelli am 15.07.2018 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ach so...

    Ich würde die Kosten für die Tickets auf jeden Fall verdoppeln. So dass nicht mehr soviel in den Urlaub geflogen wird. Macht ja eh keinen Sinn soviel zu fliegen.

  • Rock'n'Roll am 15.07.2018 07:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krasses Geschäft

    Und sie geben einem nicht einmal mehr Wasser ab! Die Begleiter sind hauptsächlich Verkäufer geworden. Die Leute lassen sich fast alles bieten, um ihre sinnlose Reiserei vor sich selber zu rechtfertigen. Wie Vieh lassen sie sich herumschippern und nach dem Aussteigen machen alle wichtige Gesichter!

    • Reto Kleinstein am 16.07.2018 13:31 Report Diesen Beitrag melden

      Für arme normalos ist das so, dafür

      fliegst du billig und hast auch nur Viehklasse bezahlt, probier mal First oder Busines da ist viel Inkl. dazu viel Platz und netter Service. Sei zufrieden früher konnen sich viele das fliegen gar nicht leisten.

    • Ooooo.. am 17.07.2018 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rock'n'Roll

      Sie armer..kein Wasser..ist echt Lebensgefählich...und doch frage ich sie..Fliegen sie mit dem letzten Rappen..das kein Mineralwasser kaufen mehr drin liegt..?

    • Bravo.. am 17.07.2018 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ooooo..

      Oooooo...Gratuliere Ihnen..bei vielen Menschen liegt alles drin..aber ein Mineral..oder eine Parkuhr...WC Gebühr etc..ein Riesen bla bla..!

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  • Pfiel Pflieger am 15.07.2018 05:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geniales Expertenwiesen

    Im Flugzeug hat es zwei Stecker, weil jeder Lautsprecher nur ein leichteres Monosignal bekommt, damit es sich leichter fliegt und wegen dem Unterdruck der Sound nicht so sehr verfälscht wird. Ausserdem kann man so doppelt so laut hören.

  • Experten Experte am 15.07.2018 05:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Expertengeplapper

    Statt einer Schwimmweste wäre halt ein warmer Anorak eine gute Ergänzung zum Fallschirm. Man könnte diesen ja auch noch aufblasbar machen. Und für Polflüge wäre man dann auch gerüstet. Fehlt noch der Eispickel für die Alpen und gegen Eisbären. Nur den Papiersack braucht es nicht. Man kann ja in den Aschenbecher machen, der ja immer leer bleibt und die Rauchverbotszeichen in Wegweiser dorthin umwandeln. Und wenn man offen fliegt, dann ist das Flugzeug leichter und man kann besser aussteigen, wenn es im Meer schwimmt.

    • Beruhigter Flugterrorist am 15.07.2018 05:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Experten Experte

      Ich sehe, dass man heute für teures Geld wirklich für alles und jedes einen tollen Experten findet.

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  • Fred am 14.07.2018 22:34 Report Diesen Beitrag melden

    Pilot

    Und selbst wenn man in niedriger Höhe aussteigen könnte würde man es nicht schaffen das Flugzeug zu verlassen oder einfach nur aufzustehen. Dann bräuchte jeder Sitz auch einen Schleudersitz und wenn dann alle gleichzeitig rauskatapultiert werden stossen sie mit den Köpfen zusammen. Nur Segelflieger fliegen mit Fallschirm.