Nach Börsengang

31. Mai 2019 04:56; Akt: 31.05.2019 04:56 Print

Darum schenkt Spuhler Stadler-Angestellten Geld

von Dominic Benz - Seit dem Börsengang des Zugbauers hat der Aktienkurs keine grossen Sprünge mehr gemacht. Warum nicht? Die wichtigsten Antworten.

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Mitte April brachte Peter Spuhler den Zugbauer Stadler Rail an die Börse. Der Kurs dümpelte in den darauffolgenden Wochen mehr oder weniger zwischen 42 und 43 Franken. Dennoch: Sei dem Börsenstart hat der Kurs rund 17 Prozent zugelegt. Laut Hans Peter Schmidlin, Leiter Aktienanalyse bei der Bank Cler, habe sich die Euphorie aber gelegt. «Alle Investoren, die unbedingt Stalder-Aktien kaufen wollten, sind mittlerweile investiert», so der Experte. Daher sei auch das Volumen der gehandelten Aktien seit dem Börsengang immer mehr gesunken. Die Stadler-Rail-Aktie wurde am 12. April erstmals an der Börse gehandelt. Das Ticker-Symbol ist SRAIL. Die Aktien des Thurgauer Zugbauers werden an der Schweizer Börse SIX gehandelt. Es ist der grösste europäische Börsengang seit Jahresbeginn. Für die Angestellten von Stadler Rail gab es Ende Mai gute Neuigkeiten: Sie erhalten mit dem Lohn vom Juni 2019 zusätzlich einen halben bis einen ganzen Monatslohn ausbezahlt. Die rund 8'500 Angestellten profitieren vom geglückten Börsengang des Ostschweizer Zugherstellers. Das Geld stammt vom Hauptaktionär Peter Spuhler selbst. Die Zahlung erfolgt zusätzlich zu den üblichen Bonus-Zahlungen oder dem 13. Monatslohn des Unternehmens. Die Zahlung von insgesamt rund 25 Millionen Franken geht laut dem Bericht zu Lasten der PCS Holding von Spuhler, in welcher der Unternehmer die Beteiligungen an Stadler Rail, Autoneum, Rieter oder Aebi-Schmidt hält. Die Kadermitarbeitenden von Stadler Rail erhalten keine Sonderzahlung. Sie erhalten seit Jahren einen Teil ihres Lohnes in Aktien. Von der guten Kursentwicklung der Stadler Rail-Aktie an der Börse dürften sie stark profitiert haben.

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Peter Spuhler feiert den Börsengang von Stadler Rail und beschenkt seine Mitarbeiter: Die rund 8500 Angestellten des Thurgauer Zugbauers erhalten je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit mit dem Juni-Salär zusätzlich einen halben bis einen ganzen Monatslohn ausbezahlt.

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Doch gibt es bei Stadler wirklich Grund zum Feiern? Wie hat sich sich der Aktienkurs seit dem Börsenstart entwickelt? Und wer ist mit dem Börsengang reich geworden? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Die Stadler-Aktien legten eine fulminanten Start hin: Am ersten Handelstag zog der Kurs um rund 13 Prozent auf 43.10 Franken an. Danach passierte aber nicht mehr viel. Der Kurs dümpelte in den darauffolgenden Wochen meist zwischen 42 und 43 Franken. Erst gegen Ende Mai machte der Kurs wieder einen Sprung: Stadler hat laut Medienberichten einen 3 Milliarden Euro schweren Auftrag aus Berlin erhalten. Mittlerweile liegt der Kurs der Stadler-Aktie bei rund 44.60 Franken. Seit dem Börsenstart ist das ein Plus von rund 17 Prozent.

Ist die Euphorie verflogen?

Vor dem Börsenstart war die Nachfrage nach Stadler-Aktien immens. Immerhin kam mit Stadler der erste Schweizer Zugbauer an die Börse. Laut Hans Peter Schmidlin, Leiter Aktienanalyse bei der Bank Cler, hat sich die Euphorie aber gelegt: «Alle Investoren, die unbedingt Stalder-Aktien kaufen wollten, sind mittlerweile investiert.» Daher sei auch das Volumen der gehandelten Aktien seit dem Börsengang immer mehr gesunken.

Wie gehts mit der Aktie weiter?

Die Bank Cler sieht den Kurs in den nächsten 12 Monaten bei 42 Franken. Zwar ist Stadler laut Schmidlin gut für die Zukunft gerüstet. Rund 80 Prozent der Ende 2020 budgetierten Aufträge seien bereits gesichert. Und auch die Verdoppelung des Umsatzes auf 4 Milliarden Franken in den nächsten Jahren ist möglich. «Doch das ist alles bereits im Kurs eingepreist», so Schmidlin. Zudem habe die Aktie derzeit einen stolzen Preis und sei rund 30 Prozent höher bewertet als etwa die der Konkurrenten Alstom und Bombardier. Grosse Sprünge nach oben erwartet der Analyst daher nicht.

Ist der Börsengang ein Erfolg?

Stadler selber teilt auf Anfrage mit, dass man zufrieden sei: «Er hat unsere Kapitalmarktfähigkeit verbessert», sagt Sprecherin Marina Winder. Auch für Analyst Schmidlin ist Stadler eine Erfolgsaktie. Der gute Börsenstart bestätige das. Nach der Emission habe es kaum grosse Kurskorrekturen gegeben, was in anderen Fällen oft vorkomme.

Ist die Aktie eine «Volksaktie»?

Laut Schmidlin ist die Aktie auch für Kleinaktionäre interessant.
Die seien meist auf der Suche nach Aktien mit einer guten Dividende und wenig Kursschwankungen. Beides könne die Stadler-Aktie bieten. So plant der Zugbauer, rund 60 Prozent des Nettogewinns in Form von Dividenden an die Aktionäre auszuschütten. Die Aktie dürfte im Vergleich zu anderen Schweizer Titeln deutlich tiefere Schwankungen aufweisen. «Das Stadler-Papier kann man daher als Volksaktie oder als Grossmutteraktie bezeichnen», so Schmidlin.

Wer wurde mit dem Börsengang reich?

Peter Spuhler selber hat mit dem Börsengang rund 1,5 Milliarden Franken eingenommen. Doch auch andere Manager bei Stadler sind reich geworden. Rund 170 Topkader hätten in der Vergangenheit einen Teil ihres Lohn in Form von Aktien erhalten, schreibt die «Handelszeitung». Beim Börsengang hätten alle zusammen Aktien im Wert von 250 Millionen Franken gehalten. Damit ist jeder der 170 Topmanager im Schnitt zum Millionär geworden.

Warum beschenkt Spuhler seine Mitarbeiter?

Laut Stadler haben alle Mitarbeiter zum Erfolg des Zugbauers beigetragen. «Für Peter Spuhler war es deshalb immer klar, dass er die Mitarbeiter nach einem erfolgreich verlaufenen Börsengang am Gewinn beteiligen wird und er sich damit bei ihnen für ihren täglichen Einsatz bedanken möchte», teilt Sprecherin Winder mit.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Expat am 31.05.2019 05:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top Unternehmer

    Zum Glück ist Peter Spuhler nicht Bundesrat geworden. Als Unternehmer und Patron bringt er der Schweiz wesentlich mehr.

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  • Spartan am 31.05.2019 05:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbildlich

    Vorbildlich, wenn alle(!) Mitarbeiter am finanziellen Erfolg der Firma teilhaben können. Das motiviert und ist beste Werbung nach aussen. Die meisten Firmen sehen jedoch davon ab, schade.

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  • LUZ93 am 31.05.2019 05:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stadler vs SBB

    Ist doch egal... auf jeden Fall ist dieses Untermehmen Menschlicher als die SBB... Die SBB ist eines der unsympathisten und geizigsten CH Unternehmem und denen scheint es absolut nicht in den Sinn zu kommen etwas dagegen zu tun aus Fehlern zu lernen können die auch nicht. Naja wen wunderrs... Unternehmen mit keiner Konkurrenz bleiben meisstens arrogant.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Tschumi, HSG am 04.06.2019 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Geschenke, Geschenke

    Ja, Geschenke sind sicher nett, aber werden weder Stadler noch andere Unternehmen vor der kommenden Krise retten. Diese ist leider Tatsache und kann nicht mehr verhindert werden. Die letze Finanzkrise von 2008 wurde durch billiges Zentralbankengeld aufgeschoben, nun zeigen sich massive Risse im System. Schaut in den nächsten Wochen mal auf den Goldpreis... der wird nach oben klettern. Mit Explorern wie Monarca Minerals lässt sich da eine gute Hebelwirkung erzielen. Aber sicherlich nicht mit Gschänkli von Stadler...

  • Andy Seeland am 04.06.2019 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hr Spuhler hat hat ja erklärt

    Vor dem Börsengang hat Hr Spuhler den Grund für den Börsengang erklärt. Zu viel Privatvermögen war als Darlehen oder in Firmen nahe Gesellschaften investiert. Dass nach erfolgreichem Börsengang die MA auch profitieren, das ist toll. Dass sich die Aktie nicht zum Zockerelement mutiert hat ist ebenfalls gut. Stadler Rail hat nun die Aktionäre die etwas langfristig und nachhaltig planen.

  • St. Albanus am 03.06.2019 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuern plus

    Am meisten Freude haben die Steuerämter.

    • Florin vom Hirschensprung am 04.06.2019 06:34 Report Diesen Beitrag melden

      An so etwas denkt man noch nicht

      @St.Albanus: In erster Linie freuen sich doch die Mitarbeiter. Die Vorfreude ist die schönste Freude.

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  • francesca am 03.06.2019 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    nur eine anmerkung

    all jene, die spuhler's aktion hinterfragen, sind weder von missgunst noch neid getrieben. sie sehen einfach das grosse ganze - wie sich unsere welt so weit entwickeln konnte, dass durch einen börsengang (welcher an sich null wertschöpfung generiert) aus dem nichts geld geschaffen wird und an den bereits reichen teil der bevölkerung geht. warum? weil das system genau auf ihre bedürfnisse ausgelegt ist. sagt nur weiterhin "sei doch froh / wer den franken nicht ehrt" - aber im grundsatz heisst es nur, dass system zu akzeptieren&sich nicht zu wehren

    • Peter am 03.06.2019 18:03 Report Diesen Beitrag melden

      Tja das grosse Ganze

      Es wurde nicht aus dem nichts Geld geschaffen. Es war nur ein Simpler Verkauf. Herr Spuhler Hat von seinen Aktien (Firmenanteile) verkauft. Wenn die nichts wert gewesen wären hätte er dafür auch kein Geld bekommen. Er besitzt jetzt nur Geld anstelle von Wertpapieren. Ich finde die Auszahlungen an die Mitarbeiter eine noble Geste. «Was mir an einer Marktwirtschaft gefällt, wusste ich erst als ich eine nicht-Marktwirtschaft gesehen habe.»

    • Hemp am 03.06.2019 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      naja... allerdings haben die Mitarbeiter den Wert der Aktien erarbeitet, also müssten diese direkt daran beteiligt werden, ansonsten kann man kaum von einer noblen Geste sprechen... Ist in etwa so... wie wenn Milliardäre eine niedergebrannte Kathedrale finanzieren... mit Geld, welches diese zuerst den Arbeitenden entzogen hatten, um sich Abzufeiern und das ganze anschliessend von den Steuern abzuziehen ... und die Steuer-Ausfälle zahlt? .... ratet mal...

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  • Leserin am 03.06.2019 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    toll

    Toller Arbeitgeber denke ich... Herr Spuhler wirkt auch sehr sympathisch