Security und Datenkraken

15. Juni 2019 10:33; Akt: 15.06.2019 10:33 Print

Konsumenten fürchten sich vor Mobile Payment

von Raphael Knecht - Ob Twint oder Apple Pay: Die meisten Konsumenten halten das Bezahlen per App für unsicher – und nicht unbegründet. Anbieter verlangen blindes Vertrauen.

Bildstrecke im Grossformat »
Handy hinhalten und das wars – das ist wenig Aufwand für Konsumenten, trotzdem haben diese Bedenken. 65 Prozent der Konsumenten in Europa halten Mobile Payment via Smartphone für unsicher – das zeigt eine aktuelle Umfrage vom Sicherheitsdienstleister Eset. Für die Angst der Konsumenten gibt es Gründe. So ist etwa unklar, wie gut verschlüsselt die Transaktionen per App wirklich sind. Ausser der Sicherheit beim eigentlichen Bezahlen besteht auch die Gefahr, dass Payment-Apps heimlich mehr Daten sammeln als sie brauchen. Bietet Mobile Payment eigentlich einen Vorteil, wenn es um die Geschwindigkeit des Bezahlvorgangs geht? 20 Minuten hat nun die gängigsten Systeme getestet. Bei den Feldexperimenten galten stets die gleichen Bedingungen: Einkauf einer Banane, eines Rivella, eines Brötchens und eines Non-Food-Artikels. Gemessen wird ab dem ersten «Grüezi» des Verkaufspersonals, gestoppt wird mit der Übergabe der Quittung. Bei der Selfcheckout-Kasse beginnt die Uhr mit dem Abstellen des Körbli zu ticken. Welche Zahlungsmethode ist die schnellste? : Beim Bezahlen mit der Karte inklusive Eingabe des PIN-Codes verstrichen 49 Sekunden. Das Einstecken und Eintippen sowie das Warten auf die einzelnen Schritte sind die grössten Zeitfresser. Twint ist einfach und bequem, doch der Verbindungsaufbau mit dem Gerät sowie die Abhängigkeit von der Internetverbindung führen zu kleinen Verzögerungen. Der Prozess dauerte 40 Sekunden. : Kontaktloses Bezahlen spart Zeit. Am Selfcheckout «contactless» zu zahlen, kostet den Kunden so rund 39 Sekunden. : Noch etwas schneller ist das kontaktlose Bezahlen an der bedienten Kasse. 38 Sekunden stand auf der Stoppuhr. Am traditionellsten und dennoch am schnellsten: Bei der Barzahlung an der bedienten Kasse verstrichen lediglich 28 Sekunden. Schnell ist das Brötli vom Verkäufer getippt, die Barcodes der drei weiteren Produkte sind eingescannt, und das Rückgeld ist zurück im Portemonnaie

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit dem Handy zu zahlen klingt bequem, macht aber auch Angst: 65 Prozent der Konsumenten in Europa halten Mobile Payment via Smartphone für unsicher – das zeigt eine aktuelle Umfrage vom Sicherheitsdienstleister Eset. Zwar haben jüngere Konsumenten etwas mehr Vertrauen, doch auch bei den 18- bis 29-Jährigen glaubt mit 53 Prozent über die Hälfte, dass das Zahlen per Smartphone nicht sicher ist.

Umfrage
Nutzen Sie Mobile Payment?

Bei der Stiftung für Konsumentenschutz gingen auch schon einige Meldungen ein, dass bei Mobile Payment etwa falsche Beträge abgebucht worden seien. Die Leute hätten teilweise grosse Bedenken, was die Sicherheit solcher Bezahllösungen angehe, bestätigt Geschäftsleiterin Sara Stalder gegenüber 20 Minuten.

Haben Sie schlechte Erfahrungen mit Mobile Payment gemacht? Sind merkwürdige Buchungen auf der Abrechnung aufgetaucht oder war Ihr Konto plötzlich leer? Oder gabs einfach plötzlich überall Werbung und Sie haben den Verdacht, dass das an der Payment-App lag?

Blindes Vertrauen gefragt

Die Angst sei durchaus begründet, sagt Oliver Hirschi von der Hochschule Luzern (HSLU) zu 20 Minuten. Der Experte für IT-Security erklärt, Konsumenten müssten den Anbietern von Payment-Apps ein gewisses Mass an blindem Vertrauen entgegenbringen: «Für einen Benutzer ist es extrem schwierig, herauszufinden, ob einzelne Apps wirklich sicher sind.»

Ob und wie gut die Transaktionen verschlüsselt sind, spiele eine grosse Rolle – ist die Verbindung nicht genügend gesichert, könnte eine Drittperson etwa heimlich den Zahlungsbetrag erhöhen oder sonst die Zahlungen manipulieren.

Heimliche Datenkrake

Ausser der Sicherheit beim eigentlichen Bezahlvorgang besteht auch die Gefahr, dass Payment-Apps heimlich mehr Daten sammeln als sie wirklich benötigen. Das zeigt sich etwa in den Berechtigungen, die eine Anwendung auf dem Smartphone verlangt. «Eine Bezahl-App braucht sicher keinen Zugriff auf meine Kalenderdaten oder Telefonlisten», sagt Hirschi.

Konsumenten hätten darum Angst, dass Mobile Payment nur dazu dient, die Nutzer zu gläsernen Kunden zu machen – dass sie also nicht mehr wie beim Bargeld anonym sind, sondern bei jeder Transaktion Unmengen an Daten über sie gespeichert werden. Und diese Daten könnten dann etwa genutzt werden, um ihr Verkaufsverhalten zu Werbezwecken zu analysieren.

Hier ist es laut Hirschi besonders wichtig, dass Einkaufs- und Zahlungsdaten nicht mit Nutzungs- und Standortdaten verknüpft werden. Anbieter wie Twint oder Apple Pay sollen nicht erfahren, was genau der Kunde kauft – und der Kontostand eines Kunden geht den Händler nichts an.

Handy insgesamt zu unsicher

Dass Mobile Payment per Smartphone geschieht, ist ebenfalls ausschlaggebend. Denn nicht nur die Sicherheit der Bezahl-App, sondern des gesamten Geräts sei ausschlaggebend für die Sicherheit beim Mobile Payment, sagt Hirschi: «Beim PC weiss man, dass man alles up-to-date halten und sich vor Schadsoftware schützen muss – beim Smartphone ist das vielen Konsumenten weniger bewusst.»

Dadurch sei die Gefahr gross, dass man über eine andere App einen betrügerischen Link oder dergleichen Malware aufs Handy lädt. Solche Schadsoftware könne etwa im Hintergrund Zahlungen ausführen oder verändern, erklärt Hirschi.

Tipps, wie man sich beim Mobile Payment auf dem Handy schützt, lesen Sie später ebenfalls auf 20 Minuten.

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oldschool am 15.06.2019 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Bargeld

    Ich kanns immer wieder erwähnen: Nur Bares ist wahres!

    einklappen einklappen
  • Markus Flury am 15.06.2019 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Bargeld first

    Kein Bezahlungsmittel ist besser als Bargeld, lassen wir uns das nicht nehmen. Erstens hat jeder mit Bargeld die beste Kontrolle und es hindert einem Ausgaben die man sich eigentlich gar nicht leisten kann überhaupt zu tätigen. Ich bezahle ausser Reisen und wenige Bestellungen im Internet alles mit Bargeld, sogar mein neuesAuto wurde Bar bezahlt in Südostasien.

  • Pierre am 15.06.2019 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Da versuchen ein paar Firmen, auch noch

    ein Stück vom Kuchen abzuschneiden - wie immer auf Kosten der Konsumenten. Dass die Sicherheit letztendlich voll gewährleistet ist glauben doch nur die Naiven!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Phil W am 23.06.2019 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Vorteil?

    Was ist der Vorteil zum einfachen verwenden eines kontaktlos-Kärtchens? Auch dieses hat Risiken, ich sehe aber wirklich nicht, was für mich bequemer würde?

  • Bartli am 18.06.2019 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Unterschied

    Fürchten oder nicht wollen? Etwas gar manipulativ.

  • Hobo am 17.06.2019 05:59 Report Diesen Beitrag melden

    Navie Welt

    Leider gibt es immer mehr von diesen Naiven desswegen klappt es auch immer mit solchen sachen.

  • Stutz am 17.06.2019 01:20 Report Diesen Beitrag melden

    Bargeld oder Handy?

    Warum sollten alle mit dem Handy bezahlen? Es ist doch immer noch jedem freigestellt, wie man bezahlen will. Ob Bar, Karte oder Handy, das Geld hat immer den gleichen Wert!

  • IT Berater am 16.06.2019 22:00 Report Diesen Beitrag melden

    Alles per Einzahlungssschein

    Ein Mal im Monat zur Post mit einem Bündel Einzahlungsscheinen und gut ist. Jegliche Papiergebühr ist mir lieber als ein gehacktes Online Konto.

    • Sabrina Segmüller am 17.06.2019 06:40 Report Diesen Beitrag melden

      Oder?

      Keine Angst, wenn es möglich wäre Konten zu hacken, würden Gauner zuerst das Konto mit den Millionen wählen und nicht Ihres.

    • Sm am 17.06.2019 07:16 Report Diesen Beitrag melden

      Kurzsichtig

      Lieber 1.- auf 100'000 Konten von Naiven klauen als 1x bei einem Reichen. Klein Vieh macht auch Mist...

    • Severine am 17.06.2019 07:53 Report Diesen Beitrag melden

      Tipp

      Viel zu aufwändig! Glauben Sie es mir, alle Konten wären leer wenn das gehen würde.

    einklappen einklappen