Konjunktur

27. September 2011 10:54; Akt: 27.09.2011 14:48 Print

Konsumklima sackt auf Rezessionsniveau

von Balz Bruppacher - Streiken jetzt auch die Konsumenten? Diese Befürchtung wird durch den UBS-Konsumindikator geweckt. Er sackte im August so stark ab wie seit neun Jahren nicht mehr.

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Konsumenten sind zurückhaltend. Die Schweizer Detailhandelsumsätze haben sich schlecht entwickelt. (Bild: Keystone)

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Der private Konsum ist der mit Abstand wichtigste Faktor für das Wirtschaftswachstum. Er steuert rund 60 Prozent zum Bruttoinlandprodukt (BIP) bei. Wenn die Konsumenten streiken, wird es deshalb kritisch für die Konjunktur. Die Konjunkturprognosen gingen bisher davon aus, dass der Konsum auch nächstes Jahr dazu beiträgt, eine Rezession zu verhindern.

Die jüngsten Zahlen der UBS-Ökonomen lassen deshalb aufhorchen: Der monatlich errechnete Konsumindikator brach im August um 0,49 Punkte auf einen Stand von 0,79 ein. Das ist der stärkste monatliche Rückgang seit neun Jahren. Auf ein Niveau, das nur noch unwesentlich über dem Stand der letzten beiden Rezessionen von 2002/2003 und 2008/2009 liegt.

Autokäufen sei Dank

Ein noch tieferer Absturz wurde durch die Autoverkäufe verhindert. Sie sind eine der fünf konsumnahen Grössen, aus denen die UBS den Indikator berechnet. Im August nahm der Absatz von Neuwagen im Vorjahresvergleich um gut neun Prozent zu. Dies dürfte laut den Ökonomen der Grossbank auf die Wechselkursrabatte und den steigenden Direktimport von Personenwagen zurückzuführen sein.

Miserabel entwickelte sich hingegen der Umsatz im Detailhandel. Auch die Konsumentenstimmung und die restlichen beiden Bestandteile des Indikators zeigten nach unten. Es sind dies die Hotelübernachtungen und die Kreditkartenumsätze im Inland. Die UBS-Ökonomen führen den Absturz zumindest teilweise auf den starken Franken zurück. Er streifte im August zum Euro die Paritätsgrenze. «Diese massive Überbewertung hat die Konsumentinnen und Konsumenten wahrscheinlich stark verunsichert und dazu veranlasst, gewisse Ausgaben einzuschränken», erklären die UBS-Ökonomen.

Verbessert Nationalbank die Konsumlaune?

Weil die Nationalbank inzwischen eine Untergrenze von 1.20 Franken für den Euro festgelegt hat, besteht gemäss UBS aber die Hoffnung, dass sich die Konsumentenlaune wieder etwas aufhellt. Hinzu komme, dass der starke Franken für die Konsumenten eigentlich positiv sei. Erhöhe doch der damit verbundene Rückgang der Preise für viele Konsumgüter die Kaufkraft. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) bezeichnet den Rückgang des Konsumindikators aber dennoch als sehr ausgeprägt. Für die nächsten Monate müsse mit einem schwächeren privaten Konsum gerechnet werden.

Die UBS erwartet in ihrer letzten Prognose, dass der private Konsum 2012 um 1,5 Prozent wächst, nach 1,0 Prozent in diesem Jahr. Insgesamt sollte die Wirtschaft um 1,3 Prozent wachsen. Die UBS ist damit deutlich optimistischer als das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Es rechnet nur noch mit 0,9 Prozent Wachstum im kommenden Jahr.

Zweites Frankenpaket in der Schwebe

Sollte es noch schlimmer kommen, richten sich die Augen auch wieder nach Bern. Denn der Bundesrat hat ein zweites Massnahmenpaket gegen die Frankenstärke mit einem Volumen von maximal einer Milliarde Franken in petto. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann machte allerdings deutlich, dass darüber noch nicht definitiv entschieden ist. In einem Interview der Zeitung «Zentralschweiz am Sonntag» kündigte Schneider-Ammann eine Neubeurteilung an. Sie soll dem Wechselkursziel der Nationalbank, der neuen Seco-Prognose und den Diskussionen des Parlaments zum ersten Frankenpaket Rechnung tragen. «Das zweite Paket soll ausschliesslich auf dieser Neubeurteilung basieren», sagte der Wirtschaftsminister.