Versicherung

23. August 2019 13:04; Akt: 23.08.2019 13:04 Print

Krankenkasse soll Medis aus dem Ausland zahlen

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für im Ausland gekaufte Medikamente in der Regel nicht. Das soll sich ändern, fordern Politiker und der Preisüberwacher.

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Krankenkassen übernehmen normalerweise die Kosten für Medikamente, die im Ausland gekauft werden, nicht. Im Ständerat ist derzeit eine Motion von SP-Nationalrätin Bea Heim hängig, die beantragt, dass der Bundesrat das ändert. Auch Preisüberwacher Stefan Meierhans schreibt in einem aktuellen Blogeintrag: «Räumt den Patienten, die helfen wollen, Kosten zu sparen, die Steine aus dem Weg.» Er hoffe, dass der Ständerat im Sinne der Patienten und Prämienzahler entscheidet. Viele medizinische Produkte sind im Ausland günstiger als in der Schweiz. Das könnte laut Meierhans die Krankenkassen entlasten. Würden Krankenkassen die Kosten von Medikamenten aus dem Ausland tragen, könnte das dazu führen, dass die Medikamentenpreise in der Schweiz mittelfristig sinken, schreibt der Preisüberwacher. Internationale Konkurrenz könnte die Gesundheitswirtschaft zu mehr Effizienz und Transparenz anspornen, sagt Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly von Comparis. Schweizer hätten mehr Möglichkeiten bei der Medikamentenbeschaffung, ohne dass sie dafür aus der eigenen Tasche zahlen müssen. Der Preisüberwacher hält fest: «Es geht um die haargenau gleichen, sicheren Produkte und es würde auch niemand gezwungen sie im Ausland zu kaufen.» Für die Gesundheitswirtschaft steht hingegen viel Profit auf dem Spiel, so Schneuwly von Comparis. Sie profitiere vom Vertragszwang mit den Kassen sowie von staatlich garantierten Tarifen und Preisen. Laut dem Verband Interpharma verursacht der Parallelimport in der EU der Pharmaindustrie 2 Milliarden Euro Verlust pro Jahr. Das Gesundheitswesen spare hingegen lediglich 400 Millionen Euro. Der Verband warnt zudem vor Fälschern: «Parallelimporte ermöglichen Medikamentenfälschern, in etablierte und sichere Vertriebskanäle einzudringen.» Erfahrungen in anderen Ländern haben laut Interpharma ausserdem gezeigt, dass Parallelimporte von Medikamenten zu Versorgungsengpässen führen können.

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Manch ein Medikament kostet in der Schweiz mehr als doppelt so viel wie ennet der Grenze. Trotzdem lohnt es sich für Schweizer oft nicht, Arzneimittel im Ausland zu kaufen, weil die Krankenkasse diese Kosten nicht übernimmt. Es gilt das Territorialitätsprinzip: Laut Krankenversicherungsgesetz ist es den Versicherern verboten, für im Ausland gekaufte Medikamente zu bezahlen.

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Seit langem wird das Gesetz kritisiert, das Versicherte praktisch zwingt, teurere medizinische Leistungen in Anspruch zu nehmen. Im Ständerat ist derzeit eine Motion hängig, die beantragt, dass der Bundesrat das Territorialitätsprinzip abschafft. Der Nationalrat hat sie bereits angenommen.

Preisüberwacher will Gesetzesanpassung

Nun erhält die Motion weitere Unterstützung: Der Preisüberwacher Stefan Meierhans schreibt in einem aktuellen Blogeintrag: «Räumt den Patienten, die helfen wollen Kosten zu sparen, die Steine aus dem Weg.» Er hoffe, dass der Ständerat im Sinne der Patienten und Prämienzahler entscheidet.

Doch was sind eigentlich die Argumente, die für die Abschaffung des Territorialitätsprinzips sprechen? Und warum gibt es Widerstand? Eine Übersicht:

Das spricht für die Abschaffung:

• Gesundheitskosten: Viele medizinische Produkte sind im Ausland günstiger als in der Schweiz. Das könnte laut Meierhans die Krankenkassen entlasten. Wenn etwa die Hepatitis-C-Medikamente im Ausland 1500 statt 30'000 Franken kosten, dürfte das auch den Versicherer freuen.

• Preise: Würden Krankenkassen die Kosten von Medikamenten aus dem Ausland tragen, könnte das dazu führen, dass die Medikamentenpreise in der Schweiz mittelfristig sinken, schreibt der Preisüberwacher: «Eine hochwillkommene Nebenwirkung.»

• Qualität: Internationale Konkurrenz könnte die Gesundheitswirtschaft zu mehr Effizienz und Transparenz anspornen, sagt Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly von Comparis: «Vor Konkurrenz geschützte Anbieter werden träge, ineffizient und qualitativ schlecht, weil die Konsumenten nicht zu besseren Anbietern im Ausland wechseln können.»

• Auswahl: Schweizer hätten mehr Möglichkeiten bei der Medikamentenbeschaffung, ohne dass sie dafür aus der eigenen Tasche zahlen müssten. Der Preisüberwacher hält fest: «Es geht um die haargenau gleichen, sicheren Produkte und es würde auch niemand gezwungen, sie im Ausland zu kaufen.» Es gehe lediglich darum, dass man dürfe.

Darum gibt es Widerstand:

• Profit: «Die hiesige Gesundheitswirtschaft profitiert vom Vertragszwang mit den Kassen sowie von staatlich garantierten Tarifen und Preisen», sagt Schneuwly von Comparis. Die Aufhebung des Territorialitätsprinzips würde das Ende dieser Privilegierung bedeuten. Laut dem Verband Interpharma verursacht der Parallelimport in der EU der Pharmaindustrie 2 Milliarden Euro Verlust pro Jahr. Das Gesundheitswesen spare hingegen lediglich 400 Millionen Euro.

• Fälschungen: Interpharma warnt vor Fälschern: «Parallelimporte ermöglichen Medikamentenfälschern, in etablierte und sichere Vertriebskanäle einzudringen.» Dies, weil die Schweizerische Zulassungsbehörde Swissmedic Arzneiimporte nicht flächendeckend prüfen könne. Im Gegensatz zur Schweiz komme es in Europa immer wieder vor, dass gefälschte Arzneimittel auftauchten. Das gefährde die Patientensicherheit.

• Engpässe: Erfahrungen in anderen Ländern haben laut Interpharma gezeigt, dass es zu Versorgungsengpässen kommen kann, wenn der Parallelimport von Medikamenten erlaubt wird. Dies, weil es den Importeuren nur um die Marge gehe – sollte die sinken, würden plötzlich weniger Produkte importiert.

(rkn)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • El perro am 23.08.2019 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dafür

    Das sollte schon lange so sein!

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  • Alain am 23.08.2019 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Paracetamol

    Letzte Woche in DE Paracetamol gekauft. 20 x 500mg Tabletten EUR 1.50. Heute nachgesehen: Appotheke Zur R... CHF 5.85. Kein Wunder spricht mal von "Appothekerpreisen"

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  • valminger am 23.08.2019 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die grössten Verlierer...

    .. wären die Apotheken : Monopolstellung, viel zuviel Luxus auf unsere Kosten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruth am 30.08.2019 23:55 Report Diesen Beitrag melden

    CH IST WASSERTRÄGER FÜRS AUSLAND

    Importierte Ausland-Medikamente in die sollten stark besteuert werden, dann hört dieses Geschäft über den Hag fressen auch auf.

    • Franz Waeber am 03.09.2019 11:36 Report Diesen Beitrag melden

      Lieber Wasserträger als Goldesel

      Lieber Wasserträger als Goldesel und Melkkuh der Schweizer Pharma-Lobby. Der Preisunterschied ist bei in der Schweiz hergestellten, aber im Ausland gekauften Medikamenten ja ebenfalls riesig.

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  • Christina Jäger am 30.08.2019 14:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auslandskliniken

    Ausländische Rehakliniken. Als Patient wäre man bereit in eine z.B. deutsche Rehaklinik zu gehen, dies wird von Schweiz. KK verweigert. Diese zahlt lieber pro Rehazimmer um die Fr. 350.00 anstatt um uro 45.00 pro Tag. Obwohl teils und vermehrt die Therapien und Therapeuten fachlich bald besser sind, als schweiz. Therapeuten!!! Tragisch solch eine Entwicklung am eigenen Leibe spüren zu müssen. Ist das nachvollziehbar?

  • mäxu am 29.08.2019 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Selber

    KK sollen ein teil der Medi selber kaufen und auch den Patienten abgeben. Das können SIE...!!!

  • Ph F. am 26.08.2019 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mittel besser verteilen

    was mir so sauer aufstösst ist, dass wir hier in der Schweiz so hohe Medikamentenkosten haben. Mir wäre es lieber, die Medikamente sind so teuer in der Schweiz wie im Ausland und der Überschuss würde endlich dem Pflegepersonal zugesprochen. Ich finde es beschämend das diese Berufsgruppe so wenig verdient.

    • Stefan am 30.08.2019 16:14 Report Diesen Beitrag melden

      RICHTIG!

      Genau richtig. Vermutlich die Einzigen die wirklich für Ihr Geld Arbeiten in der Gesundheitsbranche.

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  • genervt am 24.08.2019 23:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umformuliert

    Umformuliert heisst das: Schweizerinnen und Schweizer können sich die medizinische Grundversorgung nicht mehr leisten. Lassen wir sie das auch im Aussland einkaufen.