Solidarität

13. Juli 2018 12:57; Akt: 13.07.2018 12:57 Print

Krankenkassen kritisieren Rabattsysteme

von R. Knecht - Viele Krankenkassen finden Bonussysteme in der obligatorischen Versicherung unsolidarisch. Das zeigt eine Umfrage von Konsumentenschützern.

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Ein Feature der im September 2017 eingeführten Helsana-App wird von den Schweizer Konsumentenschützern scharf kritisiert. Wer regelmässig Sport treibt, in einem Verein ist oder sich Vorsorgeuntersuchungen unterzieht, sammelt Punkte, die im Rahmen von «Helsana+» in Geld umgewandelt werden können. Und das selbst in der Grundversicherung. «Solche Prämienrabatte untergraben das Solidaritätsprinzip der Grundversicherung», schreiben die Konsumentenschützer in einer gemeinsamen Medienmitteilung. Kranke, Behinderte, Unsportliche sowie technisch nicht versicherte Personen könnten keine sportlichen Aktivitäten nachweisen und würden diskriminiert. Die SKS hat nun andere Krankenkassen befragt, wie sie zu solchen Rabattsystemen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) stehen. Fast die Hälfte scheint die Meinung der Konsumentenschützer zu teilen. Agrisano, Assura, Concordia, EGK, KPT und ÖKK lehnen solche Rabattsysteme ab. Visana betreibt immerhin Rabattsystem in der OKP. Die SWICA befürwortet laut der Umfrage individuelle Anreizsysteme. Die CSS spricht sich zwar gegen Rabattsysteme aus, fordert aber eine Ausnahme für individuelle Reduktionen in der Kostenbeteiligung. Ob das Bundesamt für Gesundheit (BAG) der Kritik der SKS zustimmt, ist noch offen. Die SKS und weitere beteiligte Organisationen fordern das BAG auf, klar Position zu beziehen. (im Bild: Bundesrat Alain Berset, Direktor des BAG) Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte Adrian Lobsiger hat bereits gegen Helsana Klage eingereicht, weil deren App Daten der Grund- und Zusatzversicherung vermische.

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Die Helsana-Versicherung kassiert erneut Kritik von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Das Bonusprogramm der Helsana (siehe Box) diskriminiere Menschen mit einer Krankheit oder Behinderung sowie Personen, die nicht technisch versiert seien oder Wert auf Privatsphäre legten. Die SKS hat nun andere Krankenkassen befragt, wie sie zu solchen Rabattsystemen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) stehen. Fast die Hälfte lehnt die Programme ab oder verzichtet zumindest darauf.

Umfrage
Was halten Sie von Bonusprogrammen in der OKP?

Die SKS begrüsse, dass Agrisano, Assura, Concordia, EGK, KPT und ÖKK diskriminierende Rabattsysteme ablehnten. Visana betreibe immerhin kein Rabattsystem in der OKP. «Bedenklich ist, dass sich Aquilana, Atupri, Groupe Mutuel, Sympany und der Krankenkassenverband Santésuisse hinter schwammigen Formulierungen verstecken, die diskriminierende Rabattsysteme indirekt gutheissen», schreibt die SKS in einer Mitteilung.

Helsana hält an ihrem Rabattsystem fest

Die SWICA befürwortet laut der Umfrage individuelle
Anreizsysteme. Die CSS spreche sich zwar gegen Rabattsysteme aus, fordere aber eine Ausnahme für individuelle Reduktionen der
Kostenbeteiligung. Die Helsana hingegen sei weiterhin der Ansicht, dass ihr Rabattsystem rechtens sei und nicht gegen das Solidaritätsprinzip verstosse. Dieses besagt, dass Beiträge zur Versicherung nicht vom individuellen Risiko eines einzelnen Versicherten abhängig sein darf.

Die SKS argumentiert hingegen, dass Prämienrabatte für Gesunde und sportlich Versierte ein aktiver Verstoss gegen die Solidarität seien. Ein Mediensprecher von Helsana sagt zu 20 Minuten, die Versicherung könne den Vorwurf nicht nachvollziehen. Gesundheitsbewusstes Verhalten, soziales und gesellschaftliches Engagement und Treue würden in sehr beschränktem Rahmen belohnt.

Position des Bunds unklar

Ob das Bundesamt für Gesundheit (BAG) der Kritik der SKS zustimmt, ist aber noch offen. Die Stiftung und weitere beteiligte Organisationen fordern das Amt auf, klar Position zu beziehen und sicherzustellen, dass sich alle Krankenkassen in der Grundversicherung ans Solidaritätsprinzip halten.

Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte hat allerdings bereits gegen Helsana Klage eingereicht, weil die App Daten der Grund- und Zusatzversicherung vermische. Dies verstosse gegen das Gesetz.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • No Broker anymore am 13.07.2018 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld aus dem Fenster werfen

    ich finde die Provisionen an Brokern unsolidarisch - und zwar enorm unsolidarisch

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  • Autofahrer am 13.07.2018 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte mal begründen...

    Wieso sind dann Krankenkassenleistungen für Personen, die nie 1 Franken einbezahlt haben(aber Massenhaft Leistung beziehen!!), nicht UNSOLIDARISCH???

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  • Michi 2 am 13.07.2018 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwann...

    Man könnte es auch irgendwann andersrum sehen; diskriminiert wird der, der seine Daten angeben muss, damit er sich die Krankenkasse überhaupt noch leisten kann.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Seeland am 16.07.2018 23:53 Report Diesen Beitrag melden

    Desaster

    ich finde jetziges kranke Kassen System absolut unsolidarisch, unfair und abzockerisch.

  • Junger Zürcher am 16.07.2018 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Nieder mit diesen übeln Preisen

    Hauptsache die Prämien werden günstiger, alles andere ist egal.

  • Steff am 16.07.2018 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötige Aufwände!

    Jeder, der wegen jedem kleiner Verletzung oder Krankheit, wo ein Pflaster oder ein heisser Tee reichen würde, zum Doktor rennt, soll SEINE unnötigen Aufwände auch selber bezahlen!

    • Asterix am 16.07.2018 18:17 Report Diesen Beitrag melden

      Gibt es schon

      Das nennt man Franchise und Selbstbeteiligung.

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  • simi2000 am 14.07.2018 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staat soll übernehmen

    Kilingt zwar stark nach Kommunismus aber ich finde, dass die Krankenkassen vom Staat kontrolliert werden, somit werden die Preise sicher stark gesenkt.

    • Asterix am 16.07.2018 18:19 Report Diesen Beitrag melden

      Leider nein

      Politiker haben noch nie etwas günstiger gemacht. Im Gegenteil. Man muss bei den Preisen der Pharma-Industrie und der Ärzte ansetzen. Oder glaubt wirklich irgend jemand, dass ein 20 minütiges EKG ( wo der Arzt gerade mal 5 Minuten davon anwesend ist ) Fr. 460.-- kostet?

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  • Lokmo am 14.07.2018 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Obligatorische Grundversicherung

    abschaffen, dann werden die Kosten fallen. Wenn immer die Versicherjng alles zahlt, dann gehts weiter mit den Erhöhungen. Konsumenten rennen weiterhin wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt und Aerzte rechnen weiterhin hohe Kosten ab, da alle wissen, dass die Krankenkassen alles zahlen.

    • Sabrina am 14.07.2018 23:09 Report Diesen Beitrag melden

      Staatsaperat

      Also als erstes. Ich habe für die Einheitskasse gestimmt als es klar abgelehnt wurde. Und zweitens denke ich ist es auch nicht der richtige weg. Aber es muss von seiten Staat getan werden. Mein Vorschlag ist alle Versicherer müssen für die Grundversicherung die gleichen Kosten und Leistungen anbieten.Sie müssen eine Gemeinschaftskasse bilden wo die Beträge in einem gemeinsamen Pool verwaltet werden. Sie müssen Daten von Grundversicherung und Zusatzversicherungen komplett trennen.Sie müssen regelmässig einen Bericht einem Kontrollgrenium einreichen was zur kostensenkung gemacht wurde un wird.

    • Krankenkassenfrau am 16.07.2018 16:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sabrina

      Die Leistungen der Grundversicherung sind bereits jetzt bei allen Kassen die gleiche, diese werden übrigens bereits vom Bund (BAG) vorgeschrieben...die Prämienunterschiede kommen aufgrund der versch. auszahlungen der Kassen zustande (Kasse A hat mehr Rechnungen und hohere Kosten auszahlen müssen als Kasse B, also sind die Prämien bei Kasse A höher). Die Krankenversicherungen dürfen keinen Gewinn mit der Grundversicherung erzielen.

    • Asterix am 16.07.2018 18:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Krankenkassenfrau

      Wetten, sie tu es doch? Warten wir einfach mal ab. Bei der Post hätte es ja auch niemand geglaubt.

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