Medikamentenpreise

27. August 2015 08:09; Akt: 27.08.2015 08:09 Print

Krankenkassen schlagen wegen Krebsmitteln Alarm

von I. Strassheim - Krebs wird oft mit zwei Arzneien zugleich behandelt. Das ist wirksamer, aber teurer und ruft die Kassen auf den Plan. Roche dagegen rechtfertigt seine Preise mit der «Ewigkeit».

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Vorbereitung einer Infusion im Spital: Die Krebstherapien werden zunehmend teurer. (Bild: Keystone/AP/Fresenius se & co. Kgaa)

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Die Therapie einer bestimmten Art Brustkrebs kostet pro Patientin inzwischen mehr als 130'000 Franken – allein für die Medikamente. Nämlich für die zwei Roche-Mittel Herceptin und Perjeta, die zusammen eingesetzt werden. «Das ist ein wichtiges Thema für uns Krankenversicherer», sagt Gesundheitsökonom Guido Klaus von Helsana zu 20 Minuten. Denn: «Die Kombinationstherapien mit neuen teuren Krebsmedikamenten nehmen stark zu und dieser Trend wird sich so fortsetzen.»

Je spezieller und wirksamer die Medikamente werden, desto teurer sind sie: In den USA hat Merck das neue Hautkrebsmedikament Keytruda auf den Markt gebracht, das schon als Einzeltherapie rund 150'000 Dollar kostet. Wird dies zusätzlich mit einem weiteren Mittel kombiniert, steigen die Medikamentenkosten noch weiter. «In der Summe muss das günstiger werden, sonst ist das nicht mehr finanzierbar», sagt Gesundheitsökonom Klaus.

Pharmabranche erzielt die höchsten Renditen

Generell gehört die Rendite von Pharmafirmen auch nach Abzug der Kosten für Forschung und Entwicklung zu den höchsten aller Branchen. Und sie ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Während etwa der Technologiekonzern ABB eine operative Gewinnmarge von 13,5 Prozent erzielt, liegt sie bei Roche mit 37,2 Prozent fast dreimal so hoch: Von einem Franken Umsatz bleiben Roche 37,2 Rappen an Betriebsgewinn in der Kasse. Einige Finanzanalysten sprechen deswegen von «Margen im unethischen Bereich».

Roche-Chef Severin Schwan fand für die hohe Umsatzrendite der Pharmaindustrie kürzlich beinah biblische Worte: «Unsere Medikamente stehen der Menschheit auf alle Ewigkeit zur Verfügung», sagte er bei einem Medienanlass im Juli. Denn die Arznei könne als billiges Generikum quasi unendlich genutzt werden, der Roche-Gewinn sei dagegen hauptsächlich auf den 20 Jahre währenden Patentschutz beschränkt.

Roche ist gegen Rationierung von Medikamenten

Roche als weltgrösster Krebsmittelhersteller gewährt jedoch Rabatte bei Kombinationstherapien. Beim Brustkrebsmittel Perjeta sind sie allerdings gerade erst gesenkt worden. Seit dem 1. Juli fällt der Rabatt rund ein Drittel tiefer aus.

Helsana ist derzeit im Gespräch mit Pharmafirmen, Spitälern und Ärzten, um nach einer allgemeinen Lösung bei Kombitherapien zu suchen. «Das Ziel des Projekts ist es, dass die Kosten von Therapien mit zwei oder mehr Medikamenten gesenkt werden», sagt Klaus. Die Preise der einzelnen Mittel sollten nicht einfach addiert werden.

Auch Roche-Chef Schwan vertraut auf das Schweizer System und geht davon aus, dass Medikamente für alle erstattet werden. «Ich kann mir persönlich schwer vorstellen, dass man in einem Land wie der Schweiz Medikamente rationiert und de facto eine Zwei-Klassen-Gesellschaft einführt, das ist dann ja auch eine gesellschaftliche Frage», sagt Schwan. Er vertraue darauf, dass beim Preis stets ein Kompromiss gefunden werde.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Erklärbär am 27.08.2015 08:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist klar!

    Natürlich wird das immer teurer. Keinem Pharmakonzern geht es auch nur eine Sekunde um Menschenleben sondern nur um Geld, Geld und Geld verdienen.

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  • Edi am 27.08.2015 08:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betroffener

    Das zwei Klassen System gibt es schon heute z.B. Allgemein, Halbprivat und Privat wo sie der Oberarzt um die Patienten kümmert. Das mit den Medis wird auch heute schon praktiziert nur merkt es Otto Normalverbraucher nicht. Er ist froh das zu bekommen was er braucht und die KK übernimmt es ohne Vorbehalt oder langwierige Abklärungen.

  • hellena am 27.08.2015 08:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer was zum jammern

    es geht hier um ein menschenleben, um eine mutter,tochter,schwester...da sollte geld nicht eine rolle spielen wenn es darum geht leben zu retten. die prämien steigen auch stetig und die kk fragt auch nicht ob wir uns das leisten können oder nicht. die kk sollten eventuell mal lohnkürzungen in den teppichetagen vornehmen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Meier am 10.09.2015 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    wie sind die Erfolge?

    Also bei meiner Tante nützte keine Chemo was. Wahrscheinlich hätte sie ohne Chemo nicht viel weniger lange gelebt...lohnen sich denn die Nebenwirkungen und die Verlängerung des Leidens...aber vielleicht ist meine Einstellung ja daneben. wie steht es denn mit den Nebenwirkungen bei diesen Doppeltherapien? Ich las in Biografien von Frauen mit Brustkrebs, die 7 Jahre lang damit lebten und in ganzheitlicher Behandlung waren. Meine Tante überlebt mit der Chemo lediglich drei Jahre. Bestimmt ist die Krebsart auch noch ausschlaggebend... man kann auch nein sagen als Patient.

  • Heinz Erich am 31.08.2015 13:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pharmastandort Schweiz

    Über die Margen lässt sich streiten. Ironischerweise sind Firmen wie Roche, Novartis und co. teilweise mit ihren Produkten konkurenzlos. Weils niemand anders kann! Gleichzeitig sind sie aber wichtige Arbeitgeber in der Schweiz. Wir erwarten Innovation und qualitativ hochstehende Produkte von diesen Firmen. Das liefern sie und darum finde ich die Preise gerechtfertig.

    • K-100 am 31.08.2015 18:31 Report Diesen Beitrag melden

      Ich sage es noch einmal:

      Mit Kundennutzen lassen sich überrissene Gewinne nicht rechtfertigen. Daran etwas verdienen ist natürlich legitim.

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  • Biel/Bienne am 28.08.2015 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    es reicht!

    Der Staat soll die Preise im Kampf gegen den Krebs festlegen. So viel und nicht mehr - gemäss dem Budget. Es kann doch nicht sein, dass Pharma auf Kosten den Kranken sich und seinen Familienangehörigen Milliarden "verdienen". Es ist absolut unfair. Wenn man nicht jeden, von der Pharma fantasierten astronomischen Preis für die persönliche Bereicherung bezahlt wird, kommt Pharmaindustrie zum Vernunft.

  • Keinechemo am 27.08.2015 21:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Riesengeschäft

    Ich für mich würde mich bei Krebsbefall nicht monatelang zu Tode therapieren lassen mit unbezahlbarer Chemotherapie. Der Tod wird nur hinausgeschoben und das unter sehr schwierigen Bedingungen.

    • Arzt am 28.08.2015 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Arroganz der (noch) gesunden

      Ja ja das sagen viele und wenn es einen trifft dann rennen sie alle zum Arzt und sagen sie immer das gleiche: retten Sie mein Leben, machen Sie alles was nur helfen kann. Ich weiss wovon ich spreche

    • Pepperoncino am 28.08.2015 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Chemotherapie

      @Arzt Die Ärzte selber würde wahrscheinlich nie eine Chemotherapie machen. Seid doch mal ehrlich zu den Patienten und sagt Ihnen, dass je nach Krebsart keine Heilung möglich ist und sie das Leben geniessen sollen. Schreibe aus Erfahrung.

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  • Tony Mueller am 27.08.2015 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krebs, Krankheiten, wer netz

    ...und wenn es einem selbst trifft ob Krebs oder eine andere Krankheit da ist man froh Hilfe zu bekommen, auch wenn es die Pharmaindustrie macht...jedoch mit den Salären müssten die runter!!