Makler-Belohnung

02. November 2017 05:43; Akt: 02.11.2017 05:43 Print

Krankenkassen zahlen 500 Millionen Fr Provisionen

von Dominic Benz - Die Verwaltungskosten der Krankenkassen schnellen in die Höhe. Schuld daran sind auch die Provisionen für Vertragsabschlüsse über eine halbe Milliarde Franken.

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Nicht nur die Krankenkassenprämien steigen immer weiter. Auch die Verwaltungskosten schnellen in die Höhe. Schuld an den hohen Kosten sind auch Provisionen, die die Versicherer bei Vertragsabschlüssen ihren Maklern und Agenten auszahlen. Das ist das Resultat einer Analyse des Online-Vergleichsdienstes Moneyland. Zu den grössten vier Kostentreibern bei den Krankenkassenprämien gehören hingegen die ambulanten Behandlungen im Spital. Zwischen 2006 und 2016 stiegen die Ausgaben von 2,65 Milliarden auf 5,5 Milliarden Franken. Der Anstieg macht ein Viertel des gesamten Kostenwachstums in der Grundversicherung aus. Auf Rang zwei sind die Behandlungen in der Arztpraxis mit einem Anteil von 24,3 Prozent am Kostenschub. Die Krankenkassen zahlten 2016 7,3 Milliarden Franken aus. Zehn Jahre zuvor waren es noch 4,7 Milliarden Franken. Für stationäre Aufenthalte kassierten die Spitäler im letzten Jahr 6,8 Milliarden Franken. Das sind knapp zwei Milliarden Franken mehr als 2006. Der Anstieg macht 17,7 Prozent aus. Immer teurere Medikamente sind für 12,5 Prozent des gesamten Anstiegs seit 2006 verantwortlich. 2006 verkauften Ärzte und Apotheken Pillen oder Salben für 1,3 Milliarden Franken. 2016 waren es bereits 5,6 Milliarden Franken. Auch 2018 steigen die Prämien: Besonders hart trifft es die Prämienzahler in der Romandie. Die Westschweizer Kantone Waadt (6,4), Wallis (5,9), Neuenburg (5,4) und Genf (5,4) sind Spitzenreiter, was die Erhöhung der Krankenkassenprämien betrifft. Am stärksten ist der Anstieg bei den Prämien von Kindern und jungen Erwachsenen. Ein Überblick über die Prämienentwicklung der vergangenen Jahre. «Wir haben die Krankenkassen angewiesen, dem in den Prämien für 2018 Rechnung zu tragen»: Bundesrat Alain Berset spricht vor den Medien in Bern (28. September 2017). Die Prämien seien in den letzten Jahren ausserdem weniger stark gestiegen als die Kosten – das müsse nun ausgeglichen werden: BAG-Direktor Pascal Strupler erklärt den Prämienanstieg. Berset und Strupler bei der Medienkonferenz in Bern.

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Krankenkassen zahlen ihren Maklern und Agenten bei Vertragsabschlüssen Provisionen. Das Problem: Die Beiträge treiben die Verwaltungskosten in die Höhe, wie eine Analyse des Vergleichsdienstes Moneyland zeigt.

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2016 haben die Schweizer Krankenkassen für Provisionen laut Moneyland insgesamt mehr als 500 Millionen Franken ausgegeben. Bei den Grundversicherungen alleine betrugen die Beiträge 33 Millionen Franken. Das sind rund 2,4 Prozent der gesamten Verwaltungskosten der Grundversicherung in der Höhe von 1,4 Milliarden Franken.

Kosten schlagen direkt auf die Prämie

Drastischer fallen die Zahlen bei den Zusatzversicherungen aus. Hier wurden laut Moneyland.ch insgesamt rund 480 Millionen Franken ausbezahlt. Das entspricht rund einem Viertel der gesamten Verwaltungskosten bei den Zusatzversicherungen. Der Grund für die hohe Zahl: «Krankenversicherer zahlen für Zusatzversicherungen oft sehr hohe Abschlussprovisionen, die pro Vertrag deutlich mehr als 1000 Franken betragen können», sagt Benjamin Manz, Geschäftsführer von Moneyland.

Für Sara Stalder, Geschäftsleiterin vom Konsumentenschutz, sind Provisionen besonders bei der Grundversicherung ein Tabu. «Denn solche Kosten schlagen sich direkt bei der Prämie der Grundversicherung nieder», sagt sie zu 20 Minuten.

Nur auf den Preis schauen

Allerdings seien die Beiträge nur ein kleiner Kostentreiber der Prämie. «Doch viele Kleine machen zusammen ein grosses Ganzes», sagt Stalder. Daher sei jeder Franken Provision beim Abschluss einer Grundversicherung zu viel. Branchenüblich seien 50 Franken. Dennoch würden einzelne Krankenkassen bis weit mehr als tausend Franken zahlen, so Stalder.

Bei der Wahl der richtigen Grundversicherung könnten sich Kunden laut der Konsumentenschützerin unabhängig von Versicherungsvertretern selber orientieren. Die Leistungen seien immer die gleichen. «Versicherte müssen grundsätzlich nur auf den Preis schauen.»

Provisionen kann man nicht verbieten

Doch viele Agenten und Makler missbrauchten die Grundversicherung als Türöffner, um Zusatzversicherungen zu verkaufen, so Stalder. Denn bei den Zusatzversicherungen handle es sich um einen freien Markt, der eingeschränkt reguliert werden könne. «Vertreter finden immer Argumente und gravierende Beispiele, um einem einen Zusatz aufzuschwatzen.» Daher seien auch hier Provisionen ein falscher Anreiz.

Ganz anderer Meinung ist Stefan Felder, Gesundheitsökonom an der Universität Basel. Für ihn sind Provisionen zwar unschön. «Sie gehören jedoch zum intensiven Wettbewerb zwischen den Krankenkassen», sagt er zu 20 Minuten. Die Beiträge würden aber zurückgehen, wenn der Risikoausgleich (siehe Box) ab 2020 verfeinert werde, sagt der Experte.

Vergleichsweise niedrige Kosten

Solche Zahlungen an Makler oder Agenten könne man den Versicherungen aber nicht verbieten. Sonst würden Provisionen einfach im Versteckten vergeben.

Zudem seien die Verwaltungskosten mit einem Anteil von rund fünf Prozent der gesamten Ausgaben der Krankenkassen vergleichsweise niedrig. Denn: «Kein Versicherer hat Interesse an hohen Verwaltungskosten», so Felder.

Seriöse Makler sind wichtig

Auch müssten die Krankenkassen bei der Zahlung von Provisionen auf ihren Ruf achten. Sprich: Die Zusammenarbeit mit seriösen Maklern sei wichtig. Die Gefahr, dass einem etwas aufgeschwatzt werde, bestehe aber letztlich auch bei einem Häuserkauf, sagt Felder.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan am 02.11.2017 05:58 Report Diesen Beitrag melden

    Einheitskasse

    Einzige Lösung ist die Einheitskasse,ähndlich wie die SUVA aufgestellt----und ich stehe wirklich nicht links in der Parteienwelt

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  • TheRealSchnauz am 02.11.2017 05:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    krank

    Wird wirklich Zeit, für die Einheitskrankenkasse. Langsam sollte jeder begriffen haben, dass es so nicht weitergehen kann. Bei der nächsten Abstimmung, wird diese definitiv angenommen.

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  • Reto am 02.11.2017 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ä Frächheit

    Nicht die Krankenkassen! Wir bezahlen das!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hene53 am 03.11.2017 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    500 Mio.für Provisionen...

    Auf der einen Seite will BR Berset mit einem neuen Tarif bei den Gesundheitskosten i.A. und bei den Ärzten i.S.450000000.-CHF(450 Mio)einsparen und auf der anderen Seite werfen die Krankenkassen 500000000.-CHF(500 Mio)für Kundenwerbung zum Fenster hinaus... Nicht zu erwähnen die immensen Kosten für TV Werbung in den Monaten September/Oktober/November vor einem allfälligen Krankenkassenwechsel für das kommende Jahr...

  • Urs Bissig am 03.11.2017 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Kostentreiber sind wir...

    Die bösen KK's müssen die Rechnungen bezahlen die wir verursachen. Jeder denkt, dass seine persönlich verursachten Kosten schon irgendwie gedeckt werden. Das übermässige Naschen von diesem "all you can eat Buffet" hat eben seinen Preis. Nicht die KK's sondenrn wir verursachen die jährliche Preiserhöhung. Jetzt zu glauben, dass eine Einheitskasse Abhilfe schaffen würde ist reiner Unsinn. Und noch am Rande bemerkt; Die Suva ist nur eine von vielen Unfallversicherern. Notabene sind die Verwaltungskosten bei der Suva sehr hoch und die lustigen Werbefilmchen kosten auch nicht wenig.

  • Tinu am 03.11.2017 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Makler unterbinden

    Das ist ja nichts Neues und meiner Meinung nach das was Bern schon lange hätte verbieten sollen!! Der erste unter weiteren Schritten die Kosten zu senken!

  • Claudia am 02.11.2017 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Makler sind völliger Unsinn

    Was haben Provisionen und teure Infrastruktur mit Gesundheitskosten zu tun? Krankenkasse sollte doch genau das sein, aber nur ein kleiner Anteil geht überhaupt an die Gesundheitskosten. Wir berappen mit KK Prämie also teure Infrastruktur und Makler die sich ein goldenes Händchen verdienen. Es ist ein Witz, dies "Krankenkasse" zu nennen, wenns mit der Gesundheit herzlich wenig zu tun hat. Wenn die KK nämlich so teure Makler selber berappen müsste ohne dies dem Prämienzahler unterjubeln zu können, dann würde dieser Unsinn subito aufhören und die KK Prämien wären nur noch halb so teuer.

  • Oliver am 02.11.2017 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Ursachen bekämpfen..

    Naja nun fragen wir uns wer ist Schuld daran...die Provisionsempfänger/Krankenkassen oder die Konsumentenschutz- und Vergleichsportale, welche den jährlichen Wechsel vorantreiben?? Je mehr Wechsel, je mehr muss jemand dafür moniert werden, damit der Wechsel stattfinden kann... somit macht die Einheitskasse Sinn. Aber...was sind schon die 2.4% von ganzen Kuchen..wir müssen das Problem bei unserem Verhalten mit den Arztbesuchen und bei der Pharmaindustrie ändern...sonst bleiben die hohen Kosten bestehen. Die Prämien wiederspiegeln letztendlich nur den Markt der Medizinalanbieter und Konsumenten