Comparis-Prognose

17. Juni 2015 10:21; Akt: 17.06.2015 13:29 Print

Krankenkassenprämien steigen bis zu 20 Prozent

Je nach Kasse und Kanton werden die Pämien 2016 über 20 Prozent in die Höhe schiessen. Im Schnitt beträgt die Zunahme vier Prozent. Angestiegen sind die Kosten für Physiotherapie.

storybild

Im ersten Quartal 2015 sind die Kosten für Physiotherapie 16,2 Prozent in die Höhe geschossen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es ist in der Schweiz beinahe ein Naturgesetz: Die Gesundheitskosten wachsen stärker als die Gesamtwirtschaft. Fürs kommende Jahr hat die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) diese Woche einen Anstieg von 3,2 Prozent prognostiziert. Laut dem Vergleichsdienst Comparis werden die Prämien aber stärker steigen. Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly prognostiziert einen durchschnittlichen Prämienanstieg von vier Prozent.

Umfrage
Haben Sie auch schon wegen einer Bagatelle den Spitalnotfall aufgesucht?
4 %
96 %
Insgesamt 3093 Teilnehmer

Weil aber niemand eine Durchschnittsprämie bezahlt, könne es je nach Kasse und Kanton zu Anstiegen von bis zu 20 Prozent kommen. «Einerseits steigen die Kosten der medizinischen Leistungen zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung weiter an, andererseits sorgt die Regulierungsbürokratie für volatile Prämien», schreibt Comparis in einer Medienmitteilung vom Mittwoch.

Wegen Bagatellen in den Notfall

Für den Anstieg der Gesundheitskosten sorgten unter anderem die Spitäler und Arztpraxen. Bei letzteren sind die Behandlungskosten im ersten Quartal 2015 um 8,8 Prozent und die Laborkosten um 11 Prozent gestiegen. Noch stärker in die Höhe geschossen sind mit 16,2 Prozent die Kosten für Physiotherapie. Dies ist auf Tariferhöhungen für die Therapeuten zurückzuführen, denen ein langer Streit vorausgegangen ist.

Hochgerechnet auf das ganze Jahr 2015 resultiert bei Spitälern und Arztpraxen eine Kostensteigerung von 4,9 Prozent. Die Einführung der neuen Spitalfinanzierung führte laut der Analyse von Comparis zu einem Kostenschub.

Als weiteren Kostentreiber macht der Vergleichsdienst neben den Medikamenten – deren Tarife trotz des starken Frankens nicht an die Auslandpreise angepasst wurden – Bagatell-Konsultationen aus. Oft würden Patienten mit Bagatellen den teuren Spitalnotfall aufsuchen, anstatt sich zuerst telemedizinisch beraten zu lassen oder den Hausarzt aufzusuchen. «Das treibt die Kosten unnötig in die Höhe», so Schneuwly.


(sas)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Noch-Zahlende am 17.06.2015 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Logisch, wenn immer weniger zahlen verteilen sich die Prämien auf die noch-Zahler. Bringt noch mehr ins Land hinein, die die Krankenkassenprämien gratis haben aber voll von unserem Gesundheitssystem profitieren können. Den Zahlenden werden lediglich 'hohe Kosten' vorgegaukelt - und wir glauben's noch.

    einklappen einklappen
  • M.Winiger am 17.06.2015 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Gleich bezahlen BAR

    Wer wegen einer Bagatelle in den Notfall fährt sollte die Kosten bar berappen müssen. Kenn e x Hobbysprotler welchen Physiotherapie in Anspruch nehmen. Vor allem Männer über 40zig die glauben sie seien 20zig. Krankhaftes Fitnessverhalten ist auch ungesund.

    einklappen einklappen
  • Chiara am 17.06.2015 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bonus-Malus

    Warum kann man bei Krankenkassenprämien nicht ein Bonu-Malus System einführen? Das geht doch bei Auto- Haftpflichtversicherungen etc auch!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Saftladen am 18.06.2015 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    vor allem Saures!

    Wenn der Saft der Zitrone ausgepresst ist, kann man noch 1 oder 2 Tropfen aus der Rinde pressen. Ist mühsam und bitter, aber funktioniert. Bei Millionen von Zitronen kommt da doch ganz schön was zusammen.....

  • Ewiger Zahler am 18.06.2015 14:40 Report Diesen Beitrag melden

    5 vor 12

    @Noch-Zahlende Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen! Du sprichst einen sehr wichtigen Punkt an. Wir helfen, wo wir können, doch nun ist der Zeitpunkt da, dass wir an uns denken und eine Grenze setzen müssen! Da immer mehr Prämien vom Sozialamt bezahlt werden, muss diese Kasse auch wieder gefüllt werden. Hallo Steuererhöhung.... Es hängt alles zusammen und wenn das so weiter geht, wird bald niemand mehr das Geld haben, die Prämien sowie die Steuern zu bezahlen. Fazit: Eines Tages fällt alles in sich zusammen...

  • Einfach so am 18.06.2015 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Anreize fehlen

    Man kann so ungesund leben wie man will oder ohne Diagnose zu 50 verschiedenen Ärzten gehen und bekommt bis auf die 700 Franken Selbstbehalt alles bezahlt. Weshalb also sollten gewisse Leute ihr Verhalten ändern, wenn es sie nichts kostet? Weshalb ändert die Politik nichts daran? Die sind mit wichtigerem beschäftigt. Fragt sich nur mit was.

  • Frisco am 18.06.2015 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denkfehler?

    Kann mir einer erklären, wieso die Prämien um 20% steigen sollen, die Gesundheitskosten jedoch nur um 3.2% Das verstehe ich nicht so ganz. Was passiert mit dem Rest?

  • Mittelständer am 18.06.2015 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Anreiz

    Verständlich, dass man hier Luft ablassen will. Aber wir sind selbst schuld. Unsere Haltung "ich bezahle schliesslich, also will ich etwas dafür"verleitet uns, für jede "Boboli" zum Arzt zu rennen. Der wiederum wird keine Ruhe geben, bis er etwas findet, was vorher nicht da war, schliesslich muss auch er leben. Kurz: Versicherungen geben einen falschen Anreiz und verleiten zu unnötigen Ausgaben, schliesslich zahle ich es nicht selbst.