Uber-Prinzip

02. März 2017 05:44; Akt: 02.03.2017 05:44 Print

Kredit-Plattform macht Private zu Mini-Banken

von K. Wolfensberger - Kredite statt Taxifahrten: Schweizer Plattformen verknüpfen private Geldgeber mit Kreditsuchenden. Ist das riskant?

Wie beurteilen Experten das Crowdlending? Fabian Danko, Experte für Corporate Finance ZHAW School of Management and Law, nimmt Stellung im Video.
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Ein neuer Kühlschrank, eine hohe Zahnarztrechnung oder ein Neuwagen: Die Gründe, warum Schweizer einen Kleinkredit aufnehmen, sind vielfältig. Bei klassischen Anbietern bezahlen sie dafür Zinssätze von bis zu 10 Prozent. Günstigere Kredite gibt es oft bei sogenannten Crowdlending- oder Peer-to-peer-Plattformen.

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Es handelt sich dabei um einen neuen Trend aus dem digitalen Banking-Sektor. Wie der Name Crowd andeutet, verleiht dabei eine Menschengruppe oder auch eine Einzelperson über eine Plattform direkt Geld. Kreditnehmer sind andere Privatpersonen oder KMU. Die Plattform selbst ist keine Bank, sondern nur ein Vermittler, wie dies zum Beispiel die Taxi-App Uber oder der Bettenvermittler Airbnb sind.

Günstiger als klassische Anbieter

Schweizer Crowdlending-Anbieter sind beispielsweise die Firmen Cashare.ch, Lend.ch oder Creditgate24.ch. Letzter bietet Zinssätze ab 4,4 Prozent an. Zum Vergleich: Bei der Cembra Money Bank, einem klassischen Anbieter von Privatkrediten, geht es erst ab 7,95 Prozent los. Das zeigt: Die Kredite bei Crowdlending-Plattformen sind für Schuldner oftmals attraktiver als bei Banken.

Doch wie gross ist das Risiko? Grundsätzlich gilt bei Krediten: Wird der Gläubiger zahlungsunfähig, ist der Einsatz meist verloren. Damit es nicht so weit kommt, versuchen die Plattformen das Ausfallrisiko bei den Rückzahlungen zu minimieren und und strenge Regeln bei der Auswahl der Kreditnehmer zu setzen.

Bonitätsprüfungen

Dass dies so ist, bestätigt Christoph Mueller. Der CEO von Creditgate 24 sagt zu 20 Minuten, dass seine Plattform etwa 80 Prozent der Kreditanträge ablehne. Sein Unternehmen sei ausserdem der Zentralstelle für Kreditinformation (ZEK) angeschlossen. Vor Vermittlung eines Kredits würden daher immer Betreibungsinformationen über potenzielle Kreditnehmer abgerufen. «Jeder Kredit wird in Abhängigkeit des jeweiligen Risikoprofils ausserdem in eine von insgesamt sieben Ratingstufen zugeteilt», so Mueller weiter. Das erlaube den Kreditgebern, ihr Risiko präzise abzuschätzen. Im Todesfall sei ausserdem eine Restschuld von bis zu 100'000 Franken versichert.

Ähnliche Absicherungen gibt es bei der Konkurrenz, wie Lend.ch und Cashare.ch, die die meisten Kreditnehmer nicht nur im Todesfall, sondern auch gegen unverschuldete Arbeitslosigkeit oder Erwerbsunfähigkeit versichern. Zur weiteren Verminderung des Risikos gibt es bei Creditgate 24 ausserdem eine Solidaritätsvereinbarung, die laut Aussage des Anbieters einzigartig ist. Fällt ein Kredit aus, wird der Fehlbetrag proportional zu den jeweiligen Anlagesummen auf alle Anleger einer Ratingstufe verteilt.

Die Rendite, die die Geldgeber erwirtschaften können, fällt dabei je nach Risikobereitschaft unterschiedlich aus. Mit einem diversifizierten Portolio hätten Anleger – Mindestinvestition sind 500 Franken – bisher bei CreditGate24.ch knapp sechs Prozent Rendite erzielen können, so der Anbieter.

Grosses Potenzial

Allgemein wird den Crowdlending-Plattformen von Experten ein grosses Potenzial zugeschrieben. Rino Borini, Co-Founder der Finance-2.0-Konferenz, sagt, dass das Thema in der Schweiz erst am Aufkommen sei. «Doch die Wachstumsraten sind zweistellig und werden dies auch weiterhin bleiben», so der Fintech-Experte.

Allerdings dürfte es auf dem Markt bald zu einer Konsolidierung kommen. Grund: «Der Markt in der Schweiz ist zu klein für viele Anbieter.» Längerfristig überleben könnten die Plattformen nur, wenn sie ein hohes Kreditvolumen erreichten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Döme am 02.03.2017 06:53 Report Diesen Beitrag melden

    Konsum auf Pump

    Das geht früher oder später schief-keine Frage. Ich lasse meine Finger davon.

  • Anonymous CH am 02.03.2017 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorzüge der Digitalisierung

    Gute News, die goldenen Zeiten der Banken neigen sich dem Ende zu.

  • Darkwolve am 02.03.2017 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aufpassen

    man kann sicher einen etwas höheren Zins erhalten... doch vorsicht, lohnt es sich wirklich für ein paar Franken das Risiko einzugehen das eingestzte Kapital ganz zu verlieren? es sind oft solche Schuldner die sonst kein Geld erhalten würden, warum wohl? Beispiel: würdet ihr Griechenland Oblis kaufen? oder lieber von Deutschland mit kleinerer Rendite. also aufpassen und selber abwägen. es kann toll sein, aber auch ein Vollverlust

Die neusten Leser-Kommentare

  • ChrisT am 02.03.2017 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wäre Zur Umschuldung geeignet Aber!

    Wer Schulden hat bekommt bei denen genauso wenig ein Kredit wie bei andern auch nicht! Wenn ich Schulden habe, schlägt sich das meist auch im ZEK und oder im Betreibungsauszug nieder! Dann bekommt man auch bei den crowdies nix! Also von wegen Zur Umschuldung geeignet. Da braucht es dann das persönliche Gespräch mit einem Berater, der ja auch einen Lohn haben will und Aufwand zum abklären und eben, dann müssen die eben auch auf 10% und höher. Nein die wollen genauso das schnelle Geld aus dem massengeschäft

  • Ken-Guru am 02.03.2017 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Geldanlage

    Da muss ich mir ernsthaft überlegen, in Zukunft mein Geld anzulegen, anstatt bei der Bank mein Geld schwinden zu lassen. In Asien gibt es dies seit eh und jeh, nur eben noch in klassischer analoger Form und meist mit Wucherzinsen. Dieses System hier ist fair für alle und die Kreditinstitute werden massiv unter Druck kommen.

  • B. Moser am 02.03.2017 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache

    Funktioniert tip top. ich habe so schon Geld investiert wie auch Geld geliehen. Das einzige Problem isg wie überall: wenn man nicht aufpasst übersteigen die Plattformgebühren die Rendite. Lohnt sich also nicht 200 Franken zu investieren, auch nicht mit 6% Zinssatz.

  • Schuldfrei am 02.03.2017 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    viel glück

    Es gilt den Zinssatz zu vergleichen alles andere ist schon oder schwarz Schreinerei. Und 12% sind oft viel zu viel 4 % also sind immer besser

  • Anonymous CH am 02.03.2017 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorzüge der Digitalisierung

    Gute News, die goldenen Zeiten der Banken neigen sich dem Ende zu.