Online-Schwarzmarkt

07. Februar 2011 15:44; Akt: 07.02.2011 17:03 Print

Kreditkarten ab 2 Dollar

Das Geschäft mit gestohlenen Bankdaten floriert im Internet. Die Sicherheitsfirma Panda hat sich in kriminelle Netzwerke eingeschlichen und macht interessante Zahlen publik.

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Kriminelle verkaufen gestohlene Bankdaten weiter. Vorsichtigen «Kunden» werden spezielle Dienstleitungen angeboten, so etwa der Einsatz von Strohmännern. (Bild: Keystone)

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Kreditkarten aus Europa kosten mehr als US-amerikanische oder kanadische. Dies gilt auch für die illegalen Angebote im Netz. Wie die Sicherheitsfirma Panda in einem neuen Bericht zur Internetkriminalität festhält, herrscht in kriminellen Netzwerken professionelle Arbeitsteilung. Kunden werden mit massgeschneiderten Dienstleitungen und Spezialangeboten geködert, erhalten Mengenrabatte und dürfen einzelne Dienstleistungen vor dem Bezahlen ausprobieren.

In Moskau muss sich zurzeit ein 27-jähriger Russe vor Gericht verantworten, der die Royal Bank of Scotland um 10 Millionen Dollar erleichtert haben soll. Der Hacker hat die ihm zur Last gelegten Taten zugegeben, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Der Mann sei Mitglied einer international tätigen Hacker-Gruppe gewesen. Mit den erschlichenen Kundeninformationen hätten die Täter grosse Beträge bezogen von Geldautomaten in ganz Europa, Asien und den USA. Es ist dies ein Fall, der Einblicke ermöglicht in die weltweiten kriminellen Machenschaften.

In Netzwerke eingeschlichen

Die Palette der Dienstleitungen und Angebote ist breit. Sie reicht von gestohlenen Kreditkartendaten (2 bis 90 Dollar, je nach Kreditrahmen) über gefälschte Kreditkarten (ab 190 Dollar) bis zu komplett nachgebauten Geldautomaten (Richtpreis: 35 000 Dollar). Im Angebot sind gestohlene Online-Banking-Daten aus zahlreichen Ländern - darunter auch die Schweiz. Der Schwarzmarktpreis hängt von der Zuverlässigkeit der Daten und der voraussichtlichen «Rendite» ab. 400 US-Dollar kostet beispielsweise der Zugang zu einem Konto der Barclays Bank, mit dem sich angeblich bis zu 100 000 Dollar erwirtschaften lassen. Weniger belastbare Paypal-Konten, die einen Gewinn von 1500 Dollar versprechen, sind ab 80 Dollar zu haben.

Die Sicherheitsfirma sagt, sie habe sich in mehrere kriminelle Netzwerke eingeschlichen, in denen mit gestohlenen Daten gehandelt wird. Dabei handle es sich um Online-Shops, wie man sie aus der legalen Wirtschaft kenne. Panda will 50 solcher Shops ausgekundschaftet haben und zeigt anhand zahlreicher Screenshots die feilgebotenen Dienstleitungen.

Vorsichtige Kunden, die sich nicht trauen, mit den gestohlenen Daten online einzukaufen, können einen speziellen «Forwarding»-Service in Anspruch nehmen. So gibt es die Möglichkeit, die gewünschte Ware über einen Strohmann einzukaufen und sich die Geräte an die eigene Wohnadresse weiterleiten zu lassen. Plasma-Fernseher sind so für 100 Dollar zu haben, iPhones können für 60 Dollar bestellt werden.

Die einzige Möglichkeit, um in direkten Kontakt zu treten mit der Online-Mafia, sind Instant-Messaging-Dienste wie ICQ oder Yahoo Messenger sowie dubiose Mail-Adressen. Angesichts des unglaublichen Angebots an falschen Kreditkartendaten, verwundert es nicht, dass die kriminellen Online-Shops keine Karten akzeptieren. Bezahlt wird vielmehr mit Geldüberweisungs-Diensten wie Western Union oder WebMoney.

Gesundes Misstrauen

Die Sicherheitsexperten erinnern an grundlegende Vorsichtsmassnahmen im Umgang mit Bankdaten und anderen vertraulichen Informationen. Diese Daten sollten an einem sicheren Ort aufbewahrt und nur an Dritte weitergegeben werden, wenn deren Identität und Zuverlässigkeit zweifelsfrei feststehe. Quittungen und Bankauszüge sollte man sorgfältig aufbewahren und sicherstellen, dass sie nicht in falsche Hände geraten. Im Zweifelsfall - etwa wenn man bei einer Online-Transaktion etwas Ungewöhnliches bemerkt -, sollte sofort das eigene Finanzinstitut kontaktiert werden.

(dsc)